Patientendaten von

Ärzten droht Berufsverbot

Hauptverband will Beendigung von Kassenverträgen bei Datenvergehen prüfen

Arzt verschränkt Arme © Bild: Thinkstock

Ärzten, die Daten ihrer Patienten verkauft haben, drohen schwerwiegende Konsequenzen. Der Wiener Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres stellte am Dienstag Strafen bis zum Entzug der Berufsberechtigung in Aussicht. Auch die Kündigung von Kassenverträgen könnte ihnen blühen, verlautete aus dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) sieht die Ärztekammer am Zug. Deren Bundes-Chef Artur Wechselberger betonte, bereits im Vorjahr gewarnt zu haben.

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"Wir verurteilen dieses Vorgehen einzelner Mitglieder von uns aufs Schärfste. Allen Ärztinnen und Ärzten, die rechtswidrig Daten herausgegeben haben, drohen massive Konsequenzen", erklärte Szekeres in einer Aussendung. Er werde jeden Kollegen, von dem eine unrechtmäßige Datenweitergabe bekannt werde, beim Disziplinaranwalt bzw. dem Ehrenrat der Österreichischen Ärztekammer anzeigen.

Die Wiener Ärztekammer eruiere derzeit, wie viele Kollegen in welcher Form Daten weitergegeben haben. Namen einzelner Ärzte seien derzeit nicht bekannt. "Wir sind hier auch auf Hinweise von außen angewiesen und bitten um jede mögliche Mithilfe, die betroffenen schwarzen Schafe zu identifizieren", erklärte Szekeres.

Vertragskündigung möglich

Tätig werden will auch der Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Dessen Vorsitzender Hans Jörg Schelling will prüfen lassen, ob auch Vertragskündigungen bei involvierten Kassenärzten möglich seien, wie er im Ö1-"Mittagsjournal" erklärte. Es dürften nicht jene, die immer gegen die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) und die E-Medikation schimpften, gleichzeitig jene sein, die unter Umgehung der gesetzlichen Vorgaben Daten weitergeben.

"Gesundheitsdaten in privater Hand dürfen keine Handelsware sein", betonte auch Stöger. Für alle Daten, die ein Arzt über seine Patienten erlange, gelte die ärztliche Schweigepflicht. Eine Weitergabe sei nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Patienten erlaubt. Eine Vertragskündigung bei einem entsprechenden Fehlverhalten begrüßte auch er.

Kritik an Gesundheitsdokumentation

ÖÄK-Präsident Wechselberger unterstrich, dass die Kammern bereits vor über einem Jahr die Ärzte nachdrücklich vor der Weitergabe von Verschreibungsdaten an IMS gewarnt hätten. Schon damals habe auch die Datenschutzkommission auf Anfrage der Tiroler Kammer festgestellt, dass eine Datenübermittlung nur dann rechtskonform sei, wenn eine vollständige Anonymisierung sichergestellt werde.

Die alleinige Verantwortung dafür würden die betroffenen Ärzte tragen, betonte Wechselberger daher. Sollten die Ärzte - sie haben dafür laut Kammer-Informationen 432 Euro pro Jahr von IMS erhalten - nicht gewährleisten, dass die weitergegebenen Daten nicht auf Patienten zurückverfolgt werden können, so hätten sie mit Konsequenzen zu rechnen.


Auch die Arge Daten übte Kritik, allerdings an Stöger. Dieser habe eine höchst problematische Verordnung zur Gesundheitsdokumentation zur Begutachtung verschickt, hinter der sich - amtlich angeordnet - genau das verstecke, was die Hausärzte kommerziell betrieben hätten. Stöger wies dies zurück. Der Unterschied sei, dass es für die Dokumentation eine gesetzliche Grundlage gebe.

Kommentare

Wir werden sehen, ob die Ärztekammer nur etwas daherblabbert oder es ernst meint und wievielen Ärzten dann tatsächlich Berufsverbot erteilt wird.

