Altersbetreuung von

Pflege: 13 Fakten,
die Sie wissen müssen

Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt? Wer bekommt Pflegegeld und was ist der Pflegeregress?

Heimpflegerin der Volkshilfe Salzburg mit Patienten © Bild: APA/Barbara Gindl

Mit dem Thema Pflege ist fast jeder früher oder später einmal konfrontiert entweder durch jene der eigenen Eltern oder wenn man selbst älter wird und nicht mehr gänzlich alleine zurechtkommt. Doch was tut man, wenn Pflegebedürftigkeit eintritt? Welche Möglichkeiten gibt es? Pflege zuhause oder doch im Heim? Welche Pflegestufen gibt es und wer bekommt Pflegegeld? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Pflege.

1. Was tun, wenn Pflegebedürftigkeit eintritt?

Tritt bei einem Familienmitglied Pflegebedürftigkeit ein, stellt das Familien oft vor eine große Herausforderung. Es empfiehlt sich, sich den Fragen zu stellen und sich erst einmal zu erkundigen. So gibt es zum Beispiel das Pflegetelefon des Sozialministeriums unter 0800/201622, oder auch das Amt der jeweiligen Landesregierung bzw. in Wien der Fonds Soziales Wien, wo man sich erste Informationen holen kann, um dann weiter zu entscheiden. Für die sofortige Pflege gibt es auch die Möglichkeit einer Pflegefreistellung für berufstätige Angehörige.

2. Welche Pflegemöglichkeiten gibt es?

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, betreuungs- oder pflegebedürftig zu werden. Als erstes denken die meisten an die Übersiedlung in ein Altersheim. Dennoch gibt es vielfältige Möglichkeiten:

Pflege außer Haus

Teilstationäre Betreuung
Teilstationäre Einrichtungen betreuen pflegebedürftige Menschen während eines Teils des Tages oder während der Nacht. Dabei soll die Selbständigkeit, die Selbstbestimmung aber auch soziale Integration bestmöglich aufrechterhalten und gefördert werden. Diese Einrichtungen dienen zur Ergänzung zwischen ambulanter, mobiler und häuslicher Betreuung und sollen pflegende Angehörige entlasten. Angeboten werden hier Freizeitaktivitäten sowie therapeutische Leistungen. Diese Angebote gibt es in Österreich jedoch noch nicht flächendeckend.

Stationäre Betreuung
Stationäre Dienste wie etwa Seniorenheime, betreutes Wohnen, stationäre Hospizeinreichtungen oder Geriatriezentren gewährleisten die dauernde oder auch kurzzeitige Unterbringung, Versorgung und Betreuung pflegebedürftiger Menschen, die nicht in der Lage sind, ihren eigenen Haushalt zu führen und wo auch eine Unterstützung durch Angehörige, teilstationäre oder ambulante Dienste nicht mehr gegeben ist. Diese kann auf Dauer ausgelegt werden oder auch kurzfristig stattfinden.

Im Video: Wie lebt es sich als Altenpfleger?

© Video: news.at/Gamper/Hammerschmied

Pflege zuhause

Durch pflegende Angehörige
Die in Österreich weitaus häufigste Form der Pflege von zu betreuenden Personen erfolgt zuhause durch Angehörige. Laut einer Studie des Sozialministeriums „nehmen 78% der pflegenden Angehörigen keine professionellen Dienste in Anspruch (Bundesministerium für Arbeit Soziales und Konsumentenschutz, 2016).“ Und weiter: „Dies macht Angehörigenpflege zum weitaus größten ‚Pflegedienst der Nation‘, ohne den die Betreuung von pflegebedürftigen Menschen zu Hause nicht möglich wäre.“

24-Stunden-Betreuung
Zur Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger zuhause kann eine 24-Stunden-Betreuung in Anspruch genommen werden. (Dh. Eine Betreuung durch eine fremde Person und nicht durch Angehörige.) Das Hausbetreuungsgesetz besagt, dass diese Betreuung im Rahmen einer selbständigen oder unselbständigen Erwerbstätigkeit erfolgen kann.

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Dazu interessant: VKI testete Agenturen von 24-Stunden-Pflege.

