Paul Ryan von

Der republikanische Hardline

Hinter dem symphatischen Republikaner steckt ein knallharter Politiker

Paul Ryan - Der republikanische Hardline © Bild: REUTERS/Stapleton

Hinter der sympathischen Fassade verbirgt sich ein knallharter konservativer US-Kongressabgeordneter. Paul Ryan ist zwar gerade erst 42 Jahre alt, aber dennoch schon Chefarchitekt der Republikaner für einen radikalen Umbauplan des Staatsbudgets und der Sozialsysteme. Der US-Präsidentenkandidat Mitt Romney hat den polarisierenden und aufstrebenden Politstar jetzt zu seinem "Running Mate", seinem Vize, ernannt.

Romney wechselt drei Monate vor der Wahl am 6. November die Taktik und geht in die Offensive. Damit trägt er auch das Risiko eines bewusst zugespitzten Richtungswahlkampfes über Ausgaben, Steuern, Sozialsysteme und Wirtschaftsreformen.

Der Vorsitzende des mächtigen Budgetausschusses im Kongress will in den kommenden Jahren mehr als sechs Billionen Dollar (4,8 Billionen Euro) aus dem Etat schneiden, große Steuerreformen angehen und das Sozialsystem auf neue Füße stellen, es dafür zum Teil auch privatisieren.

Frontalangriff auf Demokraten
Die Demokraten verstehen das als Frontalangriff auf ihre Werte und Überzeugungen. Obama nannte es "Sozialdarwinismus". Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, warnt, Ryan wolle die Pensions-und Krankenversicherung für Senioren quasi abschaffen. Die Parteien befinden sich ohnehin in einem Lagerwahlkampf - sozial gegen marktliberal. Der dürfte sich nun immens verschärfen und die Parteibasis von Republikanern und Demokraten gleichermaßen mobilisieren.

"Das ist eine starke Wahl", ließ sich selbst Ex-Präsident George W. Bush entlocken, der sich mit Kommentaren zum Wahlkampf sonst zurückhält. Obamas Wahlkampfteam hielt dagegen: Ryan wolle die Steuern für Reiche senken und gleichzeitig der Mittelschicht und den Pensionisten neue Lasten aufbürden.

Befreiungsschlag für Romney
Die Auswahl Ryans ist für Romney vor allem ein Befreiungsschlag. Obamas meisterhafte Wahlstrategen haben ihn in die Ecke gedrängt, seine Umfragewerte sanken zuletzt bedrohlich, und in der eigenen Partei wurden die Nörgler immer lauter. So ging am Samstag ein lauter Seufzer der Erleichterung durch die Reihen der Konservativen. "Gott sei Dank!" schrieb der Medienmogul Rupert Murdoch, der niemals recht warm mit Romney wurde, im Kurznachrichtendienst Twitter. Mit Ryan stehe jetzt eine wohl "eine echte Wahl über die großen Themen" dieser Zeit bevor.

Schon Tage zuvor hatte sich sein "Wall Street Journal" eindringlich für den jungen Politstar ausgesprochen: "Der Typ glaubt wirklich an etwas", schrieb es. "Er vertritt die neue Generation der Reformer", lautete das Urteil, das in einem Vergleich mit dem Ex-Präsidenten Ronald Reagan gipfelte: "Wie Reagan hat er eine einfache Heiterkeit und die Gelassenheit von jemandem aus dem Mittelwesten." Das ist das größte Charakterlob, das sich der Reagan-Fan Ryan vorstellen kann.

Mit 28 ins Repräsentantenhaus
Ryan war gerade 28 Jahre alt, als er für den US-Staat Wisconsin ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. Seitdem kletterte er die Karriereleiter in Washington im Eiltempo nach oben. Romney bezeichnete ihn am Samstag als einen "intellektuellen Führer" der Partei. Deren Basis beeindruckt auch, dass er ein entschiedener Abtreibungsgegner ist. Der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung imponieren seine radikalen Sparpläne.

Viele Kommentatoren bezeichnen Romneys Entscheidung als riskant, da er seine Angriffsfläche mit dem polarisierenden Ryan an der Seite deutlich vergrößert habe und die unentschiedenen Wähler gegen sich aufbringen könnte. Der als langweilig und farblos geltende Präsidentschaftsbewerber, der bisher bei allem auf Nummer sicher ging, müsse zudem befürchten, von dem energiegeladenen jungen Mann in den Schatten gestellt zu werden. Ryan ist sportlich, zieht mit Kongresskollegen jeden Morgen ein hartes Ausdauerprogramm durch. Er gilt als zupackend, auch im Privatleben, in dem Jagen und Fischen zu seinen größten Hobbys zählen.

Zu unerfahren?
Kritiker meinen aber auch, dass er für das zweithöchste Amt im Staat noch zu unerfahren ist. Ein weiterer Kritikpunkt: Ihm fehle es an der notwendigen Erfahrung in der Außen- und Sicherheitspolitik. Und so richtig bekannt ist er beim Wahlvolk auch noch nicht. Doch es ist gut möglich, dass es ihn ins Herz schließt: Ryan macht im Gegensatz zu dem schwerreichen Romney einen bodenständigen Eindruck, hört gleichermaßen Beethoven wie Led Zeppelin und fährt mit einem Pick-up-Truck durch die Gegend. Nicht zuletzt wirkt er als Katholik für viele Amerikaner vertrauenerweckender als der Mormone Romney.

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