Innovationen von

Screeneo: Revolution verschoben

Neuer Kurzdistanz-Projektor kann als Konzept begeistern, nicht aber in der Praxis.

Philips Screeneo © Bild: Sagemcom

Maximale Bildschirmgröße bei maximaler Flexibilität. So könnte man das Prinzip des neuen Kurzdistanz-Projektors Philips Screeneo verkürzen. Bis zu 100 Zoll Bildschirmdiagonale (254cm) eines "herkömmlichen" Heimkino-Projektors werden dabei mit den simplen Aufstell- und Zuspielmöglichkeiten eines Fernsehers gepaart. Was sich in der Theorie fantastisch anhört, hat in der Praxis (noch) leider den einen oder anderen Haken.

Seit Jahren wird dem Konsumenten die Idee schmackhaft gemacht, sich das Kino-Erlebnis nach Hause zu holen. Zum einen mit immer größer werdenden Bildschirmdiagonalen bei neuen Fernseher-Modellen. Lag der "Standard" vor kurzem noch bei rund 40 Zoll (101 cm), gehören heutzutage mindestens 50 Zoll zum guten Ton, die ganz neuen High-End-Modelle fangen überhaupt erst bei rund 60 Zoll (152 cm) an. Zum anderen gibt es Heimkino-Projektoren, die - entsprechende Räumlichkeiten vorausgesetzt - sogar mehrere Meter große Bildschirmdiagonalen an die Wand werfen können.

Nicht ohne Probleme: Neben der meist nicht unerheblichen hohen Preislage für eine gute Kinolösung im Wohnzimmer, benötigt man entsprechend viel Platz zuhause und sogar einen qualifizierten Techniker, der einem zumindest die Montage vornimmt, wenn man nicht selbst über das entsprechende Know-How verfügt. Nicht so beim Philips Screeneo.

Flexibles Platzwunder

Der Philips Screeneo geht einen anderen Weg als seine sperrigen Alternativen: Der Kurzdistanzprojektor ist kaum größer als die herkömmliche Center-Box eines Heimkinos und wird in einem Abstand von 10-45 Zentimetern vor der Wand platziert, auf der das Bild gezeigt werden soll. Die Bildschirmdiagonale reicht dabei von 50 bis 100 Zoll (127 cm bis 254cm), projiziert werden kann prinzipiell auf jede plane Fläche. Und das im Handumdrehen in kürzester Zeit. Keine Fachkenntnisse vonnöten. Sogar eine rudimentäre Zusatz-Farbkorrektur ist vorhanden, um etwaige Verfälschungen bei der Projektion auf eine farbige Wand auszugleichen.

Philips Screeneo
© Sagemcom Alle wichtigen Anschlüsse mit an Bord beim Philips Screeneo.

Dank eingebautem TV-Tuner, WLAN, DLNA, Bluetooth, SD-Kartenleser, USB, 4 GB internem Speicher und 3 HDMI-Anschlüssen kommt das Gerät so gut wie mit jeder Zuspielmöglichkeit zurecht, selbst 3D-Inhalte können mit entsprechenden DLP-Link-Brillen angeschaut werden. Ein integriertes Dolby 2.1-System sorgt sogar für einen überraschend akzeptablen Sound. Diese Feature-Liste kann sich wirklich sehen lassen.

Android mit Tücken

Der Hersteller verwendet eine modifizierte Version von Android als Interface. Das hat eine Reihe von Vorteilen, birgt aber auch einige Tücken. Bonus: Das Betriebssystem wird vielen Nutzern von Smartphones oder Tablets bereits vertraut vorkommen und verfügt grundsätzlich über eine intuitive Menüstruktur. Diese Basis bringt logischerweise auch einen Internet-Browser, einen E-Mail-Client, den YouTube-Dienst und andere Apps mit sich. Gerade "andere Apps" sind allerdings mit Vorsicht zu genießen: Der Screeneo hat keine direkte Anbindung zum Google PlayStore, kann aber über einen apk-Installer Apps in sein Entertainment-Angebot aufnehmen. Nutzern, die nicht versiert sind mit dem direkten Umgang von apk-Dateien, ist das jedoch nicht bedenkenlos zu empfehlen.

