Pius-Bruderschaft geht auf Distanz zu Williamson: "Falsche Aussagen korrigieren"

Bischof Fellay: Keine Auftritte mehr ohne Erlaubnis Williamson soll rasch "historische Fakten studieren"

Pius-Bruderschaft geht auf Distanz zu Williamson: "Falsche Aussagen korrigieren" © Bild: APA/DPA/Falk

Der Generalobere der konservativen katholischen Pius-Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, ist zu dem Holocaust-Leugner Richard Williamson auf Distanz gegangen. "Er soll nun schnell die historischen Fakten studieren und seine falschen Aussagen korrigieren. Je schneller, umso besser", schrieb Fellay in einer Antwort auf telefonisch gestellte Fragen von "Spiegel online". Zudem erklärte Fellay, er habe Williamson "öffentliche Auftritte ohne meine Erlaubnis untersagt".

Williamson und Fellay gehören zu den vier Bischöfen der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft, deren Exkommunikation Papst Benedikt XVI. zurückgenommen hatte. Williamson hatte zuvor in einem Fernsehinterview die millionenfache Ermordung von Juden durch die Nazis geleugnet und behauptet, es habe keine Gaskammern in den Konzentrationslagern gegeben. Der Papst forderte ihn inzwischen zum Widerruf auf - Williamson gab jedoch an, zunächst die Fakten prüfen zu wollen.

Holocaust-Leugner
Der Direktor der Gedenkstätte im ehemaligen NS-Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Piotr M.A. Cywinski, zeigte sich empört über die Äußerungen Williamsons. "Wer das, was in Auschwitz geschehen war - den Holocaust -, infrage stellt, handelt niederträchtig", sagte Cywinski nach Angaben seines Sprechers.

Fellay hatte den Leiter des Priesterseminars im argentinischen La Reja abgesetzt, nachdem ein Interview bekannt geworden war, in dem dieser den Holocaust geleugnet hatte. In einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen hatte Williamson im Jänner gesagt, er denke, dass "200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben" seien, aber "nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern".

Exkommunikation aufgehoben
Papst Benedikt XVI. hatte Williamsons Exkommunikation aufgehoben und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Das Oberhaupt der katholischen Kirche soll von der Holocaust-Leugnung nichts gewusst haben. Mittlerweile hat er Williamson zum Widerruf aufgefordert.

Der 50-jährige Fellay schrieb weiter, die Aussagen Williamsons seien "uns so nicht bekannt" gewesen. "Wir konzentrieren uns auf die Glaubens- und Sittenlehre. Unseren Priestern schärfen wir ein, sich darauf zu beschränken." Er müsse eingestehen, "dass wir hier nicht streng genug gewesen sind". Laut Fellay hatte Williamson keine Führungsaufgaben in der Pius-Bruderschaft inne.

Kein Einlenken erwartet
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, geht davon aus, dass die Pius-Bruderschaft nicht auf die Bedingungen der katholischen Kirche eingehen wird. "Ich sehe dort kaum die Bereitschaft einzulenken, weil sie sich so festgelegt haben, dass sie sich praktisch selbst aufgeben müssten", sagte der Freiburger Erzbischof der Zeitung "Mannheimer Morgen".

Zugeständnisse in den Gesprächen zwischen Vatikan und Pius-Bruderschaft lehnte Zollitsch ab: "Nicht bei der Lehre. Die Wahrheit ist weder verhandelbar noch teilbar." Allerdings könne man etwa über die Gestaltung der Liturgie reden, sagte Zollitsch. "Aber das uneingeschränkte Ja zu allen Konzilien und der Lehre der Päpste von Johannes XXIII. bis Benedikt XVI. ist notwendig, um in Einklang mit der Kirche zu stehen."

Fehler im Vatikan
Zollitsch kritisierte Fehler im Vatikan beim Umgang mit der erzkonservativen Bruderschaft: "In Rom hat man zu wenig hingehört, etwa als der exkommunizierte Bischof Bernard Tissier de Mallerais sagte, Joseph Ratzinger habe Irrlehren gelehrt." Außerdem habe er angekündigt, Rom zu bekehren. "Das ist ein starkes Stück", sagte der Sprecher der deutschen Bischöfe. "Das heißt, die Pius-Brüder erwarten, dass Rom sich ändert, aber sie nicht." Falls es bei dieser Position bleibe, gebe es keinen gemeinsamen Weg mehr. "Das ist Separatismus, den die Pius-Bruderschaft zu verantworten hat."

(apa/red)