Sechs Jahre für Pistorius:
Die Fakten zum Fall

Wie es zu dem Gerichtsurteil gekommen ist - Die Geschichte eines Mordprozesses

Der südafrikanische Ex-Sprintstar Oscar Pistorius ist am Mittwoch in Pretoria zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Seit Februar 2013 beschäftigt der Fall bereits die internationale Öffentlichkeit: die wichtigsten Stationen des Kriminalfalls.

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2013

14. Februar: Die Leiche von seiner Freundin Reeva Steenkamp wird in der Wohnung von Pistorius gefunden. Der Sportler hatte die 29-Jährige durch die geschlossene Toilettentür mit vier Schüssen aus einer seiner Schusswaffen getötet. Er wird festgenommen. Er habe geglaubt, auf Einbrecher zu schießen, sagte Pistorius damals.

Oscar Pistorius und Reeva Steenkamp
© WALDO SWIEGERS/AFP/Getty Images Reeva Steenkamp und Oscar Pistorius

20. Februar: Die Polizei teilt mit, dass in Pistorius' Wohnung Spritzen und Testosteron als Doping-Substanz gefunden wurden. Das Kosmetikunternehmen Clarins setzt eine Werbekampagne mit dem unterhalb der Knie amputierten Ausnahmesportler aus. Nike stoppt einen Tag später die Zusammenarbeit mit Pistorius. Der Sportler wird am 22. Februar gegen eine Kaution von umgerechnet 75.000 Euro freigelassen.

28. März: Pistorius bekommt seinen Pass zurück und darf wieder ins Ausland reisen.

14. April: Presseberichte erscheinen, nach denen Pistorius am 6. April in zwei Lokalen in Johannesburg mit Freunden gefeiert hat.

2014

3. März: Der Prozess gegen Pistorius beginnt Anfang März. Zum Prozessbeginn beteuert er erneut seine Unschuld. Eine Zeugin sagt am 3. März aus, sie habe in der Tatnacht "schreckliche Schreie" einer Frau und Schüsse gehört.

10. und 13. März: Pistorius übergibt sich bei der Verlesung des Autopsieberichts und als auf dem Bildschirm im Gerichtssaal versehentlich eine Aufnahme von Steenkamps Leiche erscheint.

7. bis 15. April: Pistorius beginnt seine Aussage mit einer Entschuldigung bei Steenkamps Familie. Immer wieder bricht er im Kreuzverhör in Tränen aus und verwickelt sich auch in Widersprüche. Er bleibt aber dabei, dass er zwar geschossen hat, jedoch nicht wusste, dass sich Steenkamp in der Toilette aufhielt.

© APA/ EPA/SOUTH AFRICA POLICE SERVICES / HANDOUT Der Tatort, fotografiert am 14 Februar 2013

30. Juni: Nach sechswöchiger Unterbrechung, in der sich Pistorius psychiatrischen Untersuchungen unterziehen musste, erklären drei Psychiater und ein Psychologe übereinstimmend, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt voll schuldfähig war.

11. September: Richterin Thokozile Masipa spricht Pistorius von den Vorwürfen des Mordes und des Totschlages frei. Pistorius wird am nächsten Tag wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässigen Waffengebrauchs in einem Fall schuldig gesprochen.

Oktober: Pistorius wird zu fünf Jahren Haft verurteilt.

2015

März: Der Prozess soll neu aufgerollt werden, die Staatsanwaltschaft will ein härteres Urteil erreichen.

19. Oktober: Nach knapp einjähriger Haft wird der Sportler in den Hausarrest entlassen.

November: Das Berufungsverfahren beginnt. Pistorius startet seinen Sozialdienst.

Dezember: Das Berufungsgericht befindet ihn des Mordes für schuldig. Die Entscheidung über das Strafmaß soll 2016 fallen. Pistorius darf vorerst im Hausarrest bleiben.

2016

Jänner: Pistorius reicht Klage beim Verfassungsgericht ein. Er sei Opfer eines unfairen Verfahrens geworden, meinen seine Anwälte.

März: Die Richter weisen seine Klage ab. Pistorius drohen nun mindestens 15 Jahre Haft.

Oscar Pistorius
© imago/Gallo Images Pistorius im Juni 2016 vor Gericht

6. Juli: Der südafrikanische Ex-Sprinter Oscar Pistorius ist wegen Mordes zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Mit ihrem Urteil blieb die Richterin deutlich unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten 15 Jahren Haft. Masipa entschied, dass die "mildernden Umstände schwerer wiegen als die belastenden Faktoren". In erster Instanz war Pistorius im Oktober 2014 wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Ein Jahr später wurde er in den Hausarrest entlassen.

Oscar Pistorius
© imago/Gallo Images June Steenkamp, die Mutter des Opfers

Die Verkündung des Strafmaßes muss noch nicht das Ende des Justizdramas sein. Sowohl Pistorius als auch die Staatsanwaltschaft können noch ein letztes Mal in Berufung gehen.

Die Akteure im Pistorius-Verfahren

DER ANGEKLAGTE: Er wurde gefeiert als schnellster beinamputierter Sprinter der Welt. Der heute 28 Jahre alte Ausnahmeathlet Oscar Pistorius startete 2012 als erster Läufer mit speziellen Beinprothesen bei den Olympischen Spielen in London. Wegen eines Gendefekts kam er im südafrikanischen Johannesburg ohne Wadenbein-Knochen auf die Welt. Bei Paralympischen Spielen gewann der Sprinter auf eigens angefertigten Prothesen insgesamt sechs Goldmedaillen. 2013 nahm die Erfolgsstory mit den tödlichen Schüssen auf seine Freundin Reeva Steenkamp ein jähes Ende.

DAS OPFER: Die 29-Jährige Reeva Steenkamp war ein gefragtes Model. Auch im Fernsehen war sie präsent. So nahm sie an der südafrikanischen Variante von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" teil. Die blonde Südafrikanerin hatte ein abgeschlossenes Jurastudium. 2012 zeigte sie sich im Rahmen der South African Sports Awards in Johannesburg zum ersten Mal mit Pistorius in der Öffentlichkeit.

DIE RICHTERIN: Thokozile Matilda Masipa hat schon mehrere große Prozesse geleitet. 1988 war sie die zweite schwarze Frau, die im rassistischen Apartheid-System zur Richterin ernannt wurde. Schon zweimal hat sie Männer wegen Gewalttaten gegen Frauen zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie arbeitete früher auch als Sozialarbeiterin und Polizeireporterin in Soweto.

DER STAATSANWALT: Der leitende Staatsanwalt Gerrie Nel, Ex-Chef der Anti-Korruptionseinheit "Scorpions", ist wegen seiner Hartnäckigkeit und seiner brillanten Rhetorik gefürchtet. Er wird auch "die Bulldogge" genannt, weil er vor Gericht gerne mit harten Bandagen kämpft. Der 1961 geborene Jurist hat mehrfach die Anklage erfolgreich in aufsehenerregenden Prozessen wie gegen den Ex-Polizeichef Südafrikas und Ex-Interpol-Chef Jackie Selebi vertreten.

DER STARANWALT: Barry Roux verteidigte schon in der Zeit des Apartheid-Regimes Prominente, zum Beispiel den damaligen Polizeichef Lothar Neethling. Später vertrat er Wirtschaftsbosse wie Minenchef Roger Kebble oder den Ex-Boss des Fußballclubs Glasgow Rangers, Dave King. Beide waren wegen Steuerbetrugs angeklagt.

Kommentare

Urlauber2620

Für Mord gibt's nicht mehr??? Und genau das war es was der Psycho gemacht hat. Hat ja schon des Öfteren aus fahrendem Auto heraus rumgeballert. Weg mit dem Ar....l... und Schlüssel wegwerfen.

Tavington melden

er ist ein weisser, ein paar monate und er ist wieder raus. auf freiem "fuss", hahaha.

Wergznase melden

Was zahlst wenns nicht so ist ?

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