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"Kalifen"-Terror naht

Peter Pelinka: Auch in Tunesien regt sich bereits islamistischer Terror

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Mittwoch Vormittag: vor der „Österreichischen Gesellschaft für Außenpolitik“ berichtet Franz Hörlberger, letzter rot-weiß-roter Botschafter in Tripolis, über die Lage in Libyen. Er musste aus Sicherheitsgründen im Vorjahr das Land verlassen. Vor 45 Monaten wurde Langzeit- Regent (42 Jahre!) Gaddafi mit Hilfe westlicher Luftangriffe gestürzt, seither versinkt das ölreiche Land im Chaos. Islamisten kämpfen mit „Westlern“, Dutzende Stämme scheren sich um gar
keine Zentrale, ins Vakuum stoßen IS-Terroristen, oft aus dem Irak und Syrien. Die Truppen des „Kalifen“ köpften koptische Gastarbeiter, zerstörten Ölfelder, entführten eben auch einen Österreicher. Nur ein weiterer Anlass, sich um das riesige Land (95 Prozent Wüste) zu kümmern, das nur 500 Kilometer von Süditalien entfernt ist und von dem aus wöchentlich hunderte Flüchtlinge in „Einwegbooten“ nach Europa (oder gleich in den Tod) geschleppt werden. Fazit: Libyen könnte nach dem Irak und dem Jemen, Syrien, Somalia und Nigeria zum nächsten „Homeland“ der Radikalterroristen werden, zu dem Europa nächsten.

Knapp zwei Stunden später verbreitet sich die Meldung vom neuesten Überfall islamistischer Terroristen auf Touristen, mindestens 25 Menschen sterben. Ausgerechnet in Tunesien, dem (neben Marokko) noch relativ stabilsten Land Nordafrikas. Mitten in Tunis, nur 400 Kilometer von Italien entfernt. Eher ein einzelner Anschlag, wie wir ihn jüngst auch in Europa erlebt haben, in London, Madrid, Paris oder Kopenhagen. Noch droht keine etablierte Terrorherrschaft wie in Libyen. Aber das „Kalifat“ nähert sich Europa, der hoch gepriesene „arabische Frühling“ ist längst tot. Da werden selbst autoritäre Herrscher wie die Militärs in Ägypten oder die Mullahs in Teheran, gar blutbefleckte Diktatoren wie einst Gaddafi oder jetzt Assad, zu kleineren Übeln.

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