Parteifreunde erwiesen Kurt Steyrer letzte Ehre: Beisetzung im engsten Familienkreis

Fischer: "Sozialdemokrat aus tiefster Überzeugung" Gusenbauer würdigte Antifaschisten & Modernisierer

Parteifreunde erwiesen Kurt Steyrer letzte Ehre: Beisetzung im engsten Familienkreis

Der im Alter von 87 Jahren verstorbene ehemalige Umwelt- und Gesundheitsminister und SPÖ-Präsidentschaftskandidat Kurt Steyrer ist in Wien verabschiedet worden. Zahlreiche Freunde und politische Weggefährten hatten sich bei der Trauerfeier im Krematorium am Zentralfriedhof eingefunden. Bundespräsident Heinz Fischer würdigte den "Sozialdemokraten aus tiefster Überzeugung" als "außergewöhnlichen und vorbildlichen Politiker, der es immer wieder verstanden hat, Brücken zu bauen".

"Selten fallen die Nachrufe auf einen Verstorbenen, der hohe und höchste politische Funktionen ausgeübt hat, so einhellig und uneingeschränkt positiv aus", begann Fischer seine Rede. "Er war hilfsbereit und er stand zu seinen Idealen." Eines dieser Ideale sei eine humane, gerechte, soziale und demokratische Gesellschaft gewesen, ein weiteres die Hoffnung auf eine friedliche Welt ohne Krieg und Gewalt.

Fischer erinnerte sich auch an die Zeit, als Steyrer noch im Nationalrat saß. "Seine Reden im Parlament sind temperamentvoll, sachlich engagiert, aber versöhnlich gewesen. Man musste ihm einfach zuhören." Auch der gemeinsamen Zeit in der Regierung Sinowatz wurde gedacht, Steyrer sei ein Minister mit großer Sachkenntnis und einem Höchstmaß an Glaubwürdigkeit gewesen. Seine menschliche Größe habe sich aber vor allem in der Stunde der Niederlage bei der Bundespräsidentenwahl 1986 gezeigt: "Ich werde die gefasste und faire Art, wie Kurt Steyrer auf das Wahlresultat reagierte, nicht vergessen."

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer erinnerte in seiner Rede daran, dass Steyrer eine territoriale Heimat - Österreich - und eine ideologische - die Sozialdemokratie - hatte. "Beide machten ihm diese Verbundenheit nicht immer leicht. Er hingegen stellte weder seine Loyalität noch seine Prinzipien in Frage." Steyrer habe immer demokratische Gemeinsamkeit und Humanität eingefordert. "Er mahnte ein, dass Volksparteien stets das Volk zu vertreten haben und nicht ihre partiellen Machtinteressen - manchmal mahnte er leider auch vergeblich."

Mitunter, so Gusenbauer, sei der überzeugte Antifaschist Steyrer mit seinen Ansichten selbst in der eigenen