Paul Scharner von

Was ist bloß mit Pauli los?

Er ist selbst sein größter Gegner. Und bekommt nicht, was er eh nicht will.

Paul Scharner - Was ist bloß mit Pauli los? © Bild: APA/Neubauer

Paul Scharner hat also keinen Stammplatz im ÖFB-Nationalteam gefordert. Paul Scharner ist aber offenbar hochgradig beleidigt, weil er diesen Stammplatz nicht bekommen hat. Es stellt sich die Frage: Wo ist der Unterschied? Jetzt ist Scharner Ex-Teamspieler, weil ihm Koller nicht gegeben hat, was er sowieso nicht wollte. Es ist eben immer das besonders interessant, was man nicht hat – allen die mit Kindern gesegnet sind, wird das verdächtig bekannt vorkommen.

Dass er im aktuellen NEWS erklärt, der Sager vom "weichgeklopften Schnitzel" sei ihm schon während der Rückfahrt vom Training eingefallen, macht die Sache auch nicht wirklich besser. Damit verbaut sich der HSV-Legionär nämlich sogar die Ausrede der Affekthandlung. Und wenn sich Scharner tatsächlich alles, was er vor dem Türkei-Länderspiel abgezogen hat, genau überlegt hat … uiuiui … Valentin Hobel - der ihm von seinem skurril inszenierten Amoklauf abgeraten hat - könnte längerfristig ausgebucht sein.

Das Skandal-Interview mit NEWS kam übrigens auf Scharners eigenen Wunsch zustande. In den Tagen davor hatte er gegenüber NEWS.AT und NEWS noch ziemlich genau das Gegenteil von sich gegeben - das musste er natürlich ausbessern. Das letzte Gespräch mit Koller hätte sich Scharner dann sparen können: Da war sein Interview bereits gedruckt.

Scharner erklärte auch, er wolle der Öffentlichkeit seine Sicht der Dinge darlegen. "Dass es nämlich unter Koller schon wieder in die falsche Richtung läuft." Falsche Richtung heißt in diesem Fall aber nur, dass es nicht seine Richtung ist. Den Stammplatz hat Scharner offenbar nur deshalb nicht gefordert, weil er davon ausging, ihn sowieso zu haben. Ein überzeugter Mannschaftssportler klingt anders. Dass es einer Menge Vertrauen seitens des Trainers bedarf, einen Spieler zum "Backup-Coach" (O-Ton Scharner) zu machen, übersieht der Kicker, der von sich selbst gerne in der dritten Person spricht, ebenfalls völlig.

ÖFB-Sperre ist sinnlos
Die lebenslange Sperre des ÖFB ist natürlich völlig irrelevant. Welcher Teamchef, der nur einigermaßen bei Trost ist, sollte Scharner denn noch einberufen? Der Mann ist 32 Jahre alt und zum zweiten Mal aus dem Nationalteam geflogen – das Problem löst sich schon aus biologischen Gründen von allein. Vielleicht hat die ÖFB-Spitze aber auch nur Angst vor dem, was Scharner in Zukunft noch alles durch den Kopf gehen könnte. Frei nach dem Motto: Soll sich doch der HSV fürchten.

Vor allem aber ist es wahnsinnig schade. Wer Paul Scharner kennenlernt, trifft einen sympathischen Menschen und talentierten Kicker, der eine erfolgreiche (Klub-)Karriere hingelegt hat. Was den Niederösterreicher jedesmal reitet, dass er sich einmal bei der Austria und zweimal beim ÖFB mit Kuriositäten aus dem Team schießt – man wird es möglicherweise nie erfahren. Was er in seiner Laufbahn nicht erreicht hat, hat er sich jedenfalls selbst verbaut. Und sei es nur, die Anerkennung, die ihm nach eigener Auskunft fehlt.

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