Kritik von

Dreimal umsonst gefeiert

Milos Lolic inszeniert Harold Pinters „Party Time“ im Kasino

Kritik - Dreimal umsonst gefeiert © Bild: Burgtheater/Reinhard Maximilian Werner

Der junge serbische Regisseur zeigt Harold Pintes Einakter „Party Time“ dreimal hintereinander. Die Momentaufnahme der privilegierten Upperclass, die nur sich selbst feiert, während ein Aufruhr London in den Ausnahmezustand versetzt, wird dabei zur Show bewegter Bilder.

THEMEN:

Vor einem Vierteljahrhundert wurde Pinters „Party Time“ in London uraufgeführt. Der Text aber wirkt wie eine Momentaufnahme aus der Gegenwart. Eine kleine Gruppe von Privilegierten hat sich in einer Wohnung zurückgezogen und macht Party. Man trinkt, man feiert sich und den eigenen Wohlstand und verdrängt, dass draußen der Ausnahmezustand herrscht.

Sabine Kohlstedt hat dafür ein passendes Bühnenbild geschaffen. Ein Stahlgerüst auf der sonst leeren Bühne des Kasinos ist Wohnung und Festung zugleich. Auf der Plattform des Gerüsts hat sich Festgesellschaft zurückgezogen.

© Burgtheater/Reinhard Maximilian Werner

Wie durch den Weichspüler

Und da beginnt das Problem: Die Sprache. „Pinters Mischung aus englischem und jüdischem Humor ins Deutsche zu übertragen ist ziemlich unmöglich“, hatte einmal Peter Zadek, einer der bedeutendsten Theatermacher des 20. Jahrhunderts gesagt. Das schien auch Milos Lolic zu spüren. Pinters Pointen, die scharfen Spitzen der Einzelnen gegen alle und jeden, die Ambiguität seiner Sätze wirken in der deutschen Übersetzung wie durch einen Weichspüler sanft und harmlos. Die einzige ehrliche Stimme, die von Dusty (fabelhaft, Mavie Hörbiger), die sich um ihren Bruder sorgt, wird von ihrem Mann (ausgezeichnet, Philipp Hauß) zum Verstummen gebracht. Am Ende sollte ihr Bruder Jimmy seine großen Auftritt haben. Mit seinem Monolog über Düsternis, Verlorenheit, sollte eigentlich das Stück beenden.

© Burgtheater/Reinhard Maximilian Werner

Nicht so bei Lolic. Jimmy tritt wie ein Terrorist auf, schießt in die Party-Gesellschaft schießen und murmelt Unverständliche. Man rückt näher zusammen, kehrt so quasi zurück an den Start, wiederholt den Text.

Am Ende ist die Party-Gesellschaft zu einer Art Swinger-Gesellschaft am Boden des Gerüsts formiert, als würde man Brueghels Gemälde „Sybille in der Hölle“ nachstellen. Die Party geht in die nächste Runde. Die Sätze werden wiederholt, aber das macht nichts besser. Da hilft es auch nichts, dass das physisch geforderte Ensemble sehr viel gibt.

Was bleibt sind die Bilder einer von Regieeinfällen erstickten Inszenierung. Auf Pinter hat man vergeblich gewartet.

Kommentare