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Befragung: Sozialjahr entscheidet

NEWS-Herausgeber Peter Pelinka zur Wehrpflicht-Debatte

NEWS-Redakteur Peter Pelinka © Bild: NEWS

Wehrpflicht oder Berufsheer? Diese Frage ist für Österreicher weniger wichtig als jene, wer künftig bei der Pflege von Alten, Kranken und Gebrechlichen helfen wird. Ich gehöre jener Generation von „Baby-Boomern“ an, in der Österreichs Bundesheer – zumindest im urbanen Bereich – wenig geachtet wurde.

Günther Nenning, später Kolumnist der „Krone“, organisierte eine Kampagne mit dem zentralen Slogan „Bundesheer ist ungeheuer, erstens sch…, zweitens teuer“. Nicht zuletzt aufgrund der Popularität solcher Losungen wurde 1975 der Zivildienst eingeführt – junge Männer können seither auch einen Wehrersatzdienst ohne Waffe leisten und so einer oft sadistischen Schleiferei entgehen. Geeichten Militaristen war dies stets ein Dorn im Auge: Die Zivildiener wurden als Drückeberger verunglimpft, bis jetzt. Nach Ex-Innenminister Strasser wurde und wird etwa auch Verteidigungsminister Norbert Darabos als Ex-„Zivi“ von Betonköpfen verhöhnt. Sonst aber wurden seither die einst harten Fronten aufgeweicht: Das Heer konnte nach Ende des Kalten Kriegs die Räuber-&-Gendarm-Spiele beenden und als Katastropheneinsatzgruppe viel Anerkennung gewinnen. Und ohne den Einsatz Tausender Zivildiener hätten weite Teile des Sozial- und Gesundheitswesens ernste Probleme.

Nun sind nächste Schritte nötig: In 21 von 27 EU-Ländern agieren Berufsheere mit weniger Mann, aber besserer Ausbildung. Und man braucht künftig viel mehr Kräfte, um den explodierenden Bedarf im Sozial-(vor allem Pflege-)bereich zu decken. Ein freiwilliges Sozialjahr à la Deutschland, länger und besser bezahlt als der bisherige Zivildienst, könnte allen helfen: Jungen (auch Mädchen), welche ein Jahr soziale Erfahrung sammeln, statt an chaotischen Ausbildungszuständen zu verzweifeln; Arbeitslosen jeden Alters, welche so (natürlich freiwillig) eine neue Chance nutzen; und nebenbei auch der Kampagne für ein Berufsheer, welche nur so erfolgreich sein kann.

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