Pilotprojekt in Kärnten: Schmied und Haider
fixieren Gesamtschul-Start für Herbst 2008

SPÖ-Ministerin und BZÖ-LH wählten Modellregion aus Gemeinsame Schule vorerst in Klagenfurt und Villach<br>Schulversuche in Oberösterreich "auf Wunsch"

Die von der SPÖ favorisierte und von der ÖVP abgelehnte Gesamtschule startet im Herbst 2008. Bildungsministerin Claudia Schmied hat laut eines Zeitungsberichts mit Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider ein derartiges Projekt für eine Modellregion in Kärnten fixiert.

Demnach wird laut der Tageszeitung "Kurier" ab dem Schuljahr 2008/09 die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen in Klagenfurt und Villach anlaufen, weitere Bezirksstädte - von Wolfsberg über Feldkirchen bis Hermagor - sollen folgen. "Wir wollen das großflächig machen, um eine möglichst große Anzahl von Schülern damit zu erfassen", so Haider, der die gemeinsame Schule der Sechs- bis 15-Jährigen seit längerem forciert.

Die lange Vorlaufzeit von mehr als einem Jahr begründet Schmied im "Kurier" mit den notwendigen Vorbereitungen: "Einerseits didaktisch, andererseits muss man Lehrer finden, die sich dafür begeistern. Und die räumlichen Gegebenheiten müssen stimmen." Ein Problem sei auch das unterschiedliche Gehaltsschema von Pflichtschul- und Gymnasiallehrern, die künftig unter einem Dach unterrichten werden. "Da muss es einen Ausgleich geben", so Haider.

Mit SPÖ-dominierten Bundesländern wie Wien verhandelt Schmied laut "Kurier" ebenfalls schon.

Standorte fix
Die Gesamtschule soll vorerst je einen Standort in Klagenfurt und Villach betreffen. In Klagenfurt stehen die Partner dafür bereits fest, erklärte Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider. Villach ist noch offen, die rechtlichen und juristischen Details, wie etwa die Vereinheitlichung der Besoldung der Lehrer, muss noch geklärt werden.

an verfolge das Projekt Gesamtschule bereits seit zwei Jahren, sagte Haider. Es gebe auch einen entsprechenden Landtagsbeschluss von BZÖ und SPÖ. Dass die Umsetzung erst jetzt erfolgt, erklärte der Landeshauptmann mit der ablehnenden Haltung der früheren Bildungsministerin Elisabeth Gehrer. Er habe bereits mit ihr über eine Realisierung gesprochen, "das war aus ideologischen Gründen nicht möglich".

In Klagenfurt wird das BORG gemeinsam mit der Übungshauptschule der Pädagogischen Akademie eine Klasse einrichten. Die Anmeldung soll wie bei der Hauptschule nicht an Kriterien gebunden sein. Haider: "Sonst haben wir ja wieder genau die gleiche Vorselektion wie beim Gymnasium, die wir abschaffen wollen." Offen ist noch, ob Schüler aus den Umlandgemeinden der Landeshauptstadt sich anmelden dürfen, für Hauptschulen gilt nämlich die Schulsprengel-Regelung, für Gymnasien hingegen nicht. Geklärt ist die Geldfrage. "Die Kosten für den Schulversuch trägt der Bund", so Haider.

Dass auch in Villach ein solches Gesamtschul-Modell eingerichtet wird, steht noch nicht fest, denn die jeweilige Schulleitung muss ihre Zustimmung erklären. Bisher habe man aber noch kein dezidiertes Ja von einem der beiden Villacher Gymnasien erhalten, sagte der Landeshauptmann. Welche Hauptschule allenfalls zum Zug käme, ist ebenfalls noch unklar. Er habe aber bereits mit dem Villacher Bürgermeister Helmut Manzenreiter gesprochen, der das Gesamtschul-Modell unterstützen wolle, so Haider. Fest stehe, dass man in Villach für die zwei Gymnasien auf Grund der Anmeldungszahlen neue Klassen brauche, da könne man eine Klasse dann als Schulversuch einrichten.

"Wir wollen ein geschlossenes, aber in sich offenes Schulsystem schaffen, in das auch das Projekt der Lehre mit Matura integriert wird", erklärte Haider. Dies sei auch eine Strategie, um dem Facharbeitermangel zu begegnen. Lehre mit Matura soll ebenfalls ab dem kommenden Schuljahr 2008/2009 angeboten werden. Er möchte den Schulversuch auch auf andere Bezirksstädte wie St. Veit/Glan oder Wolfsberg ausweiten. Ob und wann es dazu kommt, steht derzeit aber noch nicht fest.

Schulversuche in Oberösterreich "auf Wunsch"
Schulversuche zur Gesamtschule wird es in Oberösterreich "auf Wunsch" geben. Das war ein Ergebnis des Antrittsbesuches von Unterrichtsministerin Claudia Schmied bei Landeshauptmann Josef Pühringer und weiteren Vertretern der Landtagsparteien in Linz. Uneins waren die Ministerin und der Landeshauptmann bei Quoten für Kinder mit nicht ausreichenden Deutsch-Kenntnissen.

In einer anschließenden Pressekonferenz berichtete Schmied, dass ab dem Schuljahr 2008/2009 Modellregionen zur "Gemeinsamen Schule der Vielfalt" geplant seien. Dabei solle Wert auf innere Differenzierung und Individualisierung des Unterrichts gelegt werden. Wichtig sei zudem sowohl die Benachteiligten- als auch die Spitzenförderung. Die Vorbereitung der Modellregionen sollte intensiv wissenschaftlich begleitet werden, deshalb könne der Start auch erst 2008/2009 erfolgen und nicht 2007/2008.

Pühringer erklärte, derartige Schulversuche dürfe es nicht durch "Zwangsbeglückung" geben. Das sei Sache der Eltern, Schüler und Lehrer. Es sei noch bis Juni Zeit für Sitzungen der Schulgemeinschaftsausschüsse, wo alle Gruppen vertreten seien. Wenn von dort ein Beschluss mit dem Wunsch nach einem derartigen Schulversuch komme, gebe es dagegen sicher keinen Einwand.

Uneins waren sich Schmied und Pühringer bei Integrationsmaßnahmen. Der Landeshauptmann als Bildungsreferent der Landesregierung war zuletzt für dafür eingetreten, dass in Schulklassen höchstens ein Drittel Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache sitzen dürfe. Nur so sei gute Integration möglich.

Das ist für Schmied "diskriminierend". Die Integration sollte bereits im Vorschulalter forciert werden. Unter anderem seien deshalb "Sprachtickets" entsprechend dotiert worden. Sprachdefizite würden zunehmend auch Kinder aus deutschsprachigem Elternhaus betreffen.

Pühringer widersprach, er wolle nicht Diskriminierung, sondern ein ausgewogenes Verhältnis und dazu seien ordnungspolitische Maßnahmen notwendig. Er begrüße allerdings auch jede Art von Fördermaßnahmen.

Ein weiteres Thema der Pressekonferenz war die Senkung der Klassenschülerzahl auf 25 als wichtiger Schritt für mehr Qualität in den Schulen. Das bringe trotz abnehmender Schülerzahlen netto 70 neue Klassen und - zusammen mit der Pensionierung von 100 Lehrern aus Altersgründen - netto zusätzlich 230 bis 250 zusätzliche Lehrerdienstposten.

(apa/red)