Trio auf Abwegen von

US-Sportstars Phelps, Rice
und Solo müssen vor Gericht

Alkohol am Steuer und häusliche Gewalt bringen Sportler-Trio vor den Richter

Michael Phelps mit Haube im Wasser © Bild: GEPA pictures/ USA Today Sports Images/ Kyle Terada

Sie stehen für gewöhnlich im sportlichen Rampenlicht und begeistern die Sport-Fans mit herausragenden Leistungen. Zuletzt schrieben mit Schwimm-Superstar Michael Phelps, Fußball-Teamtorfrau Hope Solo und Football-Profi Ray Rice gleich drei US-Stars Negativ-Schlagzeilen, die sich nun vor Gericht verantworten müssen. Rekord-Olympiasieger Phelps war alkoholisiert mit dem Auto unterwegs, Solo und Rice stehen beide wegen häuslicher Gewalt im Fokus.

Auf dem Spiel steht für Michael Phelps, Hope Solo und Ray Rice eine Menge. Für Phelps geht es um seine mögliche fünfte Teilnahme an Olympischen Sommerspielen, für Solo um die WM im kommenden Jahr in Kanada. Und Rice hofft darauf, dass seine von der National Football League (NFL) verhängte Sperre auf unbestimmte Zeit aufgehoben wird und einer der 32 Vereine den Frauenschläger verpflichtet.

Sonderbehandlung für die Superstars?

In der Öffentlichkeit drängt sich indes die Frage nach einer möglichen Sonderbehandlung für die Sportsstars auf. Phelps ist mit seinen 22 Goldmedaillen immerhin der erfolgreichste Sportler der Olympia-Geschichte. Marshall Henslee sieht durchaus die Chance, dass Richter ihm eine Art Prominenten-Bonus geben könnten. Henslee ist Anwalt in Phelps' Heimatstadt Baltimore. Sein Spezialgebiet: Fahren unter Alkohol.

Phelps oben ohne
© Harry How/Getty Images Michael Phelps droht Gefängnis

Im September wurde der 29-jährige Ausnahmeschwimmer nachts von der Polizei gestoppt, als er mit Tempo 135 statt der zulässigen 72 km/h unterwegs war. Sein Blutalkoholwert war mit 1,4 Promille fast doppelt so hoch wie erlaubt. Ab 19. November steht Phelps in Baltimore vor Gericht - nach 2004 zum zweiten Mal wegen Alkohols am Steuer. Damals wurde er zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. Jetzt drohen sechs Monate Führerschein-Entzug und bis zu einem Jahr Gefängnis.

Michael Phelps in Therapie

Derzeit unterzieht er sich einer sechswöchigen Therapie. Er hoffe, hatte Phelps via Twitter wissen lassen, dass das Programm ihm helfe, sich besser zu verstehen. Schwimmen sei zwar ein wichtiger Teil seines Lebens, dennoch müsse er sich derzeit auf sich selbst fokussieren und notwendige Schritte machen, um aus dieser Erfahrung zu lernen und künftig bessere Entscheidungen zu treffen.

Unabhängig vom Urteil darf Phelps nicht bei der WM im August in Kasan starten. Dies hatte der nationale Schwimmverband beschlossen und seinen "Goldfisch" zudem wegen Verletzung des Verhaltenskodex' für sechs Monate gesperrt.

Hope Solo soll Halbschwester geschlagen haben

Ein halbes Jahr könnte auch Hope Solo demnächst fehlen. Ab Montag steht sie im US-Bundesstaat Washington vor Gericht. Hier soll die zweimalige Olympiasiegerin laut Anklage ihre Halbschwester sowie ihren 17-jährigen Neffen im Sommer geschlagen haben. Solo bestreitet die Tat. Im Gegensatz zur NFL im Fall Rice stellte sich der US-Fußball-Verband demonstrativ vor Solo und sperrte sie nicht.

Hope Solo im US-Trainingsanzug
© Mitchell Leff/Getty Images Hope Solo spielt weiter für die USA

So stand die 33-Jährige in der vergangenen Woche beim WM-Qualifikationsturnier des CONCACAF-Verbandes im Tor. Man wolle jetzt den Gerichtstermin abwarten, meinte Verbands-Präsident Sunil Gulati. Es wird allgemein angenommen, dass Solo vom Verband bei einem Schuldspruch für die WM gesperrt würde. "Alles andere wäre unangemessen", meinte die Tageszeitung "New York Daily News".

Ray Rice kämpft gegen die Sperre

Für übertrieben halten die Anwälte von Ray Rice die Sperre gegen ihren Klienten, sie wollen ab Dienstag gerichtlich dagegen vorgehen. Die Juristen berufen sich auf einen Passus im Arbeitsvertrag, wonach ein Spieler nicht zweimal für dieselbe Tat bestraft werden kann. Rice hatte im Februar seine damalige Verlobte in einem Aufzug bewusstlos geschlagen und wurde daraufhin von NFL-Commissioner Roger Goodell für zwei Spiele ausgeschlossen.

Nach dem Auftauchen eines weiteren Gewaltvideos hatte Goodell die Sperre auf unbestimmte Zeit verlängert. Experten gehen davon aus, dass Rice Recht bekommt. Sein Ruf scheint trotzdem ruiniert. So verkleideten sich zu Halloween zahlreiche Menschen in den USA als Rice. Sie trugen sein ehemaliges Baltimore-Ravens-Trikot - und zogen eine verprügelte Puppe hinter sich her.

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