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Die besten
Jobs des Landes

Politik - Die besten
Jobs des Landes © Bild: Infografik: Karin Netta

Alle reden von den hohen Arbeitslosenzahlen, aber gleichzeitig wird in ganz Österreich intensiv nach Personal gesucht. Dabei zeigt sich, dass eine gute Ausbildung durch nichts zu ersetzen ist.

Sie liebt ihren Job. Jeder, der sich von Yvonne Wurst aufschneiden oder Semmeln verkaufen lässt, merkt sofort, dass sie mit dem ganzen Herzen dabei ist. Die 25-jährige Leiterin der Feinkostabteilung hat ihr ganzes berufliches Leben in dieser einen Spar-Filiale verbracht und ist die Karriereleiter dabei stetig nach oben geklettert. Das soll auch weiterhin so bleiben, so wünscht sich das die Wienerin: Mithilfe einer unternehmensinternen Weiterbildung möchte sie zur Gebietsleiterin aufsteigen – und dabei auch wieder den Bereich Feinkost betreuen.

Der Wunsch dürfte in Erfüllung gehen. Im Handel setzen die Unternehmen stark auf internen Nachwuchs und fördern den beruflichen Ehrgeiz der Mitarbeiter. So ist es kein Zufall, dass Yvonnes Marktleiter, der 31-jährige Darko, ebenfalls vor 15 Jahren als Lehrling in ebendieser Filiale ­begonnen hat.

Tatsächlich werden Einzelhandelskaufleute wie Yvonne und Darko dringend gesucht. Eine Auswertung des Arbeitsmarktservice Österreich der Jobs mit den besten Chancen zeigt, dass allein in Vorarlberg und Tirol 101 Stellen in diesem Bereich derzeit unbesetzt sind. Die Gehaltstabelle für den Handel sieht dafür 1.533 bis 4.497 Euro brutto monatlich vor. „Bei uns können aber auch schon Lehrlinge bei entsprechender Befähigung Zuschläge erhalten“, sagt der Spar-Sprecher für Ost-Österreich, Hannes Glavanovits.

Gute Chancen

Doch auch in anderen Branchen wird dringend nach Personal gesucht. Diese Tatsache macht angesichts der sich zwar entspannenden, aber doch noch angespannten Lage am Arbeitsmarkt Hoffnung. Immerhin gibt es hierzulande nicht nur fast 385.000 Arbeitssuchende, sondern auch 89.000 offene Jobs. Eine Gegenüberstellung der beiden Zahlen ist allerdings nicht ­zulässig, die offenen Stellen fokussieren mehrheitlich auf gut ausgebildete Menschen, während fast die Hälfte aller Arbeitslosen maximal einen Pflichtschul­abschluss vorweisen können. Für das ­Arbeitsmarktservice (AMS) stellt das Bemühen, diesem Fachkräftemangel beizukommen, eine große Herausforderung dar, die es mit zahlreichen Qualifizierungsmaßnahmen und Förderungen meistern will.

© Ricardo Herrgott News Ricardo Herrgott „Die Kunden erwarten zu Recht, dass wir uns bei den Produkten auskennen und etwas Verdorbenes erkennen“

Akademische Absicherung

Wer allerdings auf eine gute Ausbildung verweisen kann, hat gar nicht so schlechte Chancen oder vielmehr sogar sehr gute Aussichten auf einen Arbeitsplatz. Denn nach wie vor müssen sich Akademiker am allerwenigsten Sorgen machen. Sie stellen mit 7,4 Prozent die kleinste Gruppe aller Arbeitssuchenden.