Ignaz-Kutschnberger

Also BITTE, wollen wir die Kirche im Dorf lassen...
1. Weiß die NSA ohnedies alles von uns
2. Glaube ich kaum, dass da der Arzt/die Ärztin gesagt hat: Oh der XY bekommt keinen mehr hoch und ich verschreib ihm jetzt Viagra!
Vielmehr dürfte es so abgelaufen sein: Ich verschreibe pro Monat 100 Packerl Viagra und 57 Packerl Kopfwehpulverl ...

brauser49
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"Arme Ärzte" die fuer 432€ p.J ihre Patienten verkaufen. Der KK-Vertrag gehoert ihnen absolut entzogen. Aber bevor sie dann am Hungertuch nagen sollten wir ein Spenden-Kto. einrichten ! strizzi: Wenn der Arzt pers. Daten des Patienten nicht weiterleitet kann er ein ruhiges "Gewissen" haben ohne Computerfachmann zu sein.

brauser49
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Etwas ueberrascht bin ich ueber Aussagen der Ärztekammer die gegen schwarze Schafe vorgehen will - aber schau ma mal !

Die Ärzte sollen gewährleisten, dass die weitergegebenen Daten nicht auf Patienten zurückverfolgt werden können!? So ist es richtig! Alles abschieben! Welcher Arzt ist schon Computerfachmann? Da gehören Programme her, die das machen! Wo sind die? Aber es ist ja einfacher, das Problem auf die Ärzte abzuschieben! Saubande!

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Diese Datenschutzhysterie wird ja schlimmer als die Scharia.

Berufsverbot wegen ein paar Daten?

Das ist wie wenn man unter der Scharia einem Dieb nicht die Hand sondern gleich den Kopf abhackt.

strizzi49 melden

Hey founder! Mit Verlaub, haben Sie vergessen runterzulassen?
Meine Krankheiten und Medikamente gehen außer mir nur mehr meinen Arzt und die Krankankasse was an, sonst niemanden! Das ist, wie wenn der Pfarrer das Beichtgeheimnis bricht! So einem Arzt gehört die Berufserlaubnis entzogen! Der Vergleich mit der Scharia ist idiotisch!

Hugo-Boatwisch melden

Wozu die Aufregung? Auch Billa und Spar melden für die Statistik wieviel sie wovon verkauft haben.
Was kümmert mich, was mein Arzt da bei tausenden Patienten an verschriebenen Medikamenten meldet? Und wäre er nicht dumm, würde er das angebotene Geld ablehnen?

Verkaufte Adressen, Mailadressen und Telefonnummern stören mich viel mehr! Denn das hat echt lästige Auswirkungen.

strizzi49 melden

Solange er nur die Mengen meldet, hat keiner was dagegen! Aber wenn er die Medikamente mit den Daten der Patienten meldet, gehört im die Berufserlaubnis entzogen !!! Es gibt da eine Ärztliche Schweigepflicht und die ist auch gesetzlich verankert! Die anderen Daten, von denen Sie schreiben, liegen in Ihrem Kontrollbereich! Müssen Sie halt selber schauen, wem Sie diese Daten anvertrauen!

strizzi49 melden

Verstreuen Sie diese Daten nicht planlos in Ihrer Umgebung, dann haben Sie auch keine lästigen Auswirkungen !!!

man möge die Namen der Ärzte und Apotheken veröffentlichen, damit der mündige Patient selbst entscheiden kann, ober er von solchen Leuten behandelt und betreut werden möchte, die Daten für € 300,- verkaufen. Eigentlich gehört solchen Leuten die Arbeitserlaubnis entzogen!

Ignaz-Kutschnberger
Ignaz-Kutschnberger melden

Warum das ganze Theater und Geschrei??
Die haben wenigstens im Gegensatz zur NSA für die Daten bezahlt !!

Ignaz-Kutschnberger
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Und bei der NSA hat sich a NIEMAND aufgeregt...also ich denk nicht, dass die den Silvio oder unsern Fischer Heinz wegen der Daten um Erlaubnis gfragt haben...unsere amerikanischen Freunde

Ronald Gabauer
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Hoffentlich informiert man auch die Betroffenen deren Daten weitergegeben oder besser verkauft wurden. Was ist mit unserer Gesellschaft los. Man wird ausspioniert per Internet, vertrauliche sensible Daten werden weitergegeben, Handydaten werden gespeichert und vieles mehr. Diese Ärzte will ich aber im Internet aufgelistet sehen, will ja auch wissen zu welchen Arzt ich nicht gehen mag.

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