Pensionswelle bei Medizinern: SP-Brpukal warnt vor Ärztemangel bis zum Jahr 2015

"Nur eine Frage der Zeit, bis Geduld ein Ende hat" VP-Brinek spricht von "völling unnötiger Panikmache"

Während an Deutschlands Universitätskliniken rund 22.000 Ärzte in eine einwöchige Streikaktion getreten sind, warnte SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal vor einer ähnlichen Situation. Auch Österreich blicke spätestens im Jahr 2015 einem durch Pensionierungen bedingten Ärztemangel entgegen. Diese drohende Lücke will die SPÖ unter anderem durch eine jährliche Aufstockung mit 50 zusätzlichen Anfänger-Plätzen an den Medizinunis schließen.

Schon heute würden an Österreichs Spitälern mindestens 1.000 zusätzliche Ärzte fehlen, meinte Sabine Oberhauser, Vorsitzende der Sozialdemokratischen Ärztinnen und Ärzte. In der Regel betrage die Arbeitszeit der Mediziner 72 Wochenstunden und Wochenenddienste dauern bis zu 49 Stunden, so Oberhauser. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Geduld der Ärzte - wie derzeit in Deutschland - auch in Österreich ein Ende nimmt.

Die ÖVP-Medizin-Quote reiche für die Zukunft nicht aus, um dem entgegenzuwirken, gab sich Broukal überzeugt. In Abrede stellte er außerdem die von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) angekündigte Anzahl von 1.500 Studienplätzen für Human- und Zahnmediziner: "Das stimmt einfach nicht", sagte Broukal und rechnete vor, dass im Endeffekt maximal 806 österreichische Medizinstudenten pro Jahr für den Arbeitsmarkt übrig blieben, welche die rund 1.600, die in Pension gehen, nicht ersetzen können.

Die Zahl 806 begründete er folgendermaßen: Von den 1.500 Anfängern würden bis zum dritten Semester bereits 260 ausgesiebt - nur die 1.240 Besten "kommen weiter". Wenn man weiters mit einer Drop-Out-Quote von zehn Prozent rechnet und davon ausgeht, dass die 25 Prozent ausländischen Studenten nach ihrem Studium in ihre Heimatländer zurückkehren, bleibt eine Zahl von 806 Medizin-Absolventen jährlich.

Um den drohenden Versorgungsmangel abzufedern, müssten dringend zusätzliche Plätze für österreichische Medizinstudenten geschaffen werden - jährlich 25 Plätze in Wien, 13 in Innsbruck und zwölf in Graz. Weiters müsste das "dritte Semester" für Theoriefächer genutzt und bisher unbenützte Ausbildungsplätze aufgeschlossen werden, so der SPÖ-Plan.

Brinek: Unnötige Panikmache
Als "völlig unnötige Panikmache" wischte ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek die Kritik ihres SPÖ-Amtskollegen in Sachen Medizin-Quote vom Tisch. Die Regierung habe ausreichend vorgesorgt und mit der Aufstockung der Studienplätze um 20 Prozent dem steigenden Ärztebedarf Rechnung getragen, sagte sie in einer Aussendung.

Die Zahl der Medizinstudienplätze biete ausreichend Spielraum für jene, die nach dem Studium in Forschung und Industrie arbeiten wollen. Außerdem müsse berücksichtigt werden, dass einige Studierende mit nicht-österreichischem Maturazeugnis wahrscheinlich auch nach Ende ihres Studiums in Österreich bleiben und den Arztberuf ausüben. Schließlich betonte Brinek: "Wenn Broukal tatsächlich eine rasche Steigerung der Arbeitsmöglichkeiten und Gesundheitsversorgung andenkt, müsste er auch begreifen, dass dazu à la longue neue Spitäler gebaut werden müssen." (apa/red)