Frühling der Tränen von

Was Sie gegen die
Pollenallergie tun können

Tränenden Augen und Niesanfälle - die Zahl der Betroffenen steigt von Jahr zu Jahr

Pollenallergie © Bild: iStockphoto.com/Kristian Husar

Otto Spranger war Mitte 20, als sein Immunsystem plötzlich begann, verrückt zu spielen. Nach einem Umzug quälten ihn Niesanfälle und eine laufende Nase. Er dachte an eine hartnäckige Verkühlung. Und tatsächlich: Ein paar Wochen später war alles wieder vorbei. Bis zum nächsten Frühling. Dann fing alles von vorne an. "Es war extrem mühsam. Ich habe sehr schlecht geschlafen und war in der Arbeit dadurch unkonzentriert“, sagt der 65-Jährige. Außerdem hatte er immer die Sorge, zu wenige Taschentücher mitzuhaben. Erst nach vier Jahren schaffte ein Test Klarheit: Spranger ist gegen Birkenpollen allergisch. Später kamen eine Allergie gegen pelztragende Tiere und allergisches Asthma dazu.

1,7 Millionen Österreicherinnen und Österreicher leiden an einer Allergie. Nach Rückenschmerzen sind Allergien damit die zweithäufigste chronische Erkrankung hierzulande. Die Zahl der Betroffenen werde noch steigen, ist Gunter Sturm, Leiter des Allergie-Ambulatoriums Reumannplatz, überzeugt: "Das hat einerseits mit dem höheren Bewusstsein der Menschen in Bezug auf Allergien zu tun und andererseits damit, dass die Kinder immer reinlicher aufwachsen.“

Aus Freund wird Feind

Eine Allergie ist eine Fehlreaktion des Immunsystems. Beim ersten Kontakt mit einem Allergen passiert noch nichts. Erst nach häufigerem Kontakt können allergische Reaktionen auftreten. In der Zeit dazwischen liegt die Sensibilisierungsphase, in der der Körper beginnt, einen an sich harmlosen Stoff als Feind anzusehen, und Antikörper dagegen bildet. Bei neuerlichem Kontakt kommt es zu einer Ausschüttung von Entzündungsstoffen, um den vermeintlichen Feind abzuwehren. Das führt zur allergischen Reaktion.

Otto Spranger war schon erwachsen, als die Allergie erstmals auftrat. Das ist eher untypisch. Obwohl auch Erwachsene eine Allergie bekommen können, sei es wahrscheinlicher, dass sie bereits in der Kindheit auftritt, erklärt Allergologe Sturm.

Rund ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen in Österreich sind von einer Allergie betroffen. Die Allergien werden vererbt. Wenn beide Elternteile daran leiden, so liegt die Wahrscheinlichkeit, dass auch ihr Kind Allergiker wird, bei 60 bis 80 Prozent. Allerdings gibt es nicht ein einziges Allergie-Gen. Vielmehr entsteht eine Allergie durch das Zusammenspiel einer Vielzahl von Erbanlagen.

Der Verlauf ist meist ähnlich. In den ersten Lebensmonaten entwickelt sich eine Neurodermitis. Rote, juckende Stellen, die einmal besser und dann wieder schlechter werden. Hier helfen regelmäßiges Einschmieren mit rückfettenden Cremen und Salben sowie entzündungshemmende Hauttherapien bei akuten Schüben.

Zehn bis 20 Prozent aller Kleinkinder mit Neurodermitis haben gleichzeitig eine Nahrungsmittelallergie. "Neurodermitis und Nahrungsmittelallergie verschwinden oft von selbst bis zum Schulalter. Doch dann beginnen Heuschnupfen und allergisches Asthma“, sagt Zsolt Szépfalusi, Leiter der Atem- und Allergieambulanz an der Kinderklinik des Wiener AKHs. Ausnahme sind allerdings Nussallergien, die nicht mehr verschwinden, sondern zumeist ein Leben lang erhalten bleiben.

Gefährliches Insektengift

Am häufigsten tritt die Pollenallergie auf. Doch auch an einer Schimmelpilzallergie leiden immer mehr Menschen. Der Grund dafür ist die bessere Isolierung der Häuser und Wohnungen. Die Luft zirkuliert schlechter, es bildet sich häufiger Schimmel, der im Raum bleibt. Kontaktallergien, bei denen Menschen auf Duft- oder Farbstoffe etwa im Waschpulver allergisch sind, nehmen ebenfalls zu. Die Symptome sind Hautausschläge und Juckreiz.

