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Parteitage im Prozentwahn

Peter Pelinka erklärt, warum 90, 95 oder 99 Prozent für Parteichefs fast egal sind

Faymann und Mitterlehner © Bild: APA/Schlager

Wie einfach scheint Politik in manchen Medien darstellbar zu sein: Ob Partei 1, 2 oder 3 aktuell mehr „Stimmen“ bei Umfragen bekommt, entscheidet vier Jahre vor der nächsten regulären Wahl nichts. Schon gar nicht, wenn angebliche Differenzen zwischen Rot, Schwarz und Blau derzeit im Einprozentbereich liegen und dazu – „Spannung“ muss ja sein – wöchentlich wechseln.

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Was noch weniger als nichts aussagt, liegen solche „Sensationen“ ja im Schwankungsbereich jeder seriösen Umfrage. Ähnlich verhält es sich mit dem derzeit besonders beliebten Prozentbeobachtungswahn vor und nach Parteitagen.

Reinhold Mitterlehner ist beim Parteitag eben mit 99 Prozent der Stimmen zum ÖVP-Chef bestellt worden. Ein tolles Ergebnis, aber irgendwie erwartbar beim Start eines neuen Chefs. Auch Vorgänger Spindelegger hatte 2011 95,5 Prozent der Delegierten überzeugt, bei Molterer waren es 2007 97 gewesen. Er warf nach 1,5 Jahren das Handtuch, Spindelegger nach 2,5.

Wichtiger für das neue Duo: die Steuerfrage

Umgekehrt: Werner Faymann erzielte bei seinem Debüt 2008 98,4 Prozent, vier Jahre danach, nach matter Regierungsarbeit 83,4. In zehn Tagen wird das Ergebnis wohl in der Mitte liegen. Ein höchst beschränkt aussagekräftiges Symptom. Viel wichtiger wird für das neue Koalitionsduo wohl sein, welchen Kompromiss es in Sachen Steuersenkung zusammenbringt.

Kommentare

Eigentlich repräsentiert Faymann (quaselt dauernd von Solidarität) eine ÖVP Alleinregierung. Wer alle Schlüsselressort (Finanzen, Inneres, Justiz bis zum Außenministerium) dieser Republik ohne Not als stärkste Partei einfach der ÖVP überlässt muss sich nicht mehr wundern. In allen Umfragen steht die SPÖ jetzt am dritten Platz...........

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