Potter-Inquisitor Kurt Krenn hat Buch nicht gelesen

Potter-Inquisitor Kurt Krenn hat Buch nicht gelesen

Der schier unheimliche Erfolg der Harry-Potter-Bände hat die Geistlichkeit auf den Plan gerufen. Katholische Fundamentalisten vermuten hinter dem Kinderbestseller diabolische Kräfte am Werk. An der Spitze der Kinderbuchinquisition: Bischof Kurt Krenn.

Satanische Verse verfasst zu haben ist nicht länger ein Privileg Salman Rushdies. Denn gotteslästerlich soll auch sein, womit die britische Autorin Joanne K. Rowling Millionen Kinder in ihren Bann gezogen hat. Ihr Zauberlehrling Harry Potter steht bei vielen Katholiken auf dem Index.

Fromme Glaubenshüter argwöhnen bereits, bei dem globalen Bestseller habe der Leibhaftige seine Hände im Spiel. Harry, der schüchterne Satansbraten aus dem Magierinternat, gilt ihnen als Götze, den es im Namen des Herrn zu bekämpfen gelte. Und berufen dazu fühlen sich derzeit ebenso geistliche Herren wie auch christliche Laien von Amerika bis Österreich, von der Schulbehörde im US-Bundesstaat Michigan bis hin zu Bischof Kurt Krenn in St. Pölten.

Krenn: "Der Teufel ist wirklich"
Diözesanbischof Kurt Krenn ließ sich schon als Kind nicht vom Bösen Buben verführen. Doch er bangt um die Seele der Schwächeren.

FORMAT: Sind Sie der Meinung, daß das Okkulte in Harry Potter tatsächlich so gefährlich ist?

Krenn: Ich muss gestehen, ich habe keine Zeile aus diesen Büchern gelesen. Und ich habe es auch nicht vor, sie zu lesen. Aber: Der Umgang mit solchen Dingen kann gefährlich sein.

FORMAT: Pfarrer Wagner aus Windischgarsten möchte beispielsweise nicht, dass die Kinder aus seiner Gemeinde Harry Potter lesen, damit sie nicht vom rechten Weg abkommen.

Krenn: Ein guter Rat. Ich kenne den Pfarrer Wagner gut, und ich habe volles Vertrauen in seine Aussagen. Der Teufel hat seine Späße gemacht mit den Kindern. Das gibt es, wenn wir ernst nehmen, dass der Teufel wirklich ist.

3 weitere Bücher geplant
Was einst als harmloses Fantasyphänomen den Buchmarkt eroberte, so schwefeln die frommen Kritiker, sei tatsächlich ein diabolischer Raubzug nach Millionen unschuldigen Kinderseelen gewesen. Mit höllischer Raffinesse seien sie dazu verführt worden, sich die satanische Saga reinzuziehen, die sich scheinheilig als harmloser Kinderschmöker getarnt hatte. Der Teufel, so scheint’s, mag sich mit seinem kolossalen Erfolg noch immer nicht zufriedengeben: Auf die bislang vier Bände und zwei Sonderausgaben des Zaubermärchens sollen noch drei weitere Potter-Wälzer folgen. Derzeit fiebern die jungen Fans aber dem Kinodebüt des Buben mit der magischen Zackennarbe auf der Stirn entgegen – wenn ein wackerer Exorzist nicht noch rechtzeitig diesen Teufel mit dem Beelzebub austreiben kann.

Harrys größter Kampf in der realen Welt steht demnach noch bevor. Titelvorschlag: "Harry Potter und die Angst der Erwachsenen".

Das komplette Kurt Krenn-Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT .