Südafrika von

Pistorius-Prozess:
Irrtümliche Tötung?

Schlussplädoyer der Verteidigung - Kritik an "schlampiger Arbeit" der Ermittler

Oscar Pistorius vor Gericht © Bild: APA/EPA/ALON SKUY / POOL

Im Mordprozess gegen Oscar Pistorius hat die Verteidigung in ihrem Schlussplädoyer am Freitag zahlreichen Argumenten der Staatsanwaltschaft widersprochen. Rechtsanwalt Barry Roux wollte das Gericht noch einmal davon überzeugen, dass der südafrikanische Paralympics-Star seine Freundin in der Nacht zum Valentinstag 2013 irrtümlich getötet hat. Das Urteil wurde für 11. September angekündigt.

Für den einstigen Nationalhelden war der Vortrag von Roux die letzte Chance, um Richterin Thokozile Masipa in dem Prozess in Pretoria von seiner Unschuld zu überzeugen. Weil er im Februar 2013 im Badezimmer einen Einbrecher vermutete, habe Pistorius in Panik durch die Tür geschossen, so die Linie der Verteidigung. Eine Psychiaterin hatte ihm bereits während des Verfahrens eine "intensive Angststörung" bescheinigt.

Dafür sollen vor allem die hohe Kriminalitätsrate in Südafrika in Verbindung mit der Behinderung des unterschenkelamputierten Angeklagten verantwortlich sein. "Er wird ständig daran erinnert, dass er keine Beine hat. Er kann nicht weglaufen", erklärte Roux. "Er hat sich bewaffnet und ist zum Bad gegangen. Er wusste, dass es eventuell nötig werden könnte, zu schießen. Er hatte Angst." Bei den Schüssen habe es sich um Selbstverteidigung gehandelt.

Pistorius übernimmt Verantwortung "für einige der Vorwürfe"

Roux räumte ein, dass sein Mandant bereit sei, die Verantwortung für einige der Vorwürfe zu übernehmen. Er gestehe zu, dass Pistorius im ersten Anklagepunkt - dem der Fahrlässigkeit - durchaus schuldig sein könnte. "Aber in diesem Prozess hätte es um Totschlag gehen sollen und nicht um Mord", betonte er.

Staatsanwalt Gerrie Nel hatte Pistorius am Donnerstag in seiner Schlussrede der Lüge bezichtigt und erklärt, der Sportler habe die Wahrheit bei seinen Aussagen stets zu seinen Gunsten verdreht. Er habe einen vorsätzlichen Mord an Reeva Steenkamp begangen und müsse in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen werden.

Stimmt Masipa dem zu, drohen Pistorius mindestens 25 Jahre Haft. Aber auch eine Verurteilung wegen Totschlags könnte eine Gefängnisstrafe von 15 Jahren bedeuten.

Verteidiger kritisiert "schlampige Arbeit" der Ermittler

Roux kritisierte am Freitag vor allem die "schlampige Arbeit" der Ermittler, die Beweismaterial verfälscht und manipuliert hätten. Die Polizisten hätten "keinen Respekt für den Tatort gezeigt".

Außerdem widersprach er Nels Angaben, nach denen die Beziehung des Paares von Streitigkeiten geprägt gewesen sei. Der Staatsanwalt hatte mehrere WhatsApp-Nachrichten vorgelesen, die angeblich belegen sollten, dass Pistorius und Steenkamp Probleme hatten. "Man muss mit diesen WhatsApp-Nachrichten zwischen jungen Leuten vorsichtig sein", sagte Roux. "Nach dem 7. Februar waren die Nachrichten wieder liebevoll - sie hatten sich schnell wieder vertragen."

Im Gerichtssaal waren auch Steenkamps Eltern June und Barry sowie überraschend Pistorius' Vater Henke, der dem Verfahren bisher ferngeblieben war. Das Verhältnis zu seinem Sohn gilt als angespannt.

Urteil am 11. September

Die Schlussplädoyers im Mordprozess gegen den früheren südafrikanischen Sprintstar Oscar Pistorius sind am Freitag zu Ende gegangen. Richterin Thokozile Masipa kündigte für den 11. September das Urteil an.

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