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Unser Mann beim Oscar

Patrick Vollraths Kurzfilm "Alles wird gut" ist für den Oscar nominiert

Menschen - Unser Mann beim Oscar © Bild: REUTERS/Danny Moloshok

Sein Kurzfilm "Alles wird gut" wurde bereits vor einem Jahr in Los Angeles mit dem Studenten-Oscar gekürt. Der österreichische Filmpreis folgte. Nun nominierte die Akademie der amerikanischen Filmschaffenden Patrick Vollrath für den richtigen Oscar.

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Patrick Vollrath kann scheinbar nichts aus der Ruhe bringen. Am kommenden Sonntag ist sein Werk „Alles wird gut“ in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ für den Oscar nominiert. Dass für ihn die höchsten Weihen eines Filmschaffenden greifbar nahe sind, kommentiert er mit nüchterner Gelassenheit: „Wir sind ziemliche Außenseiter, obwohl die Kritiker unseren Film am liebsten mögen. Die Vorhersagen aber gehen davon aus, dass es etwas Politisches wird.“

Gegen „Alles wird gut“ tritt der israelisch-französisch-deutsche Film „Ave Maria“ über eine jüdische Siedlerfamilie, die auf der West Bank vor einem katholischen Nonnenkloster einen Autounfall hat, an. Die Nonnen dürfen nicht sprechen und die jüdischen Siedler dürfen wegen des anbrechenden Sabbaths nicht telefonieren. Politischen Themen widmen sich die Beiträge aus den USA und dem Kosovo. „Day One“ erzählt von einer Dolmetscherin der US-Armee in Afghanistan und „Shok“ zeigt eine Bubenfreundschaft im Kosovo-Krieg. Der britisch-irische Film „Stutterer“ widmet sich den Problemen eines Sprachbehinderten.

© imago/Viennareport

Vollrath erzählt die berührend-bewegende Geschichte eines Vaters, der nach der Trennung von seiner Frau, seine Tochter entführen will. Das Ergebnis ist ein 30 Minuten währender Thriller.

Erfahrung in Los Angeles konnte er mit diesem Werk bereits im Vorjahr einholen, als er dafür mit dem Studenten-Oscar ausgezeichnet wurde. Bodenhaftung hat er trotzdem nicht verloren. „Das ist doch nur so eine Episode. Und es geht immer um den gleichen Film“, sagt Vollrath. Das Schwierigste sei immer der nächste der Film, denn auch in seinem Metier gilt: Vor dem Spiel ist nach dem Spiel, wie der passionierte Fußballfan erklärt. Eines sei jedoch klar, die Ehren werde er zu gleichen Teilen nach Österreich und nach Deutschland bringen. Denn Patrick Vollrath ist gebürtiger Deutscher, als Filmemacher aber ist er in Österreich groß geworden und das beim Besten der Besten: bei Michael Haneke. Den österreichischen Oscar-Preisträger hatte der 1985 in Deutschland Geborene beim Antrittsgespräch überzeugt: „Bei ihm war ich von Anfang überzeugt, dass aus dem etwas werden kann“, sagt Haneke.

© Privat Patrick Vollrath im Gespräch mit Susanne Zobl

Trotz des Lehrer-Giganten weisen Vollraths Filme dennoch die Eigenständigkeit des Schöpfers auf. Sich von ihm zu befreien, war „ein schleichender Prozess“, sagt Vollrath und erklärt: „Ich nehme alles an, was mir gefällt, und wenn ich anderer Ansicht bin als er, dann nehme ich das nicht an. Man will ja nicht das gleiche machen wie sein Lehrer. Aber Haneke er lässt einen gewähren, er drängt sich nicht auf.“

Die Kindheit des späteren Filmstudenten war vom Leben im Dorf in Oberharz geprägt. Als Sohn einer Sparkassenbeamtin und eines Gemeindebediensteten aufgewachsenen war er der erste in der Familie, der es mit der Kunst aufnahm. Und aus dem Leben des europäischen Mittelstands schöpft er auch heute noch das Material für seine Filme, denn er erzählt nur, was er auch tatsächlich kennt.

Zwölf war er, als Leonardo DiCaprio als Jack Dawson breitwandmäßig im Meer ertrank und sich mit Kate Winslet als Rose in die Geschichte der Traumfabrik eingeschrieben hatte. „Titanic war mein Eye-Opener“, sagt Vollrath. „Da war alles drin: Liebesgeschichte, Drama. Dieser Film hat mich so fasziniert, dass ich selbst etwas mit diesem Medium machen wollte. Damals war ich zwölf“, erklärt der heute 31-jährige und blieb bei seinem Vorhaben.

© imago/K.Piles Patrick Vollrath mit dem Österreichischen Filmpreis

Vom Burgtheater nach Hollywood

Nach dem Abitur macht er eine Ausbildung als Film- und Video-Editor arbeitete als Cutter. Dass er im Jahr 2008 nach mehreren fehlgeschlagenen Bewerbungen in Deutschland an der österreichischen Filmakademie angenommen wurde, stellte sich im Nachhinein als Segen heraus. Vollrath studierte bei Haneke. Sein Studium verdiente er sich mit Arbeiten für Werbefilme und seit 2011 als Videoredakteur am Burgtheater. Dort stellt er die Trailer für die Online-Präsentation neuer Theaterproduktionen her. Ausschlaggebend, dass er diesen Job bekommen hat, waren seine Kurzfilme, die er für die Bewerbung eingereicht hat. „Sehr gut geschnittene, kurze Filme, frech, mit einem guten Humor“, nennt die Pressechefin Konstanze Schäfer seine Bewerbungsunterlagen. Vollreith sei ein präziser Arbeiter. Er nimmt nicht nur das von zwei Kameraleuten aufgenommene Material, sondern sieht sich jedes Stück an. „Jedem Trailer versucht er eine eigene Note, einen eigenen Stil zu geben, der zum Stück und zur Inszenierung passt und trotzdem als Trailer funktioniert“, erklärt Schäfer. Vollrath begnüge sich nicht mit einer Nacherzählung des Stücks, sondern produziert eigene kleine Filme. „Und das ist nicht leicht, denn keiner soll länger als eine Minute dauern“, führt Schäfer aus und beschreibt den Kollegen als „ungemein angenehmen, völlig uneitlen und sehr organisierten und hilfsbereiten Menschen.“

Diesen Eindruck vermittelt der inzwischen mehrfach ausgezeichnete Filmemacher auch im persönlichen Gespräch, wenn er vom Lunch der Oscar-Nominierten im Jänner erzählt. Möglich, dass andere sich bei einer solchen Gelegenheit an den großen Leo herangeschmissen hätten und dem Fast-Landsmann DiCaprio erzählt hätten, dass er die Muse für das eigene schaffen gewesen ist. Das könne er bei der Oscar-Verleihung immer noch machen meint Vollrath und fügt bescheiden hinzu: „Ich werde ihm meine Karte geben“, vielleicht hilft es, dass beide eine deutsche Mutter haben. Vollrath bleibt indessen, was er immer schon war pragmatischer Realist. Zwei Wochen verbringt er um die Oscar-Verleihung in der Filmstadt und die werden für Termine genützt und erklärt trocken: „Meinen Film haben schon viele gesehen und Amerika ist gerade dabei die nächste Generation zu entdecken“. Und davon gibt es auf dem Kontinent Vollrath wahrlich genug zu erforschen.

Der Trailer zu "Alles wird gut":

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