Peter Löscher wird neuer Siemens-Chef: Pharma-Manager führt den Elektrokonzern

"Außerordentliche Ehre und große Herausforderung" Villacher löst am 1. Juli seinen Vorgänger Kleinfeld ab

Peter Löscher wird neuer Siemens-Chef: Pharma-Manager führt den Elektrokonzern

Ein Österreicher führt künftig einen der größten Konzerne Europas. Der 49-jährige Villacher Peter Löscher wurde mit 1. Juli 2007 zum Nachfolger von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld gekürt. Dieser hatte im Zuge der Siemens-Schmiergeldaffäre seinen Rückzug angekündigt. Löscher studierte in Wien Welthandel, bevor es ihn in die große Welt hinauszog.

Der bisherige Pharmamanager, der noch kein Unternehmen dieser Größe führte, steht vor schwierigen Aufgaben. Unter anderem muss er die Korruptionsaffäre meistern, die Siemens seit Monaten erschüttert. Er bezeichnete den neuen Job als "außerordentliche Ehre und große Herausforderung".

Gemeinsam mit allen anderen Siemensianern wolle er sich dafür einsetzen, "dass wir das Unternehmen weiter voranbringen", sagte Löscher nach der Aufsichtsratssitzung in München, bei der er berufen wurde. Er freue sich darauf, bei Siemens Führung und Verantwortung zu übernehmen "zum Wohl von Kunden, Mitarbeitern, Investoren und Eignern". Vorgänger Kleinfeld hatte wegen des Widerstands im Aufsichtsrat gegen seine Vertragsverlängerung seinen Rückzug spätestens im Herbst angekündigt.

Arbeitnehmervertreter begrüßen Berufung
Auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat begrüßten Löschers Berufung und sagten ihm ihre Unterstützung zu. Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer sprach von der Chance für einen Neuanfang. Nach Einschätzung von Aktionärsschützern wird es der neue Siemens-Chef unterdessen schwer haben, sich im Konzern eine Hausmacht aufzubauen. "Der Konzern war bisher sehr in sich geschlossen", sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem deutschen "Tagesspiegel".

Mit der Personalentscheidung wird die wochenlange Suche nach einem Nachfolger für Kleinfeld beendet. Der amtierende Siemens-Chef werde seinen Posten am 30. Juni niederlegen, hieß es. Die Führungskrise hatte das Unternehmen in den vergangenen Wochen zusätzlich belastet. In den vergangenen Wochen waren in der Nachfolge-Diskussion immer wieder neue Namen genannt worden. Als Wunschkandidat Crommes hatte lange Zeit Linde-Chef Wolfgang Reitzle gegolten, der Siemens aber vor einigen Tagen eine definitive Absage erteilt hatte.

"Herausragende Persönlichkeit"
Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sagte, mit Löscher habe man eine "herausragende Persönlichkeit" gewonnen. "Ich bin überzeugt davon, dass die schwierige Aufgabe, Siemens aus der gegenwärtigen Situation in eine gute Zukunft zu führen, bei Peter Löscher in den besten Händen liegt", sagte Cromme. "Sein globaler Hintergrund, sein hohes internationales Renommee, seine breite Erfahrung in der Strategie-Entwicklung, in Finanzmarktfragen und Technologiethemen sowie seine aufrechte Persönlichkeit waren ausschlaggebend für unsere Entscheidung", erklärte der Siemens- Chefkontrolleur.

Auch IG-Metall-Vize Berthold Huber begrüßte die Entscheidung für Löscher. In den vergangenen beiden Tagen hätten Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat ausgiebig Gelegenheit zu Gesprächen mit dem künftigen Siemens-Chef gehabt. Dabei habe dieser versprochen, "keine Kahlschlagpolitik in Deutschland und anderswo" zu betreiben und sich zur Mitbestimmung bekannt. "Wir hoffen, dass die Führungskrise damit erledigt wird", erklärte Huber. Auch in einer von Huber und dem Siemens-Gesamtbetriebsratschef Ralf Heckmann unterzeichneten gemeinsamen Erklärung hieß es, man habe den Eindruck gewonnen, "dass Herr Löscher mit seiner Persönlichkeit in der Lage ist, die Führungskrise bei Siemens zu lösen und den Konzern in ruhigere Fahrwasser zu führen."

Hiesinger wird Europachef
Als Nachfolger für Siemens-Europachef Johannes Feldmayer rückt derweil wie erwartet der bisherige Leiter der Siemens-Sparte Gebäudetechnologie, Heinrich Hiesinger (46), zum 1. Juni in den Zentralvorstand nach. Feldmayer war nach der Affäre um die verdeckte Finanzierung der Arbeitnehmer-Organisation AUB beurlaubt worden. Feldmayers Aufgaben waren interimsmäßig an andere Vorstände verteilt worden. Hiesinger soll zum Jahreswechsel auch die Aufgaben von Personalchef Jürgen Radomski übernehmen. Auch die Wahl Hiesingers bezeichneten IG-Metall-Vize Huber sowie Siemens- Gesamtbetriebsratschef Ralf Heckmann als "eine gute Wahl, da er den Konzern kennt uns seine soziale Kompetenz bereits bewiesen hat". Er sei den Arbeitnehmervertretern als fairer und verantwortungsbewusster Gesprächspartner bekannt. "Die Arbeitnehmervertreter hoffen, mit ihm die anstehenden schwierigen Aufgaben in fairer und konstruktiver Weise lösen zu können." (apa/red)