Peter Mennel neuer ÖOC-Generalsekretär: Vorarlberger wird Amt ab Juni übernehmen

Wahl des 54-Jährigen wurde einstimmig beschlossen Geheimkonto-Führung: Stoss für restlose Aufklärung

Peter Mennel neuer ÖOC-Generalsekretär: Vorarlberger wird Amt ab Juni übernehmen © Bild: APA/Techt

Das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) hat in der Vorstandssitzung zukunftsweisende Entscheidungen getroffen und mit dem Vorarlberger Banker Peter Mennel einen Mann aus der Wirtschaft als neuen Generalsekretär bestellt. Der 54-jährige Flugsportler und Extrembergsteiger tritt sein neues Amt am 1. Juni an. "Für mich ist es die Erfüllung eines Jugendtraumes, in der Olympischen Bewegung einen Beitrag zu leisten", sagte Mennel, der u.a. auch Vizepräsident des Vorarlberger Skiverbandes sowie Rechnungsprüfer im Weltverband ist.

Nach auf zwei Inserate erfolgten 107 Bewerbungen für den Posten des Generalsekretärs wurden mit 25 Kandidaten persönliche Gespräche geführt, 7 kamen in die engere Auswahl, Mennel machte das Rennen. Der Vorstands-Vorsitzende der Sparkasse Bregenz wird seinen bis Ende Mai laufenden Vertrag erfüllen, und dann seine Tätigkeit für das ÖOC aufnehmen. "Er ist für uns die ideale Verbindung zwischen Management, Sport und Verbandkompetenz. Er ist der richtige Mann mit den richtigen Fähigkeiten und Skills zur richtigen Zeit. Er weiß, wie der Sport tickt. Und er weiß auch ganz genau, wie Sport erfolgreich vermarktet werden muss", sagte ÖOC-Präsident Karl Stoss.

Mennel übernimmt das Amt im Juni von Matthias Bogner. Bogner hatte diesen Job seit 1. März 2009 und der vorhergegangenen Auflösung des Dienstvertrages mit Heinz Jungwirth neben seiner Tätigkeit als Sportdirektor inne.

Geheimes Verrechnungskonto vorhanden
Aus Sicht des ÖOC weit weniger erfreulich war hingegen der Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission, die die Aufgabe hatte, allen Spuren nachzugehen, um mögliche Altlasten aufzudecken bzw. mögliche Fehlverrechnungen zu identifizieren, so Stoss. "Es gab in der Tat ein, für den Großteil des ehemaligen ÖOC-Vorstandes nicht ersichtliches, geheimes Verrechnungskonto. Von diesem Konto gibt es relativ hohe Kontobewegungen. Wir stellen die Erhebungsergebnisse mit sofortiger Wirkung der Staatsanwaltschaft zur Verfügung. Die Verdachtsmomente sich derartig groß, dass es hier zu Malversationen gekommen ist, dass wir dies zur Anzeige bringen", sagte Stoss.

Einstimmig sei auch der Entschluss gefasst worden, die bisherige stellvertretende Generalsekretärin Manuela Kovarik fristlos zu entlassen, die auf diesem Konto zeichnungsberechtigt gewesen sei. Kommissions-Mitglied Franz Marhold berichtete auf der Pressekonferenz am Mittwoch von fehlender Bilanzerstellung im ÖOC, fehlender Gewinn-Verlustrechnung, nicht ordnungsgemäßer Buchhaltung, weil die Kassabücher vor 2006 fehlten.

"Ein exaktes Bild des Rechnungswesens ist immer noch nicht möglich. Wir haben aber so weit Fakten festgestellt, dass es uns erforderlich erscheint, die Justizbehörden einzuschalten, weil eine private Expertenkommission natürlich niemanden verpflichten kann, Auskünfte zu erteilen und Unterlagen vorzulegen. Wir haben keine Zwangsmittel", sagte Marhold, der auch genau erklärte, wie man auf das Verrechnungskonto gekommen sei und wie das Geld aus der offiziellen Buchhaltung in das geheime Verrechnungskonto gelangte.

Stoss für "restlose Aufklärung"
Noch sei man nicht so weit, feststellen zu können, an wen die Überweisungen gegangen sind oder an wen das Geld bar ausbezahlt wurde. "Aber allein diese scheinbare Doppelverrechnung ist Inhalt genug, einen Anfangsverdacht zu formulieren und der Staatsanwaltschaft mitzuteilen. Immerhin finden sich auf den fälschlichen Zahlungsbelegen auch Stempel des Bundeskanzleramtes mit dem Vermerk 'geprüft'. (...) In Wahrheit ist aber kein Zahlungsfluss nach außen gegangen, sondern erfolgte auf das interne Verrechnungskonto", erläuterte Marhold.

Stoss, der seit Oktober vergangenen Jahres ÖOC-Präsident ist, wünscht sich "restlose Aufklärung", damit endlich ein Strich unter die Vergangenheit gezogen werden könne. Er selbst versicherte, "nichts von einem geheimen Konto gewusst" zu haben. "Uns kann nichts nachgesagt werden, wir haben mit 1.1.2010 extern sofort doppelte Buchhaltung und eine externe Lohnverrechnung eingezogen." (apa/red)