Polizei ermittelt von

Mordfall im idyllischen
Zell am See gibt Rätsel auf

Daten aus dem Mobiltelefons des Opfers sollen helfen

Polizei ermittelt - Mordfall im idyllischen
Zell am See gibt Rätsel auf © Bild: APA/FRANZ NEUMAYR

Eine Bluttat schockiert das ganze Land: Am Samstagabend wurde eine einer 20-jährige Pinzgauerin von einem bislang unbekannten Täter angeschossen und blutend zurückgelassen. Sie schrie mit letzter Kraft um Hilfe – doch dafür war es bereits zu spät.

Es klingt wie eine der Geschichten, die man nur aus Filmen kennt. Ein junges Mädchen kommt auf die schiefe Bahn, baut offenbar Verbindungen zum Suchtgift-Milieu auf und soll schließlich in einem Drogen-Prozess aussagen. Doch dazu wird es nie kommen. Sie wird angeschossen und stirbt. Das alles könnte in einem idyllischen Ort mitten in Österreich passiert sein.

Nach dem gewaltsamen Tod einer 20-jährigen Pinzgauerin in Zell am See am Samstag laufen die Ermittlungen der Polizei auf Hochtouren. Nachbarn hatten die Polizei alarmiert, sogleich wurde ein Großalarm ausgelöst. Diensthunde, Cobra, Streifenwagen durchkämmten den 9.000-Seelen-Ort. Doch bislang konnten weder Täter noch Tatwaffe aufgespürt werden. Taucher durchkämmen derzeit den Zeller See auf der Suche nach der Pistole.

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So wurde der Tathergang rekonstruiert

Die junge Frau wurde gegen 21.30 Uhr im Eingangsbereich ihrer Wohnung von einem Unbekannten erschossen. Die Einheimische wurde von mehreren Projektilen in den Oberkörper getroffen und starb noch im Stiegenhaus. Mit welcher Waffe der Angreifer geschossen hat, konnte die Polizei aber noch nicht sagen.


Auch wenn es für das Schussattentat selbst keine Augenzeugen gab, dürfte der Verdächtige beim Verlassen des Hauses beobachtet worden sein. Der Mann soll schlank und etwa 1,70 Meter groß sein. Er war dunkel gekleidet und hatte eine Kapuze über den Kopf gezogen.

Spekulationen über das Tatmotiv

Unterdessen spekulierten Medien über das Tatmotiv. So sollte das Opfer im November in einem Drogen-Prozess aussagen, berichtete am Montag die "Kronen Zeitung" und schrieb von einer "Hinrichtung."

»Wir ermitteln in alle Richtungen«

Die Verkäuferin habe selbst eine Vergangenheit im Suchtgift-Milieu gehabt, allerdings ihre Strafe abgesessen und sei von den Drogen geläutert gewesen. "Denkbar ist auch Mord aus Eifersucht", mutmaßte hingegen die Tageszeitung "Österreich". Ein verdächtiger Ex-Freund der jungen Frau sei am Sonntag selbst zur Polizei gekommen, um eine Aussage zu machen und ein Alibi zu präsentieren: "Ich bin das nicht gewesen", habe der Mann gegenüber der Zeitung beteuert.

Hat sie 5,1 Kilo Marihuana verkauft?

Laut "Salzburger Nachrichten" soll gegen die Frau zwischen Juni 2017 und Mai 2018 rund 5,1 Kilo Marihuana verkauft haben und sei deswegen heuer für zwei Wochen in U-Haft gesessen.

Außerdem soll die 20-Jährige angeblich eine On-off-Beziehung mit einem vorbestraften Pinzgauer mit türkischen Wurzeln gehabt haben. Diese Beziehung sei kürzlich von ihr - wieder einmal - beendet worden. "Spekulationen kommentieren wir nicht, wir bestätigen sie auch nicht", sagte dazu Rainer.

Für diese Informationen gab es am Montag allerdings weder eine Bestätigung von der Polizei, noch von der Justiz. Auch dass die Ermittler nach einem verdächtigen Mann - einem gebürtigen Türken, der in Drogengeschäfte verwickelt gewesen sein soll - fahndet, wurde nicht kommentiert.

Das sagt die Polizei

"Eine konkrete Stoßrichtung gibt es nicht, wir ermitteln in alle Richtungen", sagte Polizeisprecherin Verena Rainer am Montagvormittag zur APA. Spekulationen werden von der Polizei weder kommentiert, noch bestätigt. Naturgemäß konzentriere man sich derzeit auf das Umfeld der Getöteten. Zugleich wird die Suche nach der Schusswaffe weiter fortgesetzt. Am Sonntag wurden dazu kurzzeitig die unweit des Tatorts verlaufenden Bahngleise gesperrt. Sollte der Schütze die Waffe nicht noch bei sich haben, könnte er sie möglicherweise auch im Zeller See entsorgt haben - dieser befindet sich gleich neben der Siedlung..

Daten aus dem Mobiltelefons des Opfers

Die Polizei wird auch die Daten aus dem Mobiltelefons des Opfers weiter analysieren. Das Ergebnis der Obduktion der Leiche stand unterdessen noch aus. Laut Obduktionsergebnis ist die junge Frau an den Folgen der Schüsse innerlich verblutet.

Die Polizei hält sich gegenüber Medienanfragen aus ermittlungstaktischen Gründen bedeckt. Jedenfalls wurden bereits mehrere Befragungen im Umfeld der Getöteten durchgeführt. Der gesamte Nahbereich des Hauses wurde akribisch nach Hinweisen abgesucht. Auch die nahegelegenen Bahngleise wurden für die Suche für kurze Zeit gesperrt.