Politischer Aschermittwoch von

Tag der Politiker-Reden

Strache am Freitag - Behindertensprecher von ÖVP und Grünen „aus anderer Sicht“

Aschermittwoch HC Strache 2012. © Bild: APA/RUBRA

Der Aschermittwoch wird von Politikern traditionsgemäß auch heuer dazu genutzt, Botschaften unters Volk zu bringen. Ein bisschen zu spät dran ist heuer die FPÖ, deren 22. "Politischer Aschermittwoch" in der Jahnturnhalle in Ried im Innkreis dieses Mal - aus Termingründen - erst am Freitag stattfindet. Sonst dürfte aber alles wie gehabt bleiben: Jedes Jahr kommentieren die Redner in Bierzelt-Atmosphäre inklusive Heringsschmaus in mehr oder weniger deftigen Worten die politische Lage. Ehrengäste sind auch heuer FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und Landesparteiobmann Manfred Haimbuchner.

Tatsächlich pünktlich schaffen es hingegen die Behindertensprecher von ÖVP und Grünen, Franz-Joseph Huainigg und Helene Jarmer, die ins Parlament zum "Politischen Aschermittwoch aus anderer Sicht" laden. Bei einem Vormittag mit Reden, Musik und Katerfrühstück wollen die beiden Politiker mit ironischem Witz ihre Anliegen darlegen und von skurrilen Begegnungen zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen erzählen. Ebenfalls in Wien zieht es Wirtschaftsbund-Präsident Christoph Leitl ans Mikrofon.

Die Grünen lassen es sich auch nicht nehmen, den politischen Aschermittwoch in weiteren Bundesländern zu begehen: Rolf Holub, Spitzenkandidat in Kärnten und Kabarettist, kann man in Klagenfurt lauschen, während der Nationalratsabgeordnete Peter Pilz in Salzburg unter dem Motto "Der Große Saustall" etwas "Neues über die Skandale, die Nehmer und die Hintermänner" zu erzählen hat.

Aschermittwoch aus "anderer Sicht" im Parlament

Zu einem "politischen Aschermittwoch der anderen Art" haben die Behindertensprecher von ÖVP und Grünen am Vormittag ins Parlament geladen. Mit Geschichten aus dem Alltag eines Lebens mit Behinderung und mit selbst geschriebenen Liedern brachte Franz-Joseph Huainigg (V) seine Anliegen dar. Da Helene Jarmer (Grüne) krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte, bestritt Huainigg die Veranstaltung mit Selbstironie und Witz alleine.


Er wolle Wahrheiten sagen, "die nicht einmal Frank Stronach sagt", erklärte der Abgeordnete mit Beatmungsgerät zu Beginn und fand eine Gemeinsamkeit zwischen sich und dem Neo-Politiker: "Wir sind beide oft schwer verständlich." Huainigg plädierte für Barrierefreiheit und Inklusion: "Behinderte Menschen brauchen kein Mitleid, sondern persönliche Assistenz, das gibt Freiraum und persönlichen Handlungsspielraum." Er forderte bundesweit einheitliche Regelungen und Assistenz auch vor und nach der Arbeit.


"Wir brauchen High-Tech in der Pflege", erklärte er außerdem und forderte, dass neue Fördermöglichkeiten für neue Technologien geschaffen werden. "Das Leben im Rollstuhl ist ein Abenteuer, aber wir brauchen Barrierefreiheit", sagte Huainigg und berichtete davon, wie ihm der "Geduldsfaden gerissen war", als er acht Züge lang vergeblich auf einen barrierefreien Zug gewartet hatte.

Aschermittwoch in Deutschland

Die deutschen Parteien haben am Vormittag in Niederbayern ihre traditionellen Aschermittwochs-Treffen begonnen. Begleitet von Marschmusik zogen Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber unter dem Jubel tausender Anhänger in die Dreiländerhalle ein. Bei der CSU sollte erst Stoiber sprechen, dann war die Rede von Seehofer geplant. Stoiber Bezeichnete die CSU als die erfolgreichste Partei Europas. Er rief die Mitglieder außerdem dazu auf, anzupacken und das Land zu gestalten. "Das Jammern, das Nörgeln überlassen wir den anderen."

Mit den Worten "Herzlich willkommen zur größten Aschermittwochs-Veranstaltung in Bayern" eröffnete der SPD-Ortsvorsitzende Florian Gams die Kundgebung der Sozialdemokraten in Vilshofen. Die SPD hat eigens ein Zelt mit Bierbänken für 4500 Besucher und einer maximalen Kapazität von 5000 Menschen aufgebaut, um die CSU in Passau mit deren maximaler Sitzplatzkapazität von 4000 Besuchern womöglich zu übertrumpfen.

Die Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl, Margarete Bause, warf Seehofer eine "Chaosdiktatur" vor. Die CSU habe nichts zu bieten als "die dumpfe Einfalt eines Dobrindt oder die Schmutzeleien eines Söder, die Kaltherzigkeit einer Frau Haderthauer und die Zuckerwatte einer Frau Aigner", sagte Bause in Landshut. "Und über all dem thront die Chaosdiktatur eines Herrn Seehofer."


Als Wahltaktik wies die Vizevorsitzende der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, die neuen Stasi-Vorwürfe gegen Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi zurück. "Das ist in jedem Wahljahr das Gleiche. Jedes Mal werden die gleichen Vorwürfe ausgegraben", sagte sie in Tiefenbach. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gysi wegen des Vorwurfs einer falschen eidesstattlichen Versicherung.

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