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Politstreit nach Hüft-OP eines Salzburger Landtagsabgeordneten

Gesundheitslandesrat Stöckl in offenem Brief über Wahl des Spitals verwundert

In Salzburg zieht ein offener Brief von Gesundheits- und Finanzreferent LHStv. Christian Stöckl (ÖVP) an den SPÖ-Landtagsabgeordneten Gerd Brand immer weitere Kreise. Brand, roter Bürgermeister der Gemeinde St. Margarethen im Lungau, hatte sich in einem Kärntner Krankenhaus einem notwendigen Hüfteingriff unterzogen. Die Wahl des Spitals sorgte dabei bei Stöckl für heftige Irritationen.

Der für die Landesspitäler zuständige Landesrat wünschte Brand in seinem Schreiben nach dessen Operation zwar "rasche und gute Genesung", zeigte sich gleichzeitig aber "einigermaßen erstaunt", dass der Abgeordnete die Hüftoperation im Krankenhaus Spittal an der Drau und nicht in der Landesklinik in Tamsweg durchführen hat lassen, welche auf derartige Eingriffe spezialisiert sei.

"Da du öffentlich immer wieder deine Sorge um die Zukunft der Landesklinik zum Ausdruck bringst, überrascht es mich, dass du das hervorragende Angebot in unmittelbarer Nachbarschaft nicht angenommen hast", schreibt Stöckl. Zudem habe Brand erst kürzlich an die Lungauer appelliert, der Landesklinik "trotz dieser schwierigen Phase die Treue zu halten". Das Krankenhaus wird bis 2019 generalsaniert, die Zahl der Betten dabei reduziert.

Der Brief ging an die Privatadresse von Brand - und gleichzeitig an eine Reihe von Lokalmedien. Wie Brand zur APA sagte, habe er von dem Schreiben zuerst durch einen Anruf eines Redakteurs erfahren. "Weil ich den Bettenabbau im Krankenhaus Tamsweg kritisiert habe, will mich Stöckl öffentlich schlecht machen." In Österreich gelte aber die freie Arztwahl. "Wo ich hingehe, ist meine Privatsache."

Brand zeigte sich verwundert, dass sich Stöckl im Vorfeld nicht erkundigt habe, warum er nach Spittal ausgewichen sei. "Mir wurde wegen starker Schmerzen zu einer möglichst schnellen MRT-Untersuchung geraten, es lag der Verdacht einer Durchblutungsstörungen nahe." Im Spital in Spittal habe er binnen zwölf Tagen einen Termin bekommen. "Da wurde ein Ödem im Oberschenkelhalsknochen festgestellt." Kurz darauf habe er bereits einen Operationstermin erhalten. "Hier zählte jeder Tag." Er schrieb Stöckl zurück und behielt sich rechtliche Schritte vor, weil der an ihn adressierte Brief der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Stöckl kann diese Reaktion freilich nicht verstehen. "Ich kann mich nur wundern über die Empfindlichkeit eines Politikers, der beim Austeilen absolut nicht sparsam ist und sich bei der notwendigen Neuausrichtung der Landesklinik Tamsweg politisch mehrfach weit hinausgelehnt hat", teilte Stöckl am Dienstag der APA in einer Stellungnahme mit. Es sei ihm zugleich unverständlich, warum er seine Verwunderung über die Entscheidung Brands nicht auch öffentlich zum Ausdruck bringen dürfe.

Die Salzburger SPÖ reagierte am Dienstag mit einer Rücktrittsaufforderung an Stöckl. Dieser versuche, aus dem Gesundheitszustand von Brand politisches Kapital zu schlagen und habe dessen Privatleben an die Öffentlichkeit getragen. "Christian Stöckl hat hier eine Grenze überschritten", teilte Landesparteigeschäftsführer Hannes Mathes mit.

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