Polizeigeneral von Studienreise zurück: USA rechnen mit neuem Terror bis Sommer

Lang: US-Bürger empfinden sich im Krieg in Heimat Krieg gegen Terror brachte Polizei neue Prioritäten

Die Bevölkerung in weiten Teilen der USA rechnet offenbar mit einem neuen schweren Terrorangriff bis Sommer 2007. Das sagte General Franz Lang, stellvertretender Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit, vor Journalisten bei den Sicherheitstagen in Leogang im Pinzgau auf Grund von Erfahrungen, die er jüngst bei einem zweiwöchigen Führungskräftekurs beim FBI gesammelt hat. Demnach empfinden sich die Amerikaner in ihrer Heimat "im Krieg".

"Die Gesellschaft hat sich verändert. Die Menschen sind noch immer sehr betroffen, dass ein derartig massiver Angriff (wie die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September 2001, Anm.) sie in ihrer Heimat getroffen hat", sagte Lang. Immer wieder sei das Schlagwort vom "War in Homeland" zu hören. Zu merken ist das auch bei TV-Programmen wie der Sendung "Fallen Heroes", bei denen Familien von in Afghanistan oder Irak gefallenen US-Soldaten porträtiert und interviewt werden.

Vernetzung und neue Themengebiete
Auch die Polizeibehörden in den USA hätten sich massiv durch 9/11 verändert, berichtete Lang. So seien davor beherrschende Themen wie der Drogenschmuggel aus Kolumbien und anderen lateinamerikanischen Ländern sehr in den Hintergrund getreten. Vormals auf ihre Unabhängigkeit pochende Polizeibehörden in Counties hätten sich zu einem "sehr großen Zusammenschluss" bereit gefunden, das FBI habe sich nach unten geöffnet. Die Manpower sei in allen Bereichen der Exekutive stark erhöht worden.

Vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der Freiheit merke man als Reisender in die USA nicht mehr viel, wie Lang konstatierte. Genaue Kontrollen bereits vor Flugantritt und selbstverständlich bei der Einreise sind zu überstehen. Es werden massive Datenmengen gesammelt mit teils "sehr weichen Informationen". Eine der Herausforderungen der nächsten Zeit sei es für die Exekutive, Analysewerkzeuge zu finden, mit denen man auch mit solchen Info-Mengen umgehen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen kann, so der Polizeigeneral. Das betrifft Österreich genauso.

Wenig Optimismus wahrnehmbar
Die Chancen, den Krieg gegen den Terror gewinnen zu können, werden laut Lang skeptisch beurteilt. "Optimismus ist oft nicht allzu sehr wahrzunehmen." Jeder Polizist wisse zwar, was von ihm zu erwarten ist, "Letztendlich vertraut man aber darauf, dass diese Sache auf politischer Ebene gelöst werden kann."

Vom Wissensdurst der USA sind natürlich auch ihre Partner vor allem in Westeuropa betroffen. "Informationsnetzwerke funktionieren heute nur noch weltweit. Die Amerikaner sind sehr interessiert, Daten auszutauschen", sagte Lang. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die österreichischen Rechtsgrundlagen, nach denen ein solcher Informationsaustausch zu erfolgen hat.

Österreich habe im Bereich der Polizeibehörden eine andere Struktur als die USA. "Wir haben nicht die Vielfalt an Playern", sagte Lang. Zudem gebe es eine sehr gute Kommunikationsbasis mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft.

Im Bereich des Islamismus gebe es eine Gruppe von Personen, die unter Beobachtung stehen, erklärte Lang. "Das können manchmal mehrere Dutzend sein." Man nehme auch wahr, was in Bethäusern gepredigt werde. Zudem verfüge die Islamische Glaubensgemeinschaft über ein weites Kommunikationsnetzwerk zu den österreichischen Muslime, auch wenn sie erst ins Land kommen.
(APA/red)