Porträt von

Neuer Finanzminister
Schelling ist Multimillionär

Der ehemalige Möbelmanager besitzt laut Insidern "über 100 Millionen Euro"

Schelling, Fischer © Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

Vom Möbelmanager und Sanierer zum Finanzminister: Hans Jörg Schelling ist ein Mann aus der Wirtschaft und habe - davon ist der neue Vizekanzler Mitterlehner überzeugt - alles zu bieten, was ein Finanzminister braucht. Apropos Möbelmanager: Der frisch angelobte ÖVP-Minister lernte als Geschäftsführer der XXXLutz-Gruppe das Scheffeln, und zwar nicht wenig. Schelling ist Multi-Millionär - mit einem von Insider geschätzten Vermögen von "über 100 Millionen Euro".

In elf Jahren als Geschäftsführer machte Schelling aus dem vorher unbedeutenden Möbel Lutz eine Megamarke. 2003 wurde der XXXLutz unter seiner Führung mit einem Umsatz von 1,25 Milliarden Euro zum größten Möbelhaus Österreichs. 2009 erreichte das Unternehmen einen Umsatz von zwei Milliarden Euro und wurde hinter Ikea zum zweitgrößten Möbelhaus der Welt. Danach hieß es "Adieu" - Schelling stieg aus, verkaufte seine Anteile und machte ein Vermögen.

Finanziell unabhängiger Lebemann

Der zweifache Familienvater hat sich so eine finanzielle Unabhängigkeit geschaffen. In seiner Freizeit genießt er das Kochen, Golfen und Segeln. Und seinen Zweitwohnsitz am Attersee beziehungsweise sein gepachtetes Weingut.

Schellings Lebensmittelpunkt ist Sankt Pölten, wo er 2001 auch seine politische Laufbahn in der Kommunalpolitik für die ÖVP begann. Große gesellschaftliche Auftritte sind nicht seine Sache. Er kocht stattdessen leidenschaftlich für Freunde auf und serviert seinen eigenen Wein, den er auf dem von ihm gepachteten Weingut von Stift Herzogenburg produziert. Er liefert den Wein auch selbst aus und macht Kellertouren. Als sein Ziel hat er genannt, "für meinen Wein Prämierungen zu bekommen und im Alter ein richtig knorriger Weinbauer zu werden".

Geld kommt laufend rein: Als Vorsitzender im Hauptverband der Sozialversicherungsträger erhält er zwölfmal im Jahr eine finanzielle Aufwandsentschädigung von rund 3.000 Euro sowie eine Aufsichtsratsentschädigung bei der ÖVAG. Zusätzlich verdient er noch als selbstständiger Unternehmensberater in Sankt Pölten Geld.

Arbeit kein Muss

Des Geldes wegen muss Schelling des Job als VP-Finanzminister also nicht machen. Den Herausforderungen stellt sich der 60-jährige Polit-Profi mit Selbstbewusstsein: "Die Probleme sind lösbar", sagte er mit Blick auf die vor ihm liegende Aufgabe und meinte wohl Budgetsanierung, Hypo und der Kampf um die Steuerreform. Er habe bewiesen, auch heiße Eisen anzufassen. Das betonte auch Mitterlehner bei der Vorstellung seines neuen Regierungsteams. Als Hauptverband-Chef habe Schelling ein "ganz schwieriges Thema", nämlich die Gesundheitsreform, mit den Ländern umgesetzt und die Gebietskranken ins Plus gebracht.

Schellings Vorzüge laut Mittlerlehner

Als "ausschlaggebend" für seine Entscheidung für Schelling nannte Mitterlehner vier Kriterien:

  • Finanzerfahrung "in Betrieben und/oder Institutionen"
  • EU-Know-How
  • "Sprachkompetenz" (Mitterlehner: "Dass der Experte nicht lacht, und dass der Laie ihn versteht")
  • Erfahrung, wie sie Schelling im Gesundheitsbereich vorweisen kann

Mitterlehner lobte zudem Schellings Verhandlungsqualitäten. "Es ist klar, dass man nicht immer die gleiche Meinung haben muss." Doch es gehe darum, den "Verhandlungsweg letzthin zu einem gemeinsamen guten Ergebnis zu führen, und das kann er", so Mitterlehner wohl nicht zuletzt in Hinblick auf das große Koalitionsthema Steuern.

