Pohl-Position von Walter Pohl

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Pohl-Position von Walter Pohl © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

ÖBB-Skandal. Allein die Sprache der alten Schienenbären entlarvt ihre Absicht.

Bis zu 3.000 Bedienstete der ÖBB sind ganz übel bespitzelt worden: Interne Krankenakten wurden angelegt, die Krankenstände selbst von einer Art „Gesundheitspolizei“ überprüft, massiver Druck auf auffällige Krankenständler ausgeübt.

Ein Skandal, der – übrigens von meinem NEWS-Kollegen David Hell aufgedeckt – seit Tagen die Medien beherrscht. Und der die ÖBB-Führung zu seltsamen Rechtfertigungsverrenkungen gebracht hat. So meinte unlängst einer der Chefs, man habe reagieren müssen, weil so viele Mitarbeiter „gefehlt“ hätten.

Das ist ein Terminus, den man genauer betrachten muss: „gefehlt“. Wann haben Sie, geschätzte LeserInnen, zum letzten Mal wo „gefehlt“? Genau: in der Schule. Fehlen ist das Gegenteil von anwesend sein und heißt aber auch nicht mehr, als dass man körperlich nicht präsent ist.

Und genau das ist die Krux des Riesenbetriebs ÖBB: Hier wird ein gigantisches Infrastrukturunternehmen geführt, als handle es sich um eine überdimensionale Hauptschule. Her mit dem Klassenbuch, schauen, wer da ist, abhaken. Was sonst passiert, ist dann schon Nebensache.

Zugegeben: Die ÖBB sind ein viel zu wichtiger Eckpfeiler dieser Republik, als dass man sich über deren „Schulpolitik“ lustig machen dürfte.

Aber es darf und muss die Frage gestellt werden, ob die sozial immer noch hoch privilegierten ÖBB-Mitarbeiter von ihren Vorgesetzten lediglich verwaltet werden oder ob die Spur eines unternehmerischen Gedankens Einzug gehalten hat. Und vor allem, welches System dahintersteckt. Denn wenn Tausende Mitarbeiter alljährlich blaumachen, ohne tatsächlich krank zu sein, wie die Unternehmensführung als Reaktion auf den Skandal behauptet, dann muss es ja wohl auch Betriebsärzte oder firmenfremde Ärzte geben, die ihre Patienten wider besseres Wissen „krank“schreiben.

Diese Frage steht auf einem Blatt. Auf dem anderen muss man notieren: Ähnliche Bespitzelungsaktionen in großen deutschen Firmen, wie etwa unlängst bei Lidl, haben umgehend zu personellen Konsequenzen geführt. Bei den ÖBB setzt man zunächst einmal einen „Untersuchungsausschuss“ ein. Motto: Schau ma mal, ob’s was zu schauen gibt.

Ob sich die Weichen Richtung Erneuerung stellen, ist mehr als fraglich…