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Massentrend Dating-Apps:
Was steckt hinter Tinder und Co.?

So einfach war Flirten noch nie: Experten sprechen von sexueller Revolution.

Traumpartner © Bild: Thinkstock

Wer heute auf Partnersuche ist, weiß: Ohne Netz geht gar nichts mehr. Der Aufwand ist schwindend gering geworden - man scheint nur wenige Klicks entfernt vom großen Glück. Während klassische Online-Singlebörsen wie Parship eher auf Beziehung hinzielen, bieten GPS und Social-Media basierte Dating-Apps wie Tinder eher Gelegenheiten für schnellen Zufallssex. Doch warum funktionieren diese Plattformen so gut? Und findet man dort wirklich, was man sucht? Bestseller-Autor und Mastercoach Roman Braun beleuchtet im Interview die psychologischen Aspekte von Tinder und Co.

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Wie hat man eigentlich einen Partner gesucht, als es noch keine Handys gab? Das dürfte sich die junge Generation heute fragen. Denn heute braucht man zwangsläufig ein Smartphone und einen Facebook-Account, um im größtmöglichen Teich der Singles zu fischen. Die Suche im Web ist eben nicht mehr nur für eine Minderheit bequemer als im Offline-Leben.

Die beliebtesten Dating-Apps der Österreicher

  • Parship (450.000 Mitglieder aus Österreich)
  • Lovoo (400.000 Mitglieder aus Österreich)
  • Edarling (300.000 Mitglieder aus Österreich)
  • Zoosk (25 Millionen, 250.000 aus Österreich)
  • Friendscout24 (150.000 Mitglieder aus Österreich)
  • Badoo (208 Millionen weltweit)
  • Tinder (600 Millionen weltweit, etwa 20.000 aus Österreich)

Minimaler Aufwand, maximaler "Ertrag"?

Doch warum sind die neuen Dating-Apps so beliebt? Zunächst hat sich der Aufwand bei der Partnersuche damit auf ein Minimum reduziert - diese läuft ganz nebenbei, wenn die Besprechung in der Arbeit langweilig ist oder man auf den Bus wartet. Die zeitraubende Profilerstellung ist mit Social Media basierten Diensten hinfällig geworden - Dating-Apps wie Tinder holen sich vom bereits erstellten Profil einfach Vorname, Alter und Fotos ab, wer will, kann einen Satz zur "Persönlichkeits-Vervollständigung" angeben.

Noch nie war Flirten einfacher: Ist die App einmal installiert, werden Gesichter via "Gefällt mir/Gefällt mir nicht"-Prinzip selektiert. Bei einem "Match", kann es zu einem Chat kommen. So viel muss klar sein, hier geht es rein ums Aussehen. Oder viel mehr um das einzig und alleinige Abchecken des eigenen Marktwertes, wie manche munkeln. So ist es nicht weiter verwunderlich, wenn Dating-Apps eher auf schnellen Zufallssex hinzielen, als auf eine Beziehung.

Partnerwunsch
© Thinkstock

Sexuelle Revolution?

Abchecken kann man auch, ob die kontaktierte Person gerade online ist und sogar wo sie sich gerade befindet - der GPS basierte Dienst macht's möglich. Das nächste Date über Navi orten und kurz mit ihm chatten: Für Experten ist das eine neue "sexuelle Revolution". Eingeläutet wurde sie von der Mobile Dating App Grindr.

Roman Braun
© Trinergy International/Weinwurm

Eine "Revolution", der die Massen folgen: Tinder hat unfassbare 600 Millionen registrierte Nutzer, Badoo 208 Millionen. Bestseller-Autor und Mastercoach Roman Braun hat im Interview versucht, die psychologischen Aspekte von Mobile-Dating zu beleuchten. Zum Beispiel: Warum funktionieren diese Plattformen so gut? Was sind die wirklichen Motive? Und gibt es verschiedene Online-Dating-Typen?

Die 4 User-Typen

Roman Braun: "Grundsätzlich kann man vier Typen unterscheiden, die sich in ihrer Motivation und ihrem Verhalten stark differenzieren. Die kleinste Gruppe davon sind die Naiven . Sie gehen unerfahren und sehr idealistisch an die Sache Online Dating ran. Soziale Medien sehen sie als tolle Möglichkeit, neue Bekanntschaften zu knüpfen und versuchen, so den idealen Partner - quasi den 'Traumprinzen' - zu finden.

