Partys und Prostitution von Staatschef? Berlusconi bei Wahlansprache ausgepfiffen

"Ihr seid nur arme Kommunisten. Geht arbeiten!" Italiens Premier wegen Skandalen arg unter Beschuss

Partys und Prostitution von Staatschef? Berlusconi bei Wahlansprache ausgepfiffen © Bild: Reuters/Casilli

Der italienische Regierungschef Berlusconi, der mit dem Vorwurf konfrontiert ist, Frauen dafür bezahlt zu haben, damit diese zu Partys in seinen Residenzen in Rom und auf Sardinien kamen, bekommt jetzt die Wut der Wählerschaft zu spüren. Bei einer Wahlveranstaltung in Cinisello Balsamo bei Mailand wurde der Premierminister von rund 100 Personen heftig ausgepfiffen.

"Schande! Ihr seid nur arme Kommunisten. Geht arbeiten!", reagierte Berlusconi auf die Buh-Rufe empört. Die Affäre rund um Partys und Prostitution wurden von der 42-jährigen Patrizia D'Addario ausgelöst. Diese hatte in einem Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" und vor den Ermittlern berichtet, dass sie im vergangenen Herbst gemeinsam mit dem mit Berlusconi befreundeten Unternehmer Giampaolo Tarantini zu zwei Partys in Berlusconis Privatresidenz Palazzo Grazioli eingeladen worden sei. Dafür seien ihr 2.000 Euro in versprochen worden. Da sie bei Berlusconi nicht übernachtet hatte, wurden ihr nur 1.000 Euro gezahlt. Sie legte den Staatsanwälten ein Video vor, das sie in Berlusconis Schlafzimmer in seiner Privatresidenz in Rom aufgenommen habe.

Weitere vier junge Frauen wurden nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica" am Samstag von der Staatsanwaltschaft von Bari vernommen. Die Staatsanwalt hat im Zusammenhang mit den Aussagen der Frauen, sie hätten gegen Bezahlung an Partys von Premier Berlusconi teilgenommen, Ermittlungen wegen Begünstigung der Prostitution aufgenommen. Die Ermittlungen betreffen jedoch nicht den Regierungschef, versicherte dessen Anwalt Nicolo Ghedini.

(apa/red)