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Pete Townshend: "Auf der
Bühne bin ich ein Clown"

Der "The Who"-Mastermind im Gespräch über stolze 50 Jahre Bandgeschichte

Pete Townshend © Bild: Ian Gavan/Getty Images

Heuer feiern "The Who" 50-jähriges Bandjubiläum und vertonen aus diesem Anlass ihr Konzeptalbum "Quadrophenia" neu - als klassisches Werk mit einem Symphonieorchester. Gitarrist und Songwriter Pete Townshend erklärt im News-Gespräch, warum.

News: Nun hat auch „The Who“ ein legendäres, prägendes Album der Bandgeschichte klassisch vertont. Woher kommt der Drang vieler großer Musiker, ihren Sound an einem gewissen Punkt ihrer Karriere mit einem Sinfonieorchester neu zu interpretieren?
Pete Townshend
: Man könnte denken, ich mache das aus Eitelkeit oder Anmaßung. Schon mein Vater spielte während des Krieges in einem Tanzorchester und gab gelegentlich Klarinettkonzerte. Als wir 1969 mit The Who die Rockoper „Tommy“ in Wien spielten, kam ein Kritiker zu mir und fragte: Mister Townshend, das ist doch aber keine klassische Oper? Ich war jung, ein Punk, in Verteidigungshaltung. Aber dann sagte der Kritiker schnell: Das ist in Wirklichkeit eine Cantata! Ich war erstaunt, dass man meine Arbeit in Wien so ernst nimmt. Also wenn ich mit „Quadrophenia Classic“ ein bisschen wagemutig bin, ist daran auch Wien Schuld!

News: Wie gut hat die Zusammenarbeit mit Ihrer Partnerin Rachel Fuller funktioniert, die „Classic Quadrophenia“ orchestriert hat?
Townshend
: Das war ein enormer Vorteil. Sie hat keine Zeit damit verschwendet, Themen oder orchestrale Dichte zu entwickeln, die sie später auf meinen Wunsch hätte wegnehmen müssen. Sie ist der Ausführung meiner Akkorde und Melodien, die wirklich einfach sind, treu geblieben. Gleichzeitig hat sie mir erlaubt, sie zu steuern, wenn ich dachte, sie könnte ruhig mehr riskieren.

News: The Who ist heuer 50 geworden, ein stolzes Jubiläum. Wie stark haben Sie im Rückblick Ihre Generation geprägt?
Townshend
: Ich hoffe, ich konnte als Songwriter eine Verbindung zwischen der Sehnsucht nach einer besseren Welt, die wir alle in unserer Jugend fühlen, schaffen und der Möglichkeit, sich an einer gesellschaftlichen Veränderung zu beteiligen. Ich war einer der ersten Musiker meiner Generation, der erkannte, dass ein Großteil des Publikums ein spirituelles Erlebnis sucht. Auf der Bühne bin ich ein Clown. Ich fühle mich zweigeteilt, die Kraft meiner Performance kommt von außerhalb, nicht aus mir selbst. Ich denke gerne, ich schöpfe diese Kraft aus dem Publikum.

News: Was unterscheidet junge Menschen von heute und der Mod-Bewegung der 60er, die Sie prägten?
Townshend
: Die Welt hat sich verändert. 1962 hatten wir Angst vor der Atombombe. Wenn man jung ist und etwas bewegen möchte, fühlt man sich nicht mehr so machtlos wie früher. Junge Menschen können sich heute versammeln, demonstrieren gehen und mit Hilfe des Internets organisieren. Jimmy, der Held aus Quadrophenia, stellt sich am Schluss der Rockoper eine spirituelle Frage. Junge Menschen werden am Ende ihres Lebens auch dorthin kommen, wenn sie erwachsen werden und Verpflichtungen haben. Ihre Reise dorthin wird eine andere sein, das ist alles.

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