 Der designierte neue Finanzminister Hans Joerg Schelling (l.) und BP Heinz Fischer
© APA/ROLAND SCHLAGER Informationsgespräch: Der designierte neue Finanzminister Hans Joerg Schelling und BP Heinz Fischer

Schellings Werdegang

Hans Jörg Schelling, geboren am 27. Dezember 1953 in Hohenems, verheiratet, zwei Töchter. Studium der Betriebswirtschaft, 1981 Promotion. Ab 1981 bei Kika/Leiner, ab 1988 als Geschäftsführer, 1992 bis 2005 Lutz-Geschäftsführer. Seit 1990 selbstständiger Unternehmensberater. Während seiner Managertätigkeit auch Aufsichtsrat von Palmers (bis 2003), der Telekom Austria (bis 2007) und der Österreichischen Post AG (bis 2007). Von 2007 bis 2008 war er Abgeordneter der ÖVP im Nationalrat. Vizepräsident der Wirtschaftskammer. Von 1.5. bis 16. 12. 2008 AUVA-Obmann, seit 21.1. 2009 Vorsitzender im Hauptverband der Sozialversicherungsträger.

Kommentare

Aso, ehrlich verdient ist dieses Vermögen in Österreich nicht ansonsten wäre niedriger, weil alleine unser gieriger Staat darauf achtet das dies unter normalen Bedingungen nicht möglich ist. Ich würde sagen er hat es erworben.

Mir ist es sehr viel lieber, ein Finanzminister ist schon VOR Antritt seines Amtes reich.

Und nicht erst hinterher.

da man es uns Österreichern sowieso NICHT rechtmachen kann, (s.a. parteiloser Finanzminister) tröstet mich insofern der Spruch: SPAREN KANNST NUR VON DEN REICHEN LERNEN !!!!
den ich Jahrzehntelang von den Leuten gehört hab, daher nehm ich jetzt mal an, dass es für uns eine gute Entscheidung sein wird - und dass in alten Sprüchen doch ein Quentchen Wahrheit liegt !
Hat eigentlich sich schon wer Gedanken gemacht, dass keinen gibt, der aus seinem Geldbörsel 10 € herausholen kann, wenn nur fünfe drinn sind ???????? und für Österreich umgemünzt, glaub ich, dass net mal mehr 1 € drinnen ist - also - will wirklich noch wer dem armen Finanzminister von Österreich spielen ??? viel Glück dabei !

Wenn Herr Schelling tatsächlich über ein Vermögen in dieser Höhe verfügt ( Medien neigen bekanntlich zu pathologischer Übertreibung ) wird ihm eine Vermögenssteuer maximal ein mildes Lächeln auf sein Gesicht zaubern.

Jae Real

Endlich ein Minister der was von einem Geschäft versteht, nicht irgendwer der NULL Ahnung hat vom Geld verdienen, wenn selbständige das Land führen würden, würde es viel besser aussehen, die wissen was Geld bedeutet und nicht immer von neuen Schulden sprechen.

giuseppeverdi melden

Nichts dagegen, dass der Mann über 100 Millionen Euro Vermögen besitzt. So ein Vermögen bekommt man schließlich nicht geschenkt, sondern man muss es sich erarbeiten, wenn auch die Möglichkeiten dazu, auf Grund seiner politischen Vergangenheit wesentlich besser sind, als z.B. bei mir, einem Nobody. Aber.....

giuseppeverdi melden

....wie soll der Mann z.B. gerecht über eine eventuelle Vermögenssteuer urteilen, wenn er selbst davon "schwerstens" betroffen ist? Bitte um Antworten!

Das ist wieder typisch zuerst wird lang und breit darüber berichtet, welches Vermögen der neue Finanzminister hat und dann unter ferrner liefen, was er geleistet hat. Für mich müsste das umgekehrt sein, zuerst was er geleistet hat, denn daraus resultiert sein Vermögen. aber Leistung ist in diesem Land sowieso unterbewertet und nicht so wichtig.

Dieser Mann hat noch keinen einzigen Schritt gesetzt und wird sofort vorverurteilt und beleidigt. Welche Kategorie Wähler postet hier eigentlich, mündige oder besachwaltete Menschen? Wenn man es vielleicht selbst im Leben zu nichts gebracht hat, ist das noch lange kein Grund auf alles und jeden verbal einzuhacken.

Wie einfältig ist man denn hier bitte? Ein durch Wissen und Fleiß erworbenes Vermögen darf also ein Finanzminister nicht haben? Soll aber gleichzeitig über ausreichend Kompetenz und Verantwortung verfügen um eine riesige Sanierung durchzuführen.Liebe Leute, wenn man nicht mal über Halbwissen verfügt wäre doch Schweigen das bessere Mittel der Wahl.

Dann soll er gleich in der Verwaltung anfangen, da gibts genug zu tun!

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