Das zeigt auch eine exklusive Auswertung des AMS für News, in der 2.231 offene Stellen ganz eindeutig Berufsbildern und Bundesländern zuzuordnen sind. „Im Schnitt werden zwei von drei Stellen innerhalb von 30 Tagen besetzt“, sagt AMS-Vorstand ­Herbert Buchinger. Dauert es doch einmal länger, kann das drei Gründe haben. Etwa, dass die Qualifikation des Bewerbers nicht dem Jobprofil entspricht. Oder dass Fachkräfte im Osten wohnen, die freien Stellen aber im Westen zu finden sind. „Außerdem kann es am Unternehmen liegen“, so Buchinger. Das kann die Bezahlung, eine schlechte Erreichbarkeit oder ein mieses Arbeitsklima sein. Der Wechsel zu einem anderen Beruf ist dabei nicht immer die richtige Lösung, so der AMS-Chef: „Eine Umschulung kostet 15.000 Euro im Jahr. Eine Weiterqualifizierung ist die bessere Möglichkeit zur Schaffung von Arbeitsplätzen.“ Natürlich gibt es auch Berufe, bei denen immer Bedarf da ist, etwa bei ­Köchen. „Allerdings konzentriert sich die Nachfrage auf den Saisonbeginn und auf bestimmte Regionen wie in Westösterreich“, so AMS-Sprecherin Beate Sprenger.

Dringend gesucht

Gesucht wird aber vor allem – auch das zeigt die Bundesländer-Auswertung – im technischen Bereich. Vom Lehrberuf des Elektroinstallateurs über den Maschinenbauingenieur bis zum Diplomingenieur Datenverarbeitung ist alles dabei. „Mit dem IT-Diplomingenieur ist vermutlich der Data Scientist gemeint“, sagt der Chef des Beratungsunternehmens ACP IT Solutions, Wolfgang Burda. Und Leute mit ­dieser Ausbildung würden tatsächlich dringend gesucht: „Da ist ein regelrechter Kampf um die Talente unter den Unternehmen ausgebrochen.“ Dafür sind auch Monatsentgelte zwischen 3.200 und 5.000 Euro brutto drinnen, teilweise auch noch mehr. Data Scientists werden vor ­allem von IT-Unternehmen derzeit händeringend gesucht, in Wien allein sind 183 Stellen ausgeschrieben.

© Ricardo Herrgott News Ricardo Herrgott „Es wird erwartet, dass man sich körperlich fit hält, also ist Sport in der Dienstzeit erwünscht“

Das bestätigt auch Danilo: „Datenforschung ist ein ziemlich neues Thema, der Arbeitsmarkt ist noch gar nicht bereit dafür.“ Er selbst hat das Problem nicht, der 37-jährige Sizilianer arbeitet seit drei Jahren als Senior Data Scientist für Siemens Corporate Technology. „Wir unterstützen andere Siemens-Divisionen bei ihren Forschungsthemen.“ So werden etwa Datenanalysen bisher unbekannter Zusammenhänge zwischen Energie, Wetter, Verkehr und Gebäuden hergestellt, um Strom zu sparen oder Gebäude effizienter zu machen. Laut Danilo gibt es mehrere Wege, um Datenforscher zu werden: die akademische Laufbahn, also Informatik wie er oder Mathematik zu studieren, außerdem spezielle Programme von Fachhochschulen und Unis zum Thema oder das Selbststudium: „Qualifiziert sind alle drei.“ Er selbst ist bereits vor elf Jahren für die Diplom- und Doktorarbeit der Informatik nach Wien gekommen und hat sich zum Data Scientist fortgebildet: „Österreich war die Nummer eins auf meiner Jobliste. Es ist ein ziemlich attraktives Land für ­Innovation und Forschung.“

Persönliches Interesse und eine gute Ausbildung sind auch für Margit der Schlüssel zum Erfolg. Die 39-Jährige hat Betriebswirtschaft studiert und engagiert sich nun nach einem kleinen Umweg über einen Großkonzern im burgenländischen Familienunternehmen. Dass allein in Wien
71 Stellen für Wirtschaftstreuhänder (sie werden als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bezeichnet) offen sind, überrascht die Unternehmerin nicht. Allerdings geht sie auch davon aus, dass das verstaubte Image des Berufs endgültig passé ist: „Es ist eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit mit einem fast unerschöpflichen Beschäftigungspotenzial.“ Immerhin kommen zur klassischen Steuerberatung auch immer häufiger Bilanzierung und Lohnverrechnung hinzu. Die Digitalisierung mache den Beruf zusätzlich attraktiver und verein­fache auch die Zusammenarbeit mit den Kunden: „Mittlerweile lassen sich alle ­Belege digital verschicken, und auch die Kommunikation mit den Finanzämtern läuft elektronisch.“ Das spart Zeit, Geld und Nerven. Österreichweit gibt es 7.600 Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, 4.000 davon sind selbstständig, rund 2.000 ausschließlich unselbstständig tätig. Angestellte können dabei mit einem Durchschnittsverdienst von 4.000 Euro brutto rechnen.

