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Der "Serbe"
Strache

Politik - Der "Serbe"
Strache © Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

Hinter dem außenpolitischen Zug des Vizekanzlers Heinz Christian Strache steckt ein Motiv aus der Ideologiekiste der Freiheitlichen.

Heinz Christian Strache hat vor allem in Brüssel und Berlin die Zweifel an der EU-Treue der österreichischen Regierung verstärkt. Denn wer einen international kaum noch umstrittenen jungen Staat wie den Kosovo als einen „Teil Serbiens“ bezeichnet, der beabsichtigt mehr als nur eine Störung der außenpolitischen Linie Österreichs.

Die FPÖ hat ja nie einem „Zusammenwachsen“ der Nationalstaaten in der EU das Wort geredet. Wenig wird seit den 60er Jahren darüber diskutiert, warum sie das tut. Der Grund ist der Begriff der „Nation“ in der Ideologiekiste der Freiheitlichen.

In Westeuropa hat sich längst das Konzept der „Staatsnation“ durchgesetzt: Wer in Frankreich lebt, ist Franzose. Wer in Deutschland lebt, Deutscher. In Spanien ist das (siehe Katalonien) ein Streitpunkt: Wer ist Spanier? Belgien wird immer wieder von der Nationalitätenfrage erschüttert.

Die FPÖ fühlt sich der „Kulturnation“ verpflichtet. Sie gibt es seit dem 19. Jahrhundert, ihre wachsende Kraft und ihr Übersprung von den deutschen Kleinstaaten auf die Völker der Habsburg-Länder haben die österreichisch-ungarische Monarchie neben anderen Ursachen gesprengt.
H.C. Strache wird seit seiner Antisemitismus-Rede beim Wiener Akademikerball von Seiten der Burschenschaften so heftig kritisiert, dass er auf die Idee kam, sich über einen der Konflikte auf dem Balkan zurückzurunden.

Wenn man Serbien nicht nur als Staats- sondern auch als Kulturnation begreift, gehört der Kosovo historisch zu Serbien. Nach den Balkan-Kriegen nicht mehr.

Der Vizekanzler hat das thematisiert und den Burschenschaften signalisiert: Seht, ich stehe auf dem Boden unserer gemeinsamen Weltanschauung.
Dass er damit Österreichs Glaubwürdigkeit in der EU aufs Spiel setzt, nimmt er in Kauf. Er bastelt damit an seinem und der Freiheitlichen „neuen Österreich“, das sich auf diese Weise Schritt für Schritt von den Brüsseler Positionen entfernen würde.

Gerfried Sperl
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