Philips Screeneo
© Sagemcom Mit Miracast lassen sich Inhalte vom Smartphone oder Tablet auf den Projektor spiegeln.

Leider lässt sich das Gerät vorerst auch nur über die beiliegende Fernbedienung steuern, was besonders die Eingabe am virtuellen Keyboard trübt. Zwar lassen sich Inhalte von Tablets oder Handys dank des Gerüsts von Android 4.2 via Miracast-Funktion spiegeln, eine Menünavigation ist allerdings nicht möglich damit. Das hätte die Bedienung noch einen Tick runder gestaltet.

Magere Bildqualität

Wie fühlen sich die 100 Zoll des Screeneo also an? An der projizierten Bildgröße gibt es nichts auszusetzen, sehr wohl allerdings an der detailarmen Bildqualität. Wenn man nicht gerade vorhat, den Screeneo als Alternative für den Kinderzimmerfernseher einzurichten, wird man vor einige Probleme stoßen: Zum einen ist die Auflösung von "falschen" 720p (1280x800 statt 1280x780, Balken inkludiert) nicht mehr zeitgemäß. Spielkonsolen, Blu-ray-Player, Internet-Inhalte und viele Set-Top-Boxen unterstützen eine Full-HD-Anzeige, die umso wichtiger wird, je großflächiger das angezeigte Bild ist. Eine Leuchthelligkeit von 700 Lumen positioniert sich zudem selbst in abgedunkelten Räumen gerade noch an der Grenze, in Ordnung zu sein. Beide Probleme lassen sich freilich ein wenig verringern, indem man das Gerät näher an die Wand rückt und somit das projizierte Bild auf rund 70-80 Zoll verkleinert.

Philips Screeneo
© Sagemcom Leider nicht mit an Bord: Eine Full-HD-Auflösung.

Es ändert aber nichts am Umstand, dass die wiedergegebenen Farben in jeder der drei Voreinstellungen unrealistisch und ein bisschen ausgewaschen wirken. Ein professionelles Color-Management oder standardisierte Farb-Normen sind leider nicht vorhanden oder auswählbar. Absolut positiv hingegen überraschte der Beamer-Zwerg bei der Wiedergabe von 3D-Inhalten. Die Macken des 2D-Bilds werden zwar zu einem gewissen Teil mitgeschliffen, aber die Plastizität des Bildes und vor allem sehr geringes Ghosting stimmten zufrieden. Gegenüber herkömmlichen Beamern hat der Screeneo noch einen entscheidenden Vorteil: Mit einer angegebenen Lebensdauer von 30.000 Stunden wird man nicht in die Verlegenheit kommen, normalerweise sehr teure Projektorleuchtmittel austauschen zu müssen.

NEWS.AT-Fazit

So genial das Hybrid-Konzept des Philips Screeneo aus TV und Projektor ist und so "watscheneinfach" er sich aufstellen und meistens auch betreiben lässt, gibt es ein wesentliches Kriterium, das eine Empfehlung verhindert: Die Bildqualität. Eine Auflösung von 720p zum einen ist im Jahr 2014 einfach überholt und fällt umso negativer auf, je größer das Bild wird. Neben einer unverkennbaren Schwäche im Bilddetail lässt letztlich auch die Helligkeit des Screeneo zu wünschen übrig. Es bleibt aber sehr zu hoffen, dass am grundsätzlichen Konzept festgehalten wird und Modelle bzw. Alternativen mit zeitgemäßerer Bildqualität nachgereicht werden. Dann spricht eigentlich auch nichts dagegen, seinen Flatscreen endgültig einzumotten.

Der Philips Screeneo ist ab sofort im Handel erhältlich und kostet rund 1.600 Euro. Bis 12. Juli 2014 läuft unter www.philips.at/screeneocashback eine Aktion, bei der Käufer eines Screeneo 200 Euro Cash zurückbekommen.

Kommentare