Gestern und Heute von

Es gibt auch Fortschritt

Peter Pelinka ist Journalist, Historiker und Autor mehrerer zeitgeschichtlicher Bücher

Peter Pelinka © Bild: NEWS

Sie bestimmen oft die Flüchtlingsdebatten in Europa, vor allem deren Emotionen: Bilder dunkelhäutiger Menschen, die auf Booten das Mittelmeer Richtung Europa zu überwinden suchen, meist von Nordafrika aus. Nach wie vor kommen Tausende täglich an europäischen Stränden an, zumindest jene, die nicht – wie heuer schon Zehntausende andere – ertrunken sind. Etwa eine halbe Million Menschen sollen in den vergangenen drei Jahren diesen gefährlichen Weg gewagt haben, direkte Kriegsflüchtlinge ebenso wie solche, die „nur“ Arbeits- und Perspektivenlosigkeit hinter sich lassen wollen, das Elend, den Hunger. Diese „Boat People“ (so nannte man vor 40 Jahren auch jene 1,5 Millionen, welche aus Vietnam übers Südchinesische Meer flüchteten) erzeugen auch bei wohlmeinenden Europäern derzeit oft auch rassistisch getönte Angst: Wird Europa von einer „schwarzen Welle“ überrollt?

So nötig es ist, diese Bilder ernst zu nehmen, so nötig ist auch ihre Einordnung: Derzeit befinden sich weltweit 60 Millionen Menschen auf der Flucht, der Strom aus Afrika ist – noch (?) – schwach im Vergleich zu jenen sieben Millionen, welche allein aus dem Irak und Syrien in Nachbarländer flüchten mussten (etwa in den Libanon, dort ist jeder vierte Einwohner ein Flüchtling). Der Exodus aus dem zweitgrößten Kontinent der Welt (1,1 Milliarden Menschen) ist – auch – wegen neuer Kriege (in „schwarzen“ Subsaharastaaten ebenso wie in Nordafrika) gewachsen, aber der Großteil von ihnen sind Binnenvertriebene. Und er wächst nicht so stark wie in Asien (2014: plus 31 Prozent!).

Vor allem bietet Afrika mehr Anlass für Hoffnung als für Schrecken, ist Hans Stoisser überzeugt, ein österreichischer Ökonom, der seit 30 Jahren in Afrika für internationale Institutionen arbeitet (sein Buch „Der schwarze Tiger“ erscheint im Herbst bei Kösel). Die Armut habe sich seit 2000 fast halbiert. Und in den 49 Subsaharaländern (900 Millionen Einwohner) habe sich die Wirtschaftsleistung seit 2000 verdreifacht, etliche „boomten“ mit einer neuen „Mittelschicht“. China hat Afrika längst für Investitionen entdeckt – im Unterschied zu Europa.

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