"Pfusch" ging 2007 bei uns weiter zurück: Konjunktur springt für Wirtschaftspolitik ein

Noch immer bringt Schattenwirtschaft 20 Mrd. € ein Für die Bevölkerung nach wie vor "Kavaliersdelikt"

Die Schwarzarbeit ist in Österreich 2007 weiter zurückgegangen - aber hauptsächlich dank der guten Konjunktur, die Wirtschaftspolitik trug nur wenig dazu bei. Laut einer Studie des Linzer Wirtschaftswissenschafters Friedrich Schneider ging das Volumen Schattenwirtschaft gegenüber dem Jahr davor um 1,89 Prozent von 21,2 auf 20,8 Mrd. Euro zurück.

Für heuer prognostiziert Schneider ein weiteres Sinken der Schattenwirtschaft um 4,23 Prozent auf 19,93 Mrd. Euro, wie Schneider in einer Pressekonferenz mit der KMU Akademie in Linz erklärte. Auch in Deutschland erwartet er für 2008 einen leichten Rückgang der Schwarzarbeit.

Den größten Anteil am Pfusch (rund 38 Prozent) nehmen laut Studie das Baugewerbe und Handwerksbetriebe ein. Auf den Plätzen folgten andere Gewerbe- und Industriebetriebe sowie Dienstleistungsbetriebe (jeweils 17 Prozent).

Für Bevölkerung nach wie vor "Kavaliersdelikt"
Fast zwei Drittel der Bevölkerung sehen Pfusch nach wie vor als Kavaliersdelikt an, zitierte Schneider aus einer "market"-Umfrage vom Herbst 2006. Etwa jeder sechste Österreicher hat im vergangenen Jahr einen Schwarzarbeiter beschäftigt. 66 Prozent sind der Meinung, dass man sich ohne Pfusch vieles nicht mehr leisten kann. 52 Prozent glauben, dass der Staat aufgrund der Steuerbelastung an der Situation nicht ganz unschuldig ist.

Schneider sprach von der "Rebellion des kleinen Mannes", bei der sich die Österreicher selbst ein Stück Steuerbefreiung geben würden. Ohne Pfusch könnten sich viele den Hausbau oder eine Eigentumswohnung gar nicht leisten. Dem Staat würden zwar 2 bis 2,5 Mrd. Euro an Steuern und Sozialabgaben verloren gehen, insgesamt gesehen sei die Schattenwirtschaft aber wohlfahrtssteigernd, erklärte der Wissenschafter. Das gesparte Geld würde wieder investiert. "Gäbe es keinen Pfusch, würden 7 bis 9 Mrd. Euro an zusätzlichen Konsumausgaben fehlen", betonte Schneider.

Politik trägt wenig zum Sinken bei
Die österreichische Wirtschaftspolitik habe bisher nur wenig zum Sinken der Schattenwirtschaft beigetragen. Der Experte geht vielmehr davon aus, dass die leichte Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge eine Steigerung des Pfuschs von rund 200 Mio. Euro bewirke. Auch der Dienstleistungsscheck sei bisher nicht von Erfolg gekrönt. Laut "market"-Umfrage kannte ihn im Herbst 2006 nur jeder Zweite - nur 10 Prozent gaben damals an, dass die Bezahlung damit sehr viel attraktiver als in bar sei.

Schneider rät der Bundesregierung zu einer anreizorientierten Wirtschaftspolitik: Wie in Deutschland sollten haushaltsnahe Dienstleistungen und Investitionen steuerlich absetzbar sein. Bei jährlich 1.000 Euro pro Haushalt würde das die Schattenwirtschaft um 1,7 Mrd. Euro reduzieren. Eine Mini-Job-Regelung nach deutschem Vorbild brächte an die 2,5 Mrd. Euro, die Konzentration der Wohnbauförderung auf die Lohnnebenkosten bei der Vorlage entsprechender Rechnungen rund 1 Mrd. Euro.

In Deutschland wird die Schattenwirtschaft laut Einschätzung von Schneider und dem Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung heuer von 349,0 auf 346,8 Mrd. Euro sinken. Ohne die Einführung von Mindestlöhnen könnten der Rückgang wesentlich deutlicher ausfallen, so die Wissenschafter. Für diesen Fall wird eine Abnahme um 6,7 Mrd. Euro prognostiziert.

(apa/red)