Pendler üben Kritik an neuen ÖBB-Zügen:
"Talent" sei nur für Kurzstrecken konzipiert

Klagen über Sitzkomfort und Fahrgastinformationen Bereits mehr als 550 Einträge auf Internet-Plattform

Pendler üben Kritik an neuen ÖBB-Zügen:
"Talent" sei nur für Kurzstrecken konzipiert

Die seit Dezember verkehrenden ÖBB-Talent-Züge stoßen bei Pendlern auf zum Teil heftige Kritik. Eine Internet-Homepage, die "Mängel" aus Sicht von Pendlern auflistet, hat nach Angaben der Initiatoren bereits mehr als 550 Unterstützer gefunden. Eine ÖBB-Sprecherin kündigte eine Prüfung der Kritikpunkte an. "Wir nehmen die Anliegen sehr ernst", sagte die Sprecherin auf auf APA-Anfrage. Grundsätzlich halten die ÖBB aber an ihren neuen Zügen fest.

Ihren Frust bekunden die Pendler auf der Homepage (http://pendler.iscool.net/) in Form eines Schreibens, das unter anderem an die ÖBB, die Raaberbahn, das Land Burgenland und an das Verkehrsministerium geschickt wurde. Die Klagen reichen von zu lauten Durchsagen bei der Fahrgastinformation am frühen Morgen über "sehr laute" Klimaanlagen, grelle Beleuchtung, mangelnden Sitzkomfort, zu geringen Sitzabstand, das Fehlen von Armlehnen zwischen den Sitzen und Ablagemöglichkeiten sowie unterdimensionierte Papierkörbe bis hin zu vollen, weil zu klein dimensionierten WC-Behältern.

Kurze Strecken
Die Initiatoren sind der Meinung, dass der "Talent" nur für Kurzstrecken konzipiert worden sei. "Bitte stellen sie uns solche Züge zur Verfügung, welche in Bezug auf Ausstattung für Langstreckenpendler (Fahrzeit von 40 bis 90 Minuten) konstruiert wurden", heißt es in dem Schreiben.

Qualitätsgipfel
Nach Bekanntwerden der Beschwerden hat das Land Burgenland seinen Verkehrskoordinator beauftragt, sich der Sache anzunehmen. Am vorigen Freitag habe es dazu einen "Qualitätsgipfel" mit den ÖBB und der Raaberbahn gegeben, wo die Talent-Garnituren eingesetzt sind, so Hofrat Thomas Perlaky zur APA. Dabei sei man die Beschwerden durchgegangen, zum Teil sei bereits Abhilfe geschaffen worden. Perlaky verwies jedoch darauf, dass etwa für die mittlerweile reduzierte Lautstärke der Durchsagen und die Intensität der Beleuchtung aus Gründen der Sicherheit und des Arbeitnehmerschutzes jeweils Mindestwerte vorgeschrieben seien.

Änderungen werden vorgenommen
Er habe den Eindruck, die ÖBB und die Raaberbahn seien bemüht: "Das was änderbar ist, wird geändert", meinte Perlaky. Aber alle Züge nach Pendlerwünschen umzubauen, sei nicht möglich. Das Burgenland könne außerdem "nur Zugleistungen bestellen", bei der Qualität sei der Talent derzeit Standard. Das Land habe sich bereit erklärt, zusätzliches Geld bereitzustellen, damit eine Qualitätsverbesserung erfolgt. "Das ist auch geschehen", so sei etwa feststellbar, dass die Pünktlichkeit gestiegen sei. "Aus unserer Sicht haben wir das Richtige getan", so der Verkehrskoordinator.

Tolles Fahrgefühl
Bei den ÖBB versichert man, der Talent sei ein "sehr gutes Fahrzeug" und entspreche der neuesten Technik. In anderen Regionen - etwa in Vorarlberg und Tirol - komme der Zug jedoch sehr gut an und stoße auf keinerlei Proteste. In Umfragen im Ländle habe der Talent im Durchschnitt die Schulnote 1,5 erhalten, so die Sprecherin. Eindrücke über Beleuchtung oder Sitzkomfort seien oft subjektiv. (apa/red)