"Am gefährlichsten sind Insektengift- und Medikamentenallergien, die einen schweren allergischen Schock auslösen können“, erklärt Sturm. Eine lebensbedrohliche Situation, bei der es zum Kreislaufversagen kommen kann. Menschen, die eine Insektengiftallergie haben, sollten daher immer ein Notfall-Set dabei haben, um rasch reagieren zu können.

Es gibt kaum vorbeugende Maßnahmen, um sich oder sein Kind vor Allergien zu schützen. Der Aufenthalt im Kuhstall in den ersten sechs Lebensmonaten dürfte die Entstehung von Allergien verhindern. Die jüngsten Kinder in Großfamilien sind ebenfalls seltener Allergiker. Stillen in den ersten Lebensmonaten zeigt auch einen positiven Effekt.

"Was genau im Kuhstall wirkt, weiß derzeit noch niemand. Aber es sind schon Patente auf Kuhmist angemeldet, da Wissenschaftler die Hoffnung haben, herauszufinden, warum dieser so gut ist, und dann in weiterer Folge ein Medikament entwickeln zu können“, sagt Szépfalusi.

Wer glaubt, an einer Allergie zu leiden, sollte einen Test machen lassen. Mittels Haut- und Bluttest können die Allergieauslöser festgestellt werden. Danach beginnt meist eine symptomatische Behandlung mit Antihistaminika und je nach Bedarf Augen- und Nasentropfen.

Erfolg mit Immuntherapie

Langfristige Erleichterung bringt oft die sogenannte Hyposensibilisierung. Diese Immuntherapie gibt es in Spritzen- oder Tablettenform. "Bei Insektengiftallergien wirkt sie bei 95 Prozent der Patienten“, sagt Allergologe Sturm. Im besten Fall kommt die Allergie dann nicht mehr zurück. Bei der Spritzenkur ist elfmal eine Injektion wöchentlich nötig, danach weitere drei Jahre eine Spritze monatlich. Die Tabletten müssen drei Jahre lang täglich eingenommen werden.

Auch Allergiker Otto Spranger hat diese Impfkur vor vielen Jahren ausprobiert. Sie habe ein bisschen geholfen, verschwunden sei die Allergie aber nicht, sagt er. Bei seiner Tochter, die ebenfalls Allergikerin ist, habe die Immuntherapie jedoch deutlich mehr Erfolg gezeigt.

Doch mittlerweile hat Spranger gelernt, mit seiner Allergie zu leben. Bereits im Februar bereitet er sich auf die im März beginnende Birkenpollensaison vor. Dann beginnt er, ein Antihistaminikum einzunehmen, und erhöht den Cortisonanteil seiner Asthmatherapie. So, sagt er, gelinge es ihm, mit der Allergie auch in der Pollensaison ein halbwegs erträgliches Leben zu führen.

Tipps für Allergiker

1. Die höchste Pollenbelastung herrscht am Land in den frühen Morgenstunden zwischen vier und sechs Uhr in der Früh, in der Stadt zwischen 19 und 24 Uhr. In dieser Zeit am besten zu Hause bleiben und die Fenster schließen.

2. Den Urlaub - wenn möglich - in der Zeit der größten Pollenbelastung planen.

3. In der Pollensaison auf Sport im Freien möglichst verzichten.

4. Pollenfilter in die Lüftungsanlagen im Auto einbauen und das Fenster geschlossen halten.

5. Kleidung, die im Freien getragen wurde, nicht im Schlafzimmer deponieren. Und nach dem Nachhausekommen duschen und Haare waschen.

6. Häufig Staubsaugen, um Pollen aus den Teppichen und Möbeln zu entfernen.

Kommentare

Anke Lechner

Das kenne ich nur allzu gut. Ich habe auch eine Allergie gegen Frühblüher und während alle den Frühlings genießen, geht es mir teils richtig schlecht - juckende Augen, Müdigkeit, Unkonzentriertheit, Schnupfen, Niesen. Ich habe mir jetzt einmal die Alleovite Immun Kapseln gekauft - das sind Wachtelei-Kapseln, die dabei helfen sollen den Körper natürlich zu desensibilisieren.

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