Präsident, der polarisiert: Bush ein Landes-Spalter oder ein führungsstarker Patriot?

Erst durch 9/11 erfuhr Bush-Politik eine Wandlung

US-Präsident George W. Bush polarisiert. Liberale Amerikaner sehen in ihm einen Mann, der das Land gespalten und in einen sinnlosen Krieg getrieben hat. Intellektuelle, Künstler und Filmemacher wie Michael Moore beschreiben ihn als Marionette der Öl- und Rüstungsindustrie sowie neokonservativer Ideologen. Seine Anhänger betrachten Bush als führungsstarken Patrioten, der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 begriffen hat, dass die USA im Krieg gegen den internationalen Terrorismus ihren Mann stehen müssen.

Bush wurde 1946 in New Haven (Connecticut) als ältester Sohn von George Herbert Walker Bush geboren, der zwischen 1981 und 1993 acht Jahre unter Ronald Reagan Vizepräsident und dann vier Jahre US-Präsident war. Bush junior wuchs vor allem in Texas auf, wo sein Vater im Ölgeschäft tätig war. Er studierte an der Eliteuniversität Yale und ging 1968 zur Nationalgarde, wo er zum Piloten ausgebildet wurde - und damit nicht in den Vietnamkrieg musste.

Ab 1972 besuchte Bush die renommierte Harvard Business School und versuchte sich dann im Ölgeschäft. 1977 heiratete er die Lehrerin Laura Welch, 1981 wurden die Zwillingstöchter Barbara und Jenna geboren. Mitte der 80er Jahre brach Bush mit seinem eher unsteten Leben, hörte auf zu trinken und konvertierte zum methodistischen Glauben seiner Frau.

1994 wurde der Republikaner Bush zum Gouverneur von Texas gewählt und 1998 wiedergewählt. 2000 besiegte Bush bei den US-Präsidentschaftswahlen seinen demokratischen Rivalen Al Gore. In den ersten Monaten seiner Präsidentschaft fiel Bush außenpolitisch wenig auf verbrachte geraume Zeit auf seiner Ranch in Texas, was ihm die Kritik eintrug, ein "Teilzeitpräsident" zu sein.

Mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erfuhr die Politik von George W. Bush eine Wandlung. Angesichts der Opferzahl und der Symbolkraft der Anschläge proklamierte er einen Krieg gegen den Terrorismus. Mit internationaler Unterstützung und der Zustimmung des UNO-Sicherheitsrates führten die USA und Großbritannien zunächst ab dem 7. Oktober Krieg in Afghanistan, wo die für die Anschläge verantwortlich gemachten Terrororganisation Al-Kaida ihre Basis hatte.

2002 stellte Bush einen Zusammenhang zwischen dem Krieg gegen den Terrorismus und dem irakischen Machthaber Saddam Hussein her. Bush warf dem Irak vor, Massenvernichtungswaffen zu besitzen - ein Vorwurf, der sich später als unwahr erwies. Der von der Regierung Bush auf den Irak ausgeübte Druck gipfelte im März 2003 im Einmarsch von britischen und US-Truppen. Da wegen der Opposition im Weltsicherheitsrat das ursprünglich angestrebte UNO-Mandat nicht zu erhalten war, stützte sich Bush schließlich auf eine "Koalition der Willigen" mit Großbritannien, Spanien, Italien, Polen, Australien und anderen Staaten.

US-Präsident Bush wurde in den Präsidentenwahlen des Jahres 2004 wiedergewählt. Im Kabinett Bush II wurde etwa die Hälfte der Minister ausgetauscht. Außenminister Colin Powell, der schon im November seinen Rücktritt erklärt hatte, wurde durch Condoleezza Rice ersetzt.

Im Mai 2004 drangen Informationen über entwürdigende Folterpraktiken von US-Militärs an irakischen Gefangenen im irakischen Abu Ghraib-Gefängnis an die Öffentlichkeit. Schon zuvor war die Bush-Regierung wegen der Behandlung von Gefangenen aus dem Afghanistan-Krieg auf dem US-Stützpunkt Guantanamo Bay in Kuba kritisiert worden. Im August 2005 traf der Hurrikan Katrina auf die Südküste der USA und verwüstete ein Gebiet von der dreifachen Fläche Österreichs. Über 1200 Menschen kamen ums Leben. Bush wurde abermals hart kritisiert.

George W. Bush ist auch der erste US-Präsident, der die Produktion eines großen Kinofilms (Fahrenheit 9/11), den Start eines Rundfunknetzes (Air America Radio) und die Premiere einer Fernsehserie (The Al Franken Show) bewirkte, deren gemeinsames Ziel es war, seine Wiederwahl zu verhindern. Mit seinen sprachlichen Ausrutschern (Bushism) füllte er Internet-Seiten. Ernsthafte Publizisten wie Watergate-Aufdecker Bob Woodward schildern Bush als nachdenklichen Kopf und entscheidungsstarke Führungspersönlichkeit, der zur religiösen Differenzierung in das "Gute" und das "Böse" neigt. (apa/red)