Die zweite Gruppe sind die digitalen Abenteurer . Sie nutzen Dating Apps und Online Plattformen vor allem für hitzige Flirts und um den gewissen Kick durch eine Art Verliebtheitsgefühl zu bekommen. Man könnte fast sagen, dass 'digitale Abenteurer' am meisten von Online Dating haben, da dieses Gefühl, dieser Kick, den sie bekommen derart stark und packend ist, dass es Alltagssorgen mühelos in den Hintergrund drängt. Tatsächlich hat dieses Gefühl positive gesundheitliche und mentale Auswirkungen. Außerdem: Besser als bei einem 'echten' Treffen, wo einem Nachteile und Fehler des Gegenüber schnell bewusst werden, können sie sich ganze Traumwelten und Idealszenarien konstruieren – sie zögern daher das erste Treffen gerne hinaus. Das ist vor allem bei Frauen so.

Ähnlich abenteuerlich und hitzig wie der zweite Typus ist auch der dritte – die 'sexuellen Abenteurer ', jedoch forcieren sie den tatsächlichen, persönlichen Kontakt und suchen nach vielen, neuen Bekanntschaften.

Ganz anders dazu sind die 'Reifen ' - man könnte fast sagen die 'Abgeklärten'. Ihnen geht es um echte, dauerhafte Bindungen. Sie haben typischerweise schon Beziehungserfahrung. Daher vermeiden sie gekünstelte, übertriebene Bilder und Profile – Reife nehmen am ehesten ein aktuelles Foto als Profilbild. Sie sind die Realisten unter den Online Datern – sie wissen, dass langanhaltendes Beziehungsglück von zwei Personen 'gemacht' werden muss und suchen nicht das Perfekte beziehungsweise den Perfekten. Daher meiden sie andere Typen, wie Abenteurer, und erkennen andere "Reife" leicht wieder. Von allen Gruppen finden sich unter diesen die meisten Paare."

Findet hier jeder, was er sucht?

Roman Braun: "Nein. Die beiden Gruppen der Abenteurer kommen besonders auf ihre Kosten und auch die Reifen haben gute Chancen ihr Ziel – eine dauerhaften Beziehung – zu erreichen. Allerdings werden die Hoffnungen der Naiven zumeist enttäuscht. Denn neben den reifen Realisten werden auch Naive im Netz leicht erkannt und gerne von Abenteurern aufgespürt. Jedoch lernt diese Gruppe davon: Entweder Naive ziehen sich wieder zurück und geben das Online Dating auf oder wachsen in eine andere Gruppe hinein. Es gibt beispielsweise viele, die den Genuss des Flirtens entdeckt haben und zu Abenteurern werden."

Männer und Frauen: So selektieren sie

Roman Braun: "Das digitale Kennenlernen kommt besonders Männern entgegen, denn für sie ist die Bebilderung vorrangig. Ein bis zwei Bilder genügen, damit Männer das Gefühl haben, eine potentielle (Flirt-)Partnerin einzuschätzen. Frauen hingegen ist das zu wenig. Sie wollen Männer in ihrer Umgebung beobachten können. Körpersprache, Kleidungsstil und Stimme sind für sie wichtige Indikatoren bei Männern – daher sind kleine Video-Sequenzen eine perfekte Ergänzung. Wenn die Möglichkeit besteht sollten Männer diese Chance unbedingt nutzen. Zudem ist wichtig zu wissen: Frauen suchen unbewusst in einem Mann immer gleichzeitig einen 'Besorger', einen 'Versorger' und einen 'Fürsorger'. Das heißt konkret jemand, der beruflichen und/oder sozialen Status hat, der Potenz beziehungsweise Stärke aufweist sowie liebevoll und fürsorglich ist."

So sticht man hervor

Roman Braun: "Den 'Reifen' kann man empfehlen, sich so zu präsentieren wie sie sind – dadurch erkennen einen auch die anderen 'Reifen' sehr gut. Als 'Abenteurer' macht es einen Unterschied, ob männlich oder weiblich. Für Frauen gilt: möglichst naiv, jung, freundlich und offenherzig auszusehen. Schließlich auf Bildern direkt in die Kamera schauen und dabei lachen. Gut ist auch, viel von der Halslinie zu zeigen – ein langer Hals wirkt für Männern unbewusst als anziehend. Bester Beziehungsstatus ist 'single'.
Männer hingegen sollten besser nicht in die Kamera schauen. Da Frauen mehr Informationen brauchen, als das bloße Äußere und gerne beobachten, sollte der Mann auf dem Bild beschäftigt sein. Wenn möglich, sollte er außerdem, mehrere Bilder oder sogar ein Video dem Profil zufügen. Kinder oder Tiere auf dem Bild mit dem Mann sind auch sehr vorteilhaft – so kann er Rolle als Fürsorger ideal demonstrieren."

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