Präsentation in Wien: Kampuschs Mutter schrieb Buch über die Jahre der Entführung

"Die Frage, warum, kann niemand mehr beantworten" Natascha Kampusch war bei Präsentation anwesend

Präsentation in Wien: Kampuschs Mutter schrieb Buch über die Jahre der Entführung

Die Vorstellung von Brigitta Sirnys Buch "Verzweifelte Jahre" über die Zeit der Entführung ihrer Tochter Natascha Kampusch sorgte im Wiener Presseclub Concordia für großes Medienaufsehen. Zwischen 80 und 100 Reporterteams aus Österreich und Europa waren erschienen, um über die 57-jährige Autorin und ihr Schicksal zu berichten. Kurz nach Beginn der Präsentation sorgte ein unerwartete Gast für Rummel: Natascha Kampusch schlich versteckt hinter Sonnenbrille und Fächer in den Saal und verfolgte die Pressekonferenz aus der letzen Reihe.

In den vergangenen Tagen wurde mehrfach berichtet, Natascha Kampusch sei "grantig" über das Buch, in dem Sirny die achteinhalb Jahre dauernde Entführung aus ihrer persönlichen Sicht schildert. Gerüchte über Unstimmigkeiten dürften mit dem überraschenden Besuch entkräftet sein. "Wenn ich's unbedingt erzählen will, ist es okay", so Sirny über die Meinung ihrer Tochter zu dem Buchprojekt. Das Werk wurde von Natascha Kampusch laut dem Verlag Ueberreuter vorab selbst gelesen und korrigiert.

Das Auftauchen der medienscheuen Natascha Kampusch bei der Präsentation blieb von den zahlreichen Journalisten natürlich nicht unbeobachtet. Trotz dem ausdrücklichen Wunsch "keine Fotos" rangelten die Fotografen um Bilder, Natascha Kampusch versuchte sich hinter ihrem Fächer zu verstecken. Gleich nach Ende der Pressekonferenz verschwand sie unter dem Schutz der Verlagsmitarbeiter in ein Hinterzimmer, gemeinsam mit Mutter Sirny und ihren Schwestern.

Internationales Medienaufgebot
Das internationale Medienaufgebot ließ Erinnerungen an die Zeit kurz nach der Flucht Natascha Kampuschs vor knapp einem Jahr wach werden. Neben österreichischen Journalisten erschienen auch zahlreiche Reporterteams aus Deutschland. Auch Redakteure und Fotografen aus Frankreich, Spanien, Großbritannien und den Niederlanden drängten sich um einen Sitzplatz.

Mit den Worten "Mein Leben in der Hölle begann um halb sechs" beginnt Brigitta Sirny ihre Erzählung über die jahrelange Ungewissheit, Angst und Hoffnung sowie die Entführung ihrer Tochter am 2. März 1998. "Vergessen kann ich diese achteinhalb Jahre nie, aber es ist doch leichter, damit umzugehen", erklärte die 57-Jährige, die mit dem Buch vor allem ihr Schicksal aufarbeiten will.

Frage nach dem "Warum" bleibt offen
Sirny, die nun als zweiten Namen ihren Mädchennamen "Kampusch" führt, berichtet mit Hilfe der beiden Co-Autoren Andrea Fehringer und Thomas Köpf vom Tag der Entführung, Verdächtigungen gegen sie selbst und vergeblichen Suchaktionen der Polizei . Thematisiert wird auch der Umgang mit Journalisten und Ermittlern sowie Versuche, ihre Tochter mit Hilfe von Experten fürs Übersinnliche zu finden. "Das ist immer die Frage: warum? Und die bleibt offen, die kann uns niemand mehr beantworten", so Sirny zur Ungewissheit, warum ausgerechnet ihre Tochter entführt wurde.

"Ich habe sehr viel gesprochen mit Natascha", berichtete die 57-Jährige über die achteinhalb Jahre Ungewissheit. "Ihr Bild geküsst und mit ihr gequasselt - das war meine Hoffnung." Ob der bevorstehende erste Jahrestag der Flucht am 23. August gefeiert wird, bleibt ein Geheimnis. "Das verrat' ich nicht", so Sirny. "Nein, wir haben nichts wirklich geplant."

Sehr guter Kontakt
"Der Kontakt ist sehr gut aus meiner Sicht", berichtete Sirny über die Beziehung zu ihrer Tochter. "Wir besuchen Freunde, gehen schwimmen, shoppen, besuchen die Großmutter und Schwestern - wie eine normale Familie." Gesprochen habe sie mit Natascha über das Buch noch nicht. "Wir haben andere Dinge, die wichtiger sind - in der Beziehung Mutter-Tochter", so Sirny.

(apa)