PKK-Chef will es am grünen Tisch klären: Barzani sucht direktes Gespräch mit Türkei

Irak: 'Ich akzeptiere die Sprache der Gewalt nicht' Frage der Diplomatie: Suche nach friedlichem Ausweg

PKK-Chef will es am grünen Tisch klären: Barzani sucht direktes Gespräch mit Türkei

Der irakische Kurdenführer Massud Barzani hat die türkische Regierung zu direkten Verhandlungen aufgerufen, um den Konflikt um Stellungen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordirak beizulegen. "Setzen wir uns doch zusammen, um die Kurdenfrage zu lösen", sagte Barzani im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

Mit Blick auf die von Ankara angedrohte Militäroffensive im Nordirak sagte Barzani: "Ich bin kein Feind der Türkei, aber ich akzeptiere die Sprache der Gewalt nicht." Eine kurdische Delegation habe nun in die Türkei reisen wollen, was von den türkischen Behörden jedoch abgelehnt worden sei, betonte Barzani.

Suche nach friedlicher Lösung
"Wir werden uns an einer Lösung des Problems beteiligen, wenn es sich um eine friedliche Lösung handelt", sagte Barzani. Wenn nichts außer der militärischen Option zur Debatte stehe, wollten sich die irakischen Kurden dagegen nicht beteiligen. Barzani bekräftigte, die Konzentration türkischer Truppen an der Grenze zum Nordirak sei inakzeptabel. "Wenn sie unser Volk, unser Territorium angreifen, werden wir uns verteidigen", warnte er.

Kalmieren
An die Adresse der PKK gewandt forderte der irakische Kurdenchef, Waffenruhe zu halten, Gefangene freizulassen, keine militärischen Aktionen zu starten und nach einer friedlichen Lösung zu suchen. "Ohne Lösung des Kurdenproblems wird es keine Stabilität in der Region geben", sagte Barzani: "Wir existieren, wir haben das Recht zu leben."

Die Türkei droht in ihrem Konflikt mit der PKK offen mit einem militärischen Vorgehen gegen Stellungen der Arbeiterpartei im Nordirak, von wo aus die auf bis zu 4000 Leute geschätzten Rebellen Angriffe auf die Türkei vorbereiten. Die jüngsten Verhandlungen der Türkei und des Irak zum Kurdenkonflikt waren gescheitert, Ende der Woche könnten jedoch neue Gespräche der beiden Außenminister in Istanbul stattfinden.

Irakischer Außenminister warnt vor Offensive
Der irakische Außenminister Hoshiyar Zebari hat vor katastrophalen Konsequenzen einer Groß-Invasion der Türkei in sein Land gewarnt. Die aktuelle Krise sei "sehr ernst", sagte Zebari der BBC in einem Interview, das auf der Internetseite des Fernsehsenders veröffentlicht wurde.

Die Türkei habe kein Interesse an irakischen Vorschlägen zu einer Beruhigung der Lage gezeigt. Stattdessen habe die Regierung in Ankara die Auslieferung von hochrangigen PKK-Mitgliedern vom Irak gefordert, die sich im Irak versteckten. Diese Forderung könne der Irak jedoch nicht erfüllen, da die Regierung in Bagdad keine Kontrolle über die Rebellen habe.

Kurdische Rebellen eingekreist
Die türkische Armee hat nahe der Grenze zum Irak laut rund hundert kurdische Rebellen eingekreist. Die Streitkräfte hätten im Bergland Durchgänge blockiert, die von den Kämpfern der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zum Rückzug in ihre Stellungen im Nordirak benutzt würden, meldete die halbamtliche Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi. Die Rückzugsgebiete würden von den Rebellen genutzt, nachdem sie ihre Gewaltakte in der Türkei verübt hätten, hieß es weiter. Das Vorgehen der Truppen sei Teil der gegenwärtigen Militäroffensive.

(apa/red)