Phelps stellte Spitz-Rekordmarke ein: Holte in Peking 7. Gold mit Herzschlag-Sieg

Über 100 m Delfin eine Hundertstel vor Serben Cavic PLUS: Weltrekordflut im Schwimmen geht weiter

Phelps stellte Spitz-Rekordmarke ein: Holte in Peking 7. Gold mit Herzschlag-Sieg

US-Superstar Michael Phelps hat dank seines unerreichten schwimmerischen Potenzials und Hundertstel-Glück die seit 36 Jahren bestandene Rekordmarke von sieben Schwimm-Goldmedaillen bei einem Olympia-Meeting eingestellt. Mit seinem auf 100 m Delfin mit 1/100 Sekunde Vorsprung auf den Serben Milorad Cavic fixierten Erfolg schraubte er seine Gesamtzahl an Olympia-Titeln gar auf 13 hoch.

Es war hinsichtlich der schließlich realisierten acht Siege die kritischste von Phelps' acht Peking-Strecken. Einerseits ist sein Landsmann Ian Crocker der Weltrekordler, andererseits hatte Cavic im Semifinale einen starken Eindruck hinterlassen. Der 24-Jährige hatte bei der 50-m-Marke dann auch geführt, mit 62/100 Vorsprung auf den nur siebentplatzierten Phelps. Doch auf den letzten Zentimetern und mit dem besseren Anschlag fing Phelps Cavic noch ab.

In 50,58 Sekunden verfehlte der 23-Jährige den bei der Montreal-WM 2005 von Ian Crocker fixierten Weltrekord um 18/100 und siegte so erstmals bei diesen Spielen nicht in Weltrekordzeit. Spitz hatte 1972 in München bei allen seinen Erfolgen Weltrekord erzielt.

"Das hat mich nur heiß gemacht"
"Vor dem Rennen hat mir Bob (Anm.: Phelps-Trainer Bowman) gesagt, dass es gut wäre, wenn ich verlieren würde", erklärte Phelps nach dem Herzschlag-Rennen. "Das hat mich nur heiß gemacht. Ich wollte diesen Titel. Und als ich nachher das Finish gesehen habe, habe ich nur noch 'Wow' gesagt. Jetzt habe ich in sieben Rennen siebenmal Gold geholt. Ich weiß nicht, was ich sagen soll."

Im Moment des Anschlags hatte Phelps vermutet, das Finale verloren zu haben, da er noch einen halben Zug zusätzlich gemacht hatte. Doch Cavic' Finish war auch nicht optimal. Phelps: "Ich fühle jetzt ein wenig von allem - Erleichterung, Aufregung, einfach alles. Ich habe erst meine Schwimmbrille absetzen müssen, um zu sehen, neben welchem Namen die 50,58 gestanden sind. Als ich gesehen habe, es war meiner, musste ich es rausschreien."

Protest des serbischen Teams
Das serbische Team hatte gegen die Wertung des Rennens Protest eingelegt, sah den "Einlauf" anders. Das Ergebnis wurde aber vom Weltverband FINA bestätigt und von den Serben dann auch so akzeptiert. Das Aufscheinen der Zeiten auf der Anzeigetafel hatte übrigens Bruchteile von Sekunden länger gedauert als sonst. Wahrscheinlich, dass nur wenige Tausendstel Phelps den Solosieg retteten und Cavic den Olympiasieg kosteten.

Cavic durfte sich mit der Verbesserung seines im Vorlauf am Donnerstag fixierten Europarekords um 17/100 auf 50,59 Sekunden trösten. Auch um die Bronze-Medaille gab es eine Hundertstel-Entscheidung. Der Australier Andrew Lauterstein verwies in 51,12 Sekunden Crocker ebenfalls um 1/100 auf Rang vier. Phelps wiederum will sich seiner achten Goldenen noch nicht sicher sein. "Die Australier sind sehr stark. Das wird ein Kampf", meinte er.

Coventry mit Weltrekord zu Gold
Über 200 m Rücken der Damen holte sich Kirsty Coventry ihr erstes Peking-Gold. Die 24-Jährige führte das Finalfeld von Beginn weg an und drückte den am 5. Juli von der US-Amerikanerin Margaret Hoelzer aufgestellten Weltrekord um 85/100 auf 2:05,24 Minuten. "Es war ein schmerzhaftes Rennen, ich habe alles hineingelegt", erläuterte Coventry. "Ich bin jetzt so erleichtert." Hoelzer holte vor der Japanerin Reiko Nakamura Bronze.

Über 800 m Kraul der Damen fiel der älteste Langbahn-Weltrekord. Die Britin Rebecca Adlington, bereits Siegerin über 400 m Kraul, lag ab der 100-m-Marke an der Spitze und unterbot schließlich die von der US-Amerikanerin Janet Evans am 20. August 1989 bei den panpazifischen Meisterschaften in Tokio fixierte bisherige Weltbestzeit um 2,12 Sekunden. Die neue Richtzeit beträgt 8:14,10 Minuten. Es war der 23. Weltrekord bei diesem Meeting.

"Es ist fantastisch. Ich habe so hart gearbeitet, und es hat sich ausgezahlt", jubelte Adlington über ihr zweites Gold. "Ich kann gar nicht glauben, dass ich den Weltrekord gebrochen habe." Mit dem Respektabstand von 6,13 Sekunden schwamm die Italienerin Alessia Filippi zu Silber, 8/100 vor der Rumänin Camelia Potec sicherte sich Lotte Friis in 8:23,03 Rang drei. "Ich habe nie daran gedacht, eine Medaille holen zu können", sagte die Dänin.

Emotionaler Sieg für Cielo Filho
Den emotionalsten Sieg feierte Cesar Cielo Filho über 50 m Kraul. Der Semifinal-Schnellste blieb mit 21,30 Sekunden lediglich 2/100 über dem Weltrekord des Australiers Eamon Sullivan. "Mein Traum war, Olympiasieger zu werden. Das habe ich jetzt realisiert", war der Südamerikaner fassungslos. Noch im Wasser und während des Abspielens der brasilianischen Hymne brach Cielo Filho in Tränen aus.

Nach der Siegerehrung wurde er von den in den "Water Cube" gekommenen brasilianischen Fans lautstark gefeiert, ebenso wie die auf den Rängen zwei und drei gelandeten Franzosen Amaury Leveaux und Alain Bernard. Sullivan ging nach Silber hinter Bernard über 100 m Kraul diesmal ganz leer aus, der 22-Jährige wurde in 21,65 lediglich Sechster.

(apa/red)