Dienstliche Hobbys

Wer eine gewisse Jobsicherheit sucht, muss sich hingegen nach wie vor an den Staat wenden. Denn allen Aufnahmestopp-Gerüchten zum Trotz gibt es vor allem im Sicherheitsbereich freie Jobs. Die AMS-­Auswertung weist für die Bundesländer Niederösterreich, Kärnten und Tirol insgesamt 109 freie Stellen für Polizisten beziehungsweise Soldaten aus. Auch das Verteidigungsministerium bestätigt den Bedarf an militärischem Personal – und ist bereit, dafür auch tief in die Tasche zu greifen. Die Gehaltstabelle des militärischen Dienstes sieht Monatsentgelte zwischen 1.866 und 10.691 Euro brutto vor, dazu kommen diverse Zulagen und Zuschläge für die doch recht ungewöhnlichen Dienstzeiten. Meist findet das Bundesheer seinen Nachwuchs allerdings auf klassische Art und Weise: „Unsere Hauptrekrutierungsschiene ist der Grundwehrdienst“, so ein Offizier. Deshalb sind auch bei Einheiten reiner Berufssoldaten, wie es die Gardekompanie ist, immer auch zwei Grundwehrdiener dabei – und bleiben das häufig auch nach Ende ihres Präsenzdienstes.

Auf diese Weise ist auch Martin zur Truppe gestoßen. Er hat ebenfalls im Grundwehrdienst die Liebe zum Bundesheer entdeckt und ist ihm nun schon das 17. Jahr treu geblieben. Neben der Unkündbarkeit eines Militärbeamten schätzt der Burgenländer vor allem die Vereinbarkeit seiner Hobbys mit dem Beruf. So sei es eine Grundvoraussetzung für den Job, körperlich fit zu bleiben: „Jemandem, der sich für unseren Beruf interessiert, würde ich sagen: ,Komm zu uns, dann machst du dann im Dienst, wofür du jetzt privat zahlst.‘“

© Ricardo Herrgott „Der Job wird zunehmend weiblicher: Heute sind schon fast die Hälfte aller Steuerberater Frauen“

Bessere Gemeinschaft

Sollte die körperliche Fitness in späteren Jahren einmal nicht mehr gegeben sein, sei das kein Beinbruch, meint Martin: „Dann setze ich mich in ein Büro und mache Schreibarbeit.“ Der Job bleibe trotzdem interessant. Wenngleich dem 34-Jährigen, der auch bei strömendem Regen im Wald seine Kollegen beherzt anleitet, das allein vermutlich zu wenig sein dürfte: „Ein Dienstgrad ist eine Alterserscheinung. Was den Spaß am Job wirklich ausmacht, sind Engagement und Leistung.“ Das Bundesheer biete aber ausreichend Möglichkeiten an, um sich selbst zu verwirklichen, davon ist Martin überzeugt. Dazu komme der Zusammenhalt unter den Kameraden: „Ich glaube schon, dass bei uns eine bessere Gemeinschaft als in anderen Unternehmen herrscht. Immerhin muss man sich zu jedem Zeitpunkt aufeinander verlassen können. Und man ist immer sehr nahe beieinander, etwa wenn man zu zweit im Zelt, der ,Dackel-Garage‘, übernachtet.“ Das gelte auch für Frauen, die man, so ist man beim Bundesheer überzeugt, dringend braucht und daher auch händeringend sucht.

Auch Einzelhandelskauffrau Yvonne wird – wenn sich ihr Traum von einer Managementposition erfüllt – in Zukunft mehr Kontakt zu den Kollegen als zu den Kunden haben. Für sie ist das fast schon ein negativer Aspekt am Aufstieg – immerhin hat sie einige Stammkunden fast schon liebgewonnen.

Dieser Artikel ist ursprünglich in der Printausgabe von News (Nr. 20/2018) erschienen.