Payback-Konkurrenz von

Neue "Jö" Bonuskarte startet:
Was genau bringt sie?

VKI: "Unternehmen wollen gezielt Daten sammeln"

Payback-Konkurrenz - Neue "Jö" Bonuskarte startet:
Was genau bringt sie? © Bild: UÖBC

Was im Februar 2019 angekündigt wurde, wird jetzt Wirklichkeit: Billa, Merkur, Penny, Bipa , Adeg, sowie die OMV, Bawag P.S.K., Libro, Pagro Diskont und Interio schließen sich in Sachen Kundenkarte zusammen. Der "Jö-Bonus-Club-" löst alle bisherigen Kundenkarten der einzelnen Handelsfirmen ab. Wem das nützt und worauf Endkonsumenten nun achten müssen.

Warum gibt es die neue "Jö-Bonus-Karte"?

Damit Kunden nicht unendlich viele Karten mit sich tragen müssen, sind derzeit Zusammenschlüsse beliebt. Vor rund einem Jahr startete in Österreich das branchenübergreifende Bonusprogramm "Payback" damals mit drei Partnern (DM, Fressnapf und BP). Nun legen Rewe (Merkur, Billa, Penny, teilnehmende Adeg-Kaufleute), OMV, Bawag, Libro und Pagro Diskont nach und starten den Jö-Bonus-Club. Die dazugehörige Karte wird ab sofort in 3000 Geschäften in ganz Österreich gültig sein. Wichtig : Unter dem Deckmantel den Einkauf für Kunden zu erleichtern und günstiger zu machen , werden massenweise Kundendaten gesammelt.

Wie lange ist meine Billa-Karte noch gültig?

Während die Paypack-Karte im vergangenen Jahr laut VKI viele bestehende DM-Kunden verärgerte, weil es keine Übergangsfrist gab, wird es bei "Jö" einen langsamen Wechsel geben. Billa-Kunden können ihre Karte noch maximal bis Ende des Jahres benützen. Parallel können sie sich allerdings schon für die neue Bonuskarte anmelden und diese auch nutzen. "Wie lange es die Billa-Karte noch gibt, hängt davon ab wie gut die Jö-Bonus-Karte angenommen wird", sagt Ulrike Kittinger, Geschäftsführerin des jö Bonus Club. Sie zeigt sich optimistisch: Allein am ersten Tag hätte es bereits 50.000 Neuanmeldungen gegeben. Ziel sei es, dass bis Jahresende 2019 3,7 Millionen Kunden im Club sind.

Was passiert mit dem Rabattsammler?

Den Rabattsammler von Billa soll es in ähnlicher Form auch weiterhin geben. Bei den Partnern können mit der Karte – sogenannte "Ös" (1 bezahlter Euro = 1 Ö oder am Beispiel Wocheneinkauf 100 € = 100 Ös)– gesammelt und gegen Vorteile eingelöst werden. Mit "Rabattsammlern" soll es im Folgemonat etwa minus 10 Prozent für 125 Punkte, minus 15 Prozent für 250 Punkte bei oder minus 20 Prozent für 400 Punkte bei ausgewählten Partnern geben. Der Klub biete auch andere Goodies an, "für 100 Ös erhalten die Mitglieder zum Beispiel 1 Euro Rabatt". Punkte können auch gespendet werden, aktuell an die Caritas und das Rote Kreuz. Zudem sollen die Kunden individuelle Angebote bekommen, betonte Kittinger. Die aktuellen Kundenkarten sollen noch einige Monate gültig bleiben, Punkte können transferiert werden, hieß es vom Partner Bipa.

Wem nützt diese Bonuskarte wirklich?

Konsumentenschützer sehen die Bindung der Kunden mittels einer Karte für mehrere Unternehmen skeptisch. "Ein Konsument darf nicht glauben, dass er mit dieser Karte, dass große Schnäppchen macht", sagt Walter Hager, Finanz-Experte beim Verein für Konsumenteninformation (VKI). Der ökonomische Vorteil bleibe meist höchst überschaubar und es drohe die Gefahr, sich von der Karte leiten zu lassen, wo und was man einkauft.

»Bonuskarten spielen mit unserer Psyche«

Man soll stattdessen immer überlegt einkaufen. Bonuskarten würde gezielt mit unserer Psyche spielen. So kann es passieren, dass man wahllos teure Produkte kauft, nur weil am Schluss ein Rabatt in Höhe von 20 Prozent winkt. Man kauft öfter in den Partnergeschäften, weil man glaube, Aktionen damit gut ausnützen zu können. "Der einzige Grund, warum Unternehmen sich zusammenschließen und solche Karten anbieten ist, um Daten zu sammeln", sagt Hager.

Was passiert mit meinen Kundendaten?

Für die neue Karte wurde ein eigenes Unternehmen gegründet. Die "Unser Ö-Bonus Club GmbH", in der alle Kundendaten zusammenlaufen. Kunden geben also sehr viele Daten über ihr persönliches Einkaufsverhalten an eine zentrale Stelle weiter. Das ermögliche den teilnehmenden Unternehmen etwa, den Kunden stark personalisierte, also auf sie abgestimmte Werbung zu schicken.

»Es wird niemals passieren, dass wir Daten weitergeben«

Dass das der Sinn des Datensammelns ist, wird von Geschäftsführerin des Bonusklubs, Ulrike Kittinger, auch gar nicht bestritten. Doch sie bekräftigt im Gespräch. dass Kundendaten niemals an Dritte weitergegeben werden, noch Daten übergreifend ausgetauscht werden würden. "Unsere Partnerunternehmen sehen jeweils nur ihre eigenen Kundendaten", so Kittinger. VKI-Experte Hager relativiert diese Aussage: "Das mag stimmen, doch vor Datendiebstahl, Missbrauch und internen Fehlern ist kein Unternehmen geschützt. Dies solle vor allem Konsumenten bewusst sein, denen es egal ist, wenn Handelsunternehmen ihre Daten horten.