Polen von

"Juden selber schuld?"

Polnischer Politologie-Professor Jasiewicz schockiert mit antisemitischem Interview

Gräber am Wiener Zentralfriedhof mit Davidstern © Bild: Corbis

Der Politologie-Professor der Staatlichen Akademie für Wissenschaften PAN Krzysztof Jasiewicz hat mit als antisemitisch bewerteten Aussagen in Polen einen Skandal ausgelöst. In der neuesten Ausgabe der Zeitschrift "Focus Historia Ekstra" erklärte Jasiewski unter anderem, Juden seien gegenüber anderen Ethnien in Europa "blind vor Hass und Drang nach Rache". Das Interview trägt - mit Bezug auf den Holocaust - die Überschrift: "Sind die Juden selber schuld?" Der Direktor des Instituts für politische Studien in der PAN Eugeniusz Krol verglich die Aussagen seines Mitarbeiters mit der Propaganda des Nazi-Hetzblattes "Der Stürmer".

Das Interview sorgt vor allem wegen des bevorstehenden 70. Jahrestags des Aufstands im Warschauer Ghetto am 19. April für Aufregung. Er sei "berührt und erschüttert", erklärte Krol der Zeitung "Gazeta Wyborcza". Die Vereinigung gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit forderte Konsequenzen für Jasiewicz. Die Aussagen des Professors zeugten nicht nur von Antisemitismus sondern auch von "gewöhnlicher menschlicher Niedertracht", heißt es in einer Erklärung der Vereinigung. Der Chefredakteur von "Focus Historia" Pawel Smolenski verteidigte die Veröffentlichung. "Wir haben gezeigt, dass Antisemitismus auch unter Wissenschaftlern nicht der Vergangenheit angehört, darüber darf man nicht schweigen", sagte er.

Holocaust selbst erarbeitet

Jasinski erklärt in dem Interview: "Die Juden richten ihre Maßlosigkeit und ihre Überzeugung, das auserwählte Volk zu sein, zugrunde." Dadurch zögen sie die Missgunst anderer Ethnien ebenso auf sich wie durch ihren Hass auf Nicht-Juden. Der Wissenschaftler verteidigte das Massaker von Jedwabne, bei dem die polnische Dorfbevölkerung mehr als 300 heimische Juden tötete. Sie hätten Angst vor den jüdischen Mitbürgern gehabt und gedacht, nachfolgende Generationen würden ihnen für ihre Tat dankbar sein. Als Problem sieht es der Professor an, dass viele Forscher, die eigentlich Juden seien, sich als Polen, Franzosen oder Ungarn ausgäben. Seine Ausführungen gipfeln in der Aussage: "Die Juden haben sich den Holocaust über viele Generationen hinweg erarbeitet und aus ihm keine Konsequenzen gezogen."

Der 1952 geborene Jasiewicz beschäftigt sich vor allem mit der sowjetischen Besatzung in Polen zwischen 1939 und 1941 und der Geschichte der Juden in den besetzten Gebieten. Er wurde mit einem Orden für herausragende Leistungen im Dienst des Staates (Order Odrodzenia Polski, Orden der Wiedergeburt Polens) ausgezeichnet.