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Doch kein Streik

Konzernchef Pölzl lädt zu Gesprächen am Montag - Gewerkschaftler skeptisch

Post - Doch kein Streik © Bild: APA/Schneider

Der Arbeitskonflikt bei der Österreichischen Post ist fürs erste abgewendet. Postchef Georg Pölzl hat heute die Postgewerkschaft zu einer Gesprächsrunde am kommenden Montag, dem 7. November, eingeladen, an der die Belegschaftsvertreter auch teilnehmen wollen.

Ursprünglich hatte Gewerkschaftschef Helmut Köstinger dem Postboss bis heute Zeit gegeben, über ein ganzes Bündel von Kritikpunkten zu sprechen. Die Belegschaftsvertreter werfen dem Management vor, ältere Mitarbeiter aus dem Unternehmen zu mobben und durch Unterbesetzung für überproportionalen Arbeitsdruck zu sorgen. Außerdem setze die Post Leiharbeiter in den Filialen ein, anstatt für eine ausreichende Zahl an Postler zu sorgen.

Treffen am Freitag
Am morgigen Freitag treffen sich nun alle Spitzenfunktionäre der Postgewerkschaft in Wien, um die Gespräche am Montag vorzubereiten. Sollte zu Wochenbeginn dann nicht gleich die entsprechenden Arbeitsgruppen innerhalb der Post eingesetzt werden, dann ist der Streikbeschluss wieder am Tisch, stellte Köstinger im Gespräch mit der APA klar. "Papierln lassen wir uns sicher nicht", meinte er.

Verwirrung bei Vorwürfen
Postchef Pölzl hatte den Vorwurf des Mobbing bereits in der Vergangenheit als "Lüge" zurück gewiesen. Vielmehr sei es so, dass mit einigen nicht beamteten Mitarbeitern, die länger als zehn Jahre bei der Post und über 50 Jahre alt sind und somit unmittelbar vor der Unkündbarkeit stünden, Gespräche über deren Leistungsbereitschaft geführt werden. Auch dass Leiharbeiter im großen Stil eingesetzt würden, wies Pölzl zurück. Es seien lediglich einmal vier Leiharbeiter in Wien zum Zug gekommen, um kurzfristige Lücken zu füllen und Wartezeiten zu verringern. Derzeit würden 40 bis 50 Postler für Filialen in Wien gesucht.

In einer Pressemitteilung hielt Pölzl am Donnerstagnachmittag fest: "Ich erwarte mir, dass wir im konstruktiven Miteinander rasch einen konkreten Verhandlungs- und Aktionskatalog erarbeiten, der klare Maßnahmen und Zeitpläne zu jedem der einzelnen Diskussionspunkte enthält."

Streikbeschluss ist geholt
Die Postgewerkschaft hatte sich Dienstag vergangener Woche einen einstimmigen Streikbeschluss beim ÖGB geholt. Wesentliche Punkte des Forderungskataloges der Postgewerkschaft sind ein Stopp der Mitarbeitergespräche mit jenen Kollegen, die das Unternehmen angeblich loswerden will, ein Stopp der Frühpensionierungen gegen den Willen der Postler, ein Stopp der Auslagerungen und mehr Personal sowie eine Abgeltung drohender Einkommensverluste. Außerdem müsse der Umgang des Managements mit den Untergebenen "menschlicher" werden. Einen unmenschlichen Umgang bestritt Pölzl vehement, allerdings gehe es nicht an, dass Personen, die die geforderte Leistung nicht bringen können oder wollen, in die Unkündbarkeit zu übernehmen.

Die Post hatte zuletzt sehr gute Unternehmenszahlen vorgelegt. Das Betriebsergebnis (EBIT) legte im 1. Halbjahr um 9,1 Prozent auf 81,3 Mio. Euro zu, der Umsatz wuchs um 2,9 Prozent auf 1,138 Mrd. Euro, und das Periodenergebnis verbesserte sich um 14,7 Prozent auf 62 Mio. Euro. Der Cash-Flow aus dem Ergebnis verzeichnete ein Plus von 15,5 Prozent auf 93,3 Mio. Euro. Negativer Ausreißer ist einmal mehr das Filialgeschäft mit einem Umsatzminus von 6,2 Prozent auf 75 Mio. Euro. Die Personalkosten haben sich um 6,1 Mio. Euro reduziert. "Operative Einsparungen ergaben sich durch die Ausnutzung der Fluktuation im Unternehmen, auf vergleichbarer Basis reduzierte sich der Personalstand um 786 auf 23.250 Mitarbeiter", hatte das teilstaatliche börsenotierte Unternehmen bei der Präsentation der Halbjahresbilanz mitgeteilt. Die Dividende für die Aktionäre der Post AG betrug zuletzt 1,60 Euro je Aktie. Die Post gehört noch zur Hälfte dem Staat, der Rest ist im Streubesitz.