Platter verweigert Einsatz von externen
Experten: Kampusch-Anwalt "enttäuscht"

Ganzger: "Da sind im großen Stil Pannen passiert" Natascha Kampusch "will wirklich Aufklärung"

Platter verweigert Einsatz von externen
Experten: Kampusch-Anwalt "enttäuscht" © Bild: Reuters/Neubauer

Als "schrecklich" beurteilte Natascha Kampuschs Anwalt Gerald Ganzger die neu aufgetauchten Hinweise auf Fehler und Vertuschungsaktionen bei den Ermittlungen rund um die Entführung seiner Mandantin. Scharfe Kritik übte der Jurist dabei im Gespräch mit der APA an Innenminister Günther Platter: "Wir sind sehr enttäuscht, dass Minister Platter auf unsere Forderung und Ersuchen ausgewählte externe Personen in die Evaluierungskommission aufzunehmen überhaupt nicht reagiert hat", kritisierte Ganzger.

"Es geht nicht darum, den von Bundesminister Platter bestellten Beamten von vorneherein Befangenheit zu unterstellen", erklärte Ganzger. Vielmehr sei es notwendig sicherzustellen, dass die Kommission "tatsächlich unabhängig und weisungsfrei" sei. "Von Tag zu Tag tauchen ja neue Verdachtsmomente auf, dass im großen Stil vertuscht worden ist und im großen Stil Pannen passiert sind", kritisierte der Anwalt.

Kampusch geht es relativ gut
Seiner Mandantin gehe es angesichts der ständig auftauchenden Hinweise auf Pannen relativ gut: "Sie will wirklich Aufklärung", sagte Ganzger. "Natürlich ist sie betroffen, dass jeden Tag Neues herauskommt. Dafür ist sie erstaunlich gefasst." Wichtig sei daher eine rasche Konstituierung der Kommission und der sofortige Beginn der Arbeit "mit Hochdruck". Weiters forderte der Anwalt volle Akteneinsicht und Transparenz für Natascha Kampusch.

"Es muss von vorneherein der leiseste Verdacht vermieden werden, dass nicht wirklich alles aufgeklärt wird", so Ganzger. Daher appelliere man noch einmal an Platter, die Kommission durch die Hereinnahme von externen Fachleuten zu erweitern und seine Beamten völlig weisungsfrei zu stellen. Sichergestellt werden müsse auch, dass die Ermittler das gesamte Material der Causa zur Verfügung gestellt bekommen.

Vorschläge für Experten
Bereits am Tag zuvor habe er Vorschläge für mögliche unabhängige Experten geäußert, die bei der Aufklärung helfen könnten, sagte Ganzger. Zu seinen Empfehlungen zählen unter anderem der frühere Rechnungshofpräsident Franz Fiedler, der nun als Präsident des Beirates von Transparency International Austria tätig ist, Zivilrechts-Professor Bernd Schilcher, Verfassungsexperten Heinz Mayer und der Wiener Strafrechtler Helmut Fuchs. Auch Manfred Nowak, Leiter des Wiener Ludwig-Boltzmann-Instituts für Menschenrechte und UNO-Sonderberichterstatter, kommt für den Anwalt als Kandidat infrage. Grundsätzlich sei man diesbezüglich allerdings offen, meinte er.

Sirny: "Alpträume beginnen wieder"
"Die Alpträume beginnen wieder." Das sagte Natascha Kampuschs Mutter Brigitte Sirny dem Radiosender Ö3: "Ich werde munter in der Nacht und dann denke ich mir, was alles anders wäre."

"Die achteinhalb Jahre kann niemand, niemand zurückgeben", betonte die 57-Jährige. Ihre Familie habe sehr viel durchgemacht und das hätten man allen ersparen können. Es müsse allerdings abgewartet werden, wie lange die Untersuchung der Sonderkommission andauere, und was bzw. ob damals etwas schiefgelaufen sei. "Dass die Polizei tausende Hinweise bekommen hat, ist mir schon klar, und dass die da auch schon ein bisschen sieben und kontrollieren", meinte Natascha Kampuschs Mutter gegenüber Ö3. "Aber der war ja konkret, dieser Hinweis."
(apa/red)