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Straches Spätlese

Politik - Straches Spätlese © Bild: AFP or licensors

Auch wenn Heinz-Christian Strache nun seinen Rücktritt verlas - schon bei der Wien-Wahl könnte der rachedurstige Ex-Chef die ramponierte FPÖ crashen.

Soeben hat er seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Wort für Wort so, wie es auf dem Manuskript steht, das er vor sich am Tisch liegen hatte, sogar die Betonungen und Pausen sind dort penibel gekennzeichnet. Nun wartet Heinz-Christian Strache mit seinem Anwalt in einem Hinterzimmer der Weinbar Vino Wien auf den Abzug der Pressemeute. Elf Mikrofone hingen zuvor an seinen Lippen, 30,40 Interviewanfragen seien alleine in den letzten Tagen eingetrudelt, erzählt er. "So viel wie niemals in meiner aktiven Zeit." Jetzt hoffe er, dass sich zumindest seine Frau Philippa im Parlament durchsetzt -doch dann bricht es aus ihm heraus: "Dass sie von sich aus auf ihr Mandat verzichten könnte, das waren ja wieder so gezielt gestreute Gerüchte!"

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Nein, so klingt keiner, der mit der Politik im Allgemeinen und der "freiheitlichen Familie" im Speziellen endgültig abgeschlossen hat. Nun tritt Strache zwar ab. Doch wann kommt er wieder und rechnet ab?"Vielleicht eher, als manche glauben", sagt Politikberater Thomas Hofer. Welt-und Selbstbild des H.-C. Strache sind jedenfalls voll intakt. Ibiza-Skandal, Spesenskandal -eine großangelegte Verschwörung: "Falsche Vorwürfe, Verleumdungen aus feiger Verborgenheit!" Seine eigene Performance als Parteichef hingegen -makellos: "15 Jahre meines Lebens habe ich größtenteils meiner freiheitlichen Familie gewidmet, 15 Jahre konnte meine freiheitliche Familie sich auf mich verlassen!" Doch die, so sieht das Strache, habe ihn in der Stunde der Not einfach dumm sterben lassen: Es sei wichtig, dass es im Leben keine Vorverurteilungen geben dürfe und man sich immer beide Seiten anhöre, holt er aus. "Ich bin sehr enttäuscht, dass das Gespräch, das ich seit geraumer Zeit mit der Parteispitze gesucht habe, nicht geführt worden ist." Und auch wenn der Burschenschaftler Strache keine echten Duelle mehr ficht -mit diesem Satz wirft er der Partei den Fehdehandschuh hin.

Der ewige Opfermythos

"Der Grad seiner narzisstischen Kränkung ist in etwa mit jener zu vergleichen, die sein Vorgänger Jörg Haider an den Tag legte, als er die Partei verließ", sagt der Sozialpsychologe Klaus Ottomeyer, der sich in mehreren vielbeachteten Publikationen mit dem Phänomen Haider auseinandersetzte. Die Selbststilisierung zum Opfer, so Ottomeyer, sei in diesem Zusammenhang absolut charakteristisch -früher für Haider, heute für Strache. Und auch die damit verbundene Tendenz zum Revanchismus.

Die ehemaligen Günstlinge, so Ottomeyer, würden dann plötzlich zu Feindbildern. Und das umso mehr, als sie sich, geschockt vom Wahldebakel, gegenüber dem dafür verantwortlichen Ex-Chef nun als moralische Instanzen positionieren.

Mal kurz aus der Sicht von Strache: Ein Norbert Hofer, der ehemalige Landesparteisekretär aus dem Burgenland, den er über Nacht zu seinem Stellvertreter machte -er richtete ihm nun aus: "Wenn die Vorwürfe in der Spesenaffäre nicht zu entkräften sind, kommt es zu einem Parteiausschluss." Ein Gottfried Waldhäusl, der niederösterreichische FP-Landesrat und ewige Problembär, dessen Flüchtlingsinternierung Strache als Vizekanzler immer wieder ernsthaft in die Bredouille brachte -er gibt ihm nun Verhaltenstipps: "Ich würde retten, was zu retten ist, mir einen Job suchen, der mir Spaß macht und mich um meine Familie kümmern."

Derweil, und auch das verbessert das Klima zwischen FPÖ und Strache nicht, kümmert sich aber die Partei um die Familie -namentlich um Straches Frau Philippa: Als auch öffentlich ruchbar wurde, dass die "ehrenamtliche" Tierschutzbeauftragte und künftige Abgeordnete über Umwege ein fettes Gehalt bezog, löschten die FP-Administratoren vorübergehend sogar ihre Webpräsenz. "Ein technischer Fehler", so die lapidare Reaktion aus der Partei.

Die blaue Reality-Soap

In Funktionärskreisen werden Gerüchte befeuert, die Frau des Ex-Chefs, intern "Prinzessin" genannt, hätte Uhren, Taschen und Designermode auf Parteikosten bezogen. Sie selbst schlägt zurück: Der vermeintliche Chanel-Blazer um 5.000 Euro, den man ihr anlastete, stamme von Zara und habe 49 Euro gekostet. Irgendwo, echauffiert sie sich, müsse es auch für noch "so hasserfüllte Menschen" Grenzen geben. "Ich möchte sie keine Sekunde länger leiden sehen", liest Strache im Rahmen seiner Rücktrittserklärung vom Blatt, doch seine Emotion klingt annähernd echt.

Ruhe nach dem Rücktritt? Fehlanzeige, willkommen in der blauen Reality-Soap!

Der wechselseitigen Intrigen nicht genug, geht nun ausgerechnet Manfred Haimbuchner -Oberösterreichs FP-Chef und Landeshauptmann-Stellvertreter, der in seinem Auftritt viele an eine Akademiker-Version des jungen Strache erinnert - mit dem gestrauchelten Original besonders hart ins Gericht. Obwohl Strache formal nur suspendiert ist, sagt Heimbuchner: "Ich denke, er ist nicht mehr Mitglied der Partei."

Und das Wort Haimbuchners, der nunmehr für die Gesamtpartei neue Finanzund Transparenzrichtlinien erstellen soll, hat durchaus Gewicht: Denn auch wenn am vergangenen Dienstag im Parteipräsidium der Geist der Einheit und der Erneuerung beschworen wurde -ohne Personalrochaden kann sich der mittelfristig nicht entfalten; weshalb Neo-Parteichef und Wahlverlierer Norbert Hofer auch schwer angezählt ist. Und so gilt der smarte Jurist Haimbuchner, gerade in den parteiintern einflussreichen Burschenschaftlerkreisen, als echte Personalreserve.

"Er hat auf jeden Fall Zukunftspotential, ist sehr pragmatisch und somit ein Mann für alle Jahreszeiten", sagte etwa Andreas Mölzer, der langjährige Chefideologe, bereits kurz vor der Wahl im News-Gespräch.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der News-Ausgabe Nr. 40/19

Kommentare

Mailyn P.

Er wäre nicht der einzige welcher eine Partei gründet.....und erst dann zeigt sich wie ernst er von seinen Fans genommen wird. Die FPÖ sollte ihm dankbar für seine frühere Obmannschaft sein und es dabei belassen. Und ihn ansonsten ignorieren. Und seine Frau im Parlament kann dort sicher überwintern. Nicht mehr, nicht weniger.

Na hoffentlich bleibt uns dieses grinsende Arschloch erspart.

Ist ja nicht das erste mal, dass die Partei an ihren eigenen Spitzenleuten erbricht !

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