Mobile Dienste
Mobile Dienste helfen bedürftigen Menschen vor Ort, damit diese in der eigenen Wohnung bleiben können und nicht in stationäre Betreuung müssen. Dazu zählen etwa Dienste wie Essen auf Rädern, Wohnungsreinigungsdienste, Wäschedienste oder allgemeine Beratungsdienste.

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Im Video: Wie lebt es sich als Pflegehilfe?

© Video: NEWS.AT

3. Was ist Pflegebedarf?

Pflegebedarf besteht, wenn jemand bei bestimmten Tätigkeiten Hilfe benötigt. Diese Tätigkeiten werden eingeteilt in Hilfs-Verrichtungen (Einkaufen gehen, Wäsche waschen, Einheizen,…) und Betreuungs-Maßnahmen (Anziehen, Körperpflege, Essen kochen,…). Pflegebedarf besteht nur, wenn die Person bei beiden Tätigkeits-Gruppen Hilfe braucht.

4. Was sind Pflegestufen?

Es gibt 7 Pflegestufen je nach Schwere der Krankheit oder Behinderung. Pflegebedürftige Menschen werden nach einer Untersuchung durch Arzt oder Pflege-Fachkraft einer Pflegestufe zugeteilt. Ist man in eine Pflegestufe eingeteilt, bekommt man auf jeden Fall Pflegegeld, die Höhe richtet sich nach den Stufen. (siehe nächste Frage)

Zum Thema passend: Wie teuer ist Pflege?

5. Wer bekommt Pflegegeld?

Für pflegebedürftige Menschen – und deren Angehörige – gibt es diverse finanzielle Unterstützungen, wie etwa das Pflegegeld. Durch dieses wird ein Teil der Mehraufwendungen abgegolten. Über die Verwendung des Pflegegeldes und die Wahl der Betreuungsart soll der Pflegebedürftige selbst entscheiden. Um Pflegegeld zu bekommen, muss ständiger Betreuungs- und Hilfsbedarf gegeben sein, der mindestens sechs Monate dauern wird, ein ständiger Pflegebedarf von monatlich mehr als 65 Stunden gegeben sein und der gewöhnliche Aufenthalt in Österreich sein. Es kommt nicht darauf an, wie viel man verdient und auch nicht, warum Bedarf an Betreuung und Pflege gegeben ist.

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6. Wie hoch ist das Pflegegeld?

Je nach Ausmaß des erforderlichen Pflegebedarfs wird das Pflegegeld in sieben Stufen (je nach Pflegestufe) gewährt. Von Stufe 1 (mehr als 65 Stunden pro Monat) und 157,30 Euro bis zu Stufe 7 (mehr als 180 Stunden) mit 1.688,90 Euro.
Beantragt wird das Pflegegeld beim zuständigen Versicherungsträger ein, der auch die Pension auszahlt.

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7. Was ist Pflegekarenz/Pflegeteilzeit?

Pflegekarenz ist die vereinbarte Freistellung des Arbeitnehmers von der Arbeit für die Pflege oder Betreuung Angehöriger. Das Entgelt entfällt. Bei der Pflegeteilzeit wird die wöchentliche Arbeitszeit herabgesetzt gegen Aliquotierung des Gehalts. Beide haben Anspruch auf Pflegekarenzgeld wenn eine Vollversicherung vorliegt, das Arbeitsverhältnis mindestens 3 Monate gedauert hat, der Arbeitgeber einverstanden ist und eine Erklärung der überwiegenden Pflege und Betreuung für die Dauer der Karenz oder Teilzeit vorliegt. Die Höhe des Geldes ist einkommensabhängig und liegt in derselben Höhe wie das Arbeitslosengeld.

8. Was ist Ersatzpflege?

Ist der pflegende Angehörige aufgrund von Krankheit oder Urlaub oder sonstigen Gründen verhindert, besteht die Möglichkeit einen Zuschuss für die Kosten für eine Ersatzpflege zu bekommen. Voraussetzung ist, dass der pflegende Angehörige den Pflegebedürftigen seit mindestens einem Jahr überwiegend pflegt. Zuständig dafür ist das Sozialministeriumsservice.

9. Pflege daheim oder Pflegeheim?

Dazu interessant: Pflege daheim oder Pflegeheim? Das sagen Angehörige.

Ob man einen Angehörigen lieber zuhause pflegt oder diesen in stationärer Pflege betreuen lässt, hängt natürlich von vielen Faktoren ab und ist nicht einfach zu entscheiden. Vorteile der häuslichen Pflege sind natürlich die Geborgenheit des eigenen Heims, ein Tagesablauf, der viel individueller gestaltet werden kann, die geringeren Kosten und kein großer Umzug mehr im Alter. Allerdings gibt es auch einige Nachteile, so sind etwa nicht alle Pflegehilfsmittel sofort verfügbar, das Fachwissen der betreuenden Person fehlt oft und vor allem besteht die Gefahr der Vereinsamung. Außerdem bleibt diese Pflege meistens bei den Frauen der Familie.
In stationärer Pflege hingegen wird die Familie entlastet, das Fachpersonal ist direkt vor Ort, sollte etwas passieren und die Gefahr der Vereinsamung ist geringer. Jedoch ist so ein stationärer Aufenthalt natürlich teurer, die Umgewöhnung fällt älteren Menschen oft schwer und man weiß nie ganz genau, ob mit dem geliebten Menschen auch wirklich gut umgegangen wird
Es muss also jede Familie für sich selbst Vor- und Nachteile abwägen und entscheiden. Die Mehrzahl der pflegebedürftigen Menschen wird in Österreich immer noch zuhause gepflegt.

10. Gibt es Unterstützung für psychische Belastungen der pflegenden Angehörigen?

Pflegenden Angehörigen wird vom Sozialministerium ein Angehörigengespräch angeboten. Dieses soll psychische Belastungen reduzieren und individuelle Handlungsoptionen aufgezeigt werden. Diese Gespräche führen in der Regel Psychologinnen und Psychologen. Es ist kostenlos und kann beim Kompetenzzentrum „Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege“ angefordert werden.

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11. Ist die Pflege der Eltern steuerlich absetzbar?

Bei einer "24-Stunden-Betreuung" sind dadurch entstehende Aufwendungen und Kosten(z.B. Kosten für das Betreuungspersonal, Vermittlungskosten, Arzneimittel, Pflegemittel) als "außergewöhnliche Belastung" im Folgejahr steuerlich absetzbar.

12. Braucht man eine Pflegeversicherung?

Natürlich, jeder Mensch wird alt, aber nicht jeder wird im Alter auch pflegebedürftig. Trotzdem kann man finanziell vorsorgen für den Fall der Fälle und eine Pflegeversicherung abschließen. Der „Konsument“ rät jedoch, dies nur nach gründlicher Beratung zu tun, denn die Prämien seien mit steigendem Alter hoch und die Angebote sehr unterschiedlich. Und natürlich besteht immer das „Risiko“ – wie bei jeder Versicherung - umsonst eingezahlt zu haben.

13. Was ist der Pflegeregress?

Seit 1. Jänner 2018 ist en Zugriff auf Vermögen von in stationären Pflegeeinrichtungen aufgenommenen Personen zur Abdeckung der Pflegekosten unzulässig. Jegliches Vermögen, egal wie hoch, das nach österreichischer Rechtsordnung unter den Vermögensbegriff fällt, bleibt unangetastet. Daher fallen darunter auch Immobilien, Liegenschaften (Wohnungseigentum), Barvermögen und Sparbücher. Allerdings sind sämtliche wiederkehrende Leistungen und Ansprüche wie etwa die Pension sehr wohl zur Kostendeckung heranzuziehen.

Weiterführende Literatur zum Thema Pflege:

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Kommentare

echterdoc

Pflegestufen richten sich nicht "nach der Schwere der Krankheit oder Behinderung," sondern nach dem Ausmaß der lt. Einstufungsverordnung benötigten Hilfs- u. Betreuungsmaßnahmen. Wer wissen möchte wieviel Pflegegeld jemand ungefähr bekommen kann, der kann das mit dem kostenlosen Rechner herausfinden - erreichbar unter www.pflegestufen.at .

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