Pflege-Skandal im Geriatriezentrum Lainz: Dreck, Gestank und hilflose Patienten!

Personalmangel im Pavillion Eins möglicher Auslöser U-Kommission untersucht Causa Lainz

Hilflose alte Menschen, die der Willkür von Ärzten und Schwestern ausgeliefert sind - das war die Causa Lainz. Bei einer Prüfung durch das Magistrats kamen haarsträubende Details ans Licht, wie mit Geriatrie-Patienten umgegangen wurde. Wer trägt die politische Verantwortung für die kolportierten Verfehlungen? Das versucht eine U-Kommission zu klären. Einer der ersten Zeugen, jener Sachwalter, der die Causa ins Rollen brachte, bekräftigte seine Vorwürfe.

Anlass für die Kommission ist ein Prüfbericht des Magistrats, in dem Pflegemissstände im Geriatriezentrum "Am Wienerwald" (GZW) in Lainz aufgelistet wurden. Der Sachwalter Harald Haas hatte im Frühjahr 2003 die Erhebungen ausgelöst. Anlass für seine Beschwerde war die Betreuung einer Klientin im Pavillon 1. "Egal zu welcher Uhrzeit, zu 90 Prozent meiner Besuche war Frau K. im Bett, auch am Vormittag", berichtete Haas. Die 1917 geborene Frau, seit 37 Jahren Patientin im Pflegeheim, wollte aber keineswegs dauernd liegen.

Befragt nach seinen Beobachtungen zu einem "tagesstrukturierenden Programm" für die Pfleglinge meinte Haas: "Der Fernseher war laut aufgedreht." Der Sachwalter betreut Frau K. seit etwas mehr als drei Jahren. In dieser Zeit habe er sich wiederholt an die Schwestern, aber auch an die Ärzte der Abteilung gewandt. Dabei sei von zu wenig Personal die Rede gewesen, er habe aber auch diverse "Ausreden" zu hören bekommen.

Der Personalmangel im betreffenden Pavillon sei "wirklich offensichtlich" gewesen, meinte Haas. Er habe in der Regel drei bis fünf Pflegepersonen für 40 Patienten gezählt. Die Prüfungsleiterin der MA 47, Johanna Ehmsen-Höhnl, mittlerweile bei der MA 15 tätig, die für behördliche Kontrolle des Pflegebereiches zuständig ist, berichtete ebenfalls von Missständen im Pavillon 1. Bei ihrer Überprüfung an einem Nachmittag habe sie Frau K. in einem Rollstuhl halb liegend vorgefunden.

Dass die ursprünglich nur für private Einrichtungen zuständige MA 47 (inzwischen ein Teil der MA 15) auch mit der Prüfung städtischer Pflegeeinrichtungen begonnen habe, sei auf Veranlassung von Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (SPÖ) geschehen. Damit seien bei ihr "offene Türen eingerannt worden", so Ehmsen-Höhnl. (APA/red)