Pius-Bruderschaft plant Priesterweihen: Traditionalisten auf Konfrontationskurs

Skandal-Brüder ohne päpstliche Erlaubnis unterwegs Pater Schmidberger nimmt "Kinderschänder" zurück

Die traditionalistische Pius-Bruderschaft will sich offenbar trotz der Aufhebung der Exkommunikation durch den Papst nicht der kirchlichen Disziplin unterwerfen. Der deutsche Distrikt bestätigte den nächsten Termin für Priesterweihen Ende Juni. Diese sind den vier Bischöfen der Bruderschaft aber untersagt, die selbst 1988 von dem Konzilskritiker Erzbischof Marcel Lefebvre ohne päpstliche Erlaubnis geweiht worden waren.

Pius-Bruderschaft plant Priesterweihen: Traditionalisten auf Konfrontationskurs
© Bild: APA/DPA/Pilick

Die Bruderschaft bestätigte ebenfalls, dass Bischof Bernard Fellay, am vergangenen Sonntag und damit nach Aufhebung seiner Exkommunikation angehenden Geistlichen niedere Weihen gespendet habe. Fellay und drei weitere Bischöfe, Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galaretta, wurden 1988 ebenso wie der 1991 verstorbene Lefebvre exkommuniziert. Mit Wirkung zum 21. Jänner 2009 hob Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation auf. Die Bischöfe sind aber weiterhin suspendiert und dürfen daher die Weihegewalt nicht ausüben.

Weihen sind gültig
Kirchenrechtlich sind die von den vier Bischöfen gespendeten Weihen dennoch gültig, wie Joachim Wiemeyer von der katholisch-theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum erklärte. Der Trierer Kirchenrechtler Peter Krämer wertete die Weihehandlung im "Kölner Stadt-Anzeiger" als Zeichen dafür, dass die abtrünnigen Bischöfe nicht gewillt seien, sich wie vom Vatikan gefordert der Disziplin der katholischen Kirche zu unterwerfen. Vor allem die geplante Priesterweihe sei ein Akt "bewussten Ungehorsams gegen die Autorität des Papstes". Bei "konsequentem Handeln Roms" könne das erneut die Verhängung der Exkommunikation nach sich ziehen.

Bedauern
Der deutsche Distriktobere der Pius-Bruderschaft, Pater Franz Schmidberger, hat unterdessen den Ausdruck "Kinderschänder" für den islamischen Religionsgründer Mohammed "mit großem Bedauern" zurückgenommen. Zur Begründung betont Schmidberger in einer veröffentlichten Erklärung, diese Wortwahl sei geeignet, "Muslime in ihren religiösen Gefühlen zu verletzen".
(apa/red)