Peter Pilz von

Gerechtigkeit -
für wen?

Renate Kromp © Bild: Ian Ehm/News

Der Ex-Grüne Pilz kommt zurück ins Parlament - niemand bezweifelt seine politische Qualifikation, dafür einige seine moralische

Peter Pilz hat das Vertrauen in den Rechtsstaat wiedergewonnen, sagt er. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat die Ermittlungen gegen ihn wegen sexueller Belästigung eingestellt. Pilz wollte diese Klärung abwarten, bevor er ins Parlament zurückkehrt. Er freut sich über einen "Sieg der Gerechtigkeit", so sieht er es.

In einem Video erklärt er, er sei sich "sicher", niemanden sexuell belästigt zu haben. Gekränkt oder beleidigt vielleicht. Entschuldigung, bitte sehr. Schon zuvor hatte er ebenfalls in einem Video erzählt, jene Frau, die er in Alpbach begrapscht haben soll, habe bei der Einvernahme gesagt, sie wisse gar nicht, "ob das irgendetwas mit sexuell zu tun hat". Unter Wahrheitspflicht, wie Pilz betont. Das wirkt so, als wäre sie es, gegen die ermittelt wurde. Da mag bei Pilz die Erleichterung mitgespielt haben, richtig oder gar feinfühlig war diese Bemerkung allerdings nicht.

Der Ex-Grüne Pilz kommt zurück ins Parlament - niemand bezweifelt seine politische Qualifikation, dafür einige seine moralische -, der Schwarze Peter bleibt bei der betroffenen Frau.

Um der Gerechtigkeit also Genüge zu tun, sollte man auch ihre Seite der Geschichte sehen. Sie musste sich bei einer Abendveranstaltung beim Forum Alpbach gegen ihren Willen von dem Politiker berühren lassen. Sie und ihre Geschichte wurden von einem Zeugen Jahre später ohne ihr Zutun auf Twitter öffentlich gemacht. Nun hat sie bei der Staatsanwaltschaft zwar bestätigt, dass es diesen Vorfall gegeben hat, der Anklagebehörde aber keine Ermächtigung zur Strafverfolgung erteilt. Vielleicht wollte sie ihre Ruhe haben, vielleicht nicht noch zusätzlich angepatzt werden. (Auch eine zweite Frau hat die Ermächtigung verweigert. Bei anderen Befragten wurde keine strafrechtliche Relevanz des Geschehens festgestellt.)

So, wie Pilz das jetzt erzählt, steht nun vor allem jene Frau, die ihn in Alpbach näher kennenlernen musste, so da, als wäre das Geschehene gar nicht so schlimm oder vielleicht gar nicht wahr gewesen. Wenn die Darstellung und die Diskussion so laufen, kann man gut verstehen, warum Frauen sich auch 2018 scheuen, Belästigungen zur Anzeige zu bringen oder sich zu wehren, denn am Ende haben sie den Schaden.

Noch im November zeigte Pilz mehr Einsicht. "Ja, ich bin einer dieser alten, mächtigen Männer. Und vielleicht müssen wir dazulernen, dass es nicht nur darum geht, wie wir etwas empfinden, sondern wie die Frauen es empfinden." Bleibt er dem damals Gesagten nicht treu, verliert er seine moralische Autorität endgültig, in weiterer Folge seine politische Autorität und seine Autorität als Parteichef. Erste Anzeichen dafür sind bereits im tagelangen Gezerre zu sehen, wer denn für ihn das Parlament verlassen soll. Noch etwas, das ihm zu denken geben sollte.

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Kommentare

Man weiss gar nicht, wie viele Mal irgend ein Gericht die Ermittlungen gegen Peter Pilz schon eingestellt hat.

Doch wie die Erinnyen bei Orest kleben ihm selbstgerechte Frauen/Rächerinnen der Welt, diesmal als Journalistinnen kostümiert, beleidigt ob der der bösen Männerwelt, das Moral-Minus aufs Hirn. Denn da muß man nix beweisen. Und kann ihm Beleidigtsein unterschieben. Weil er sich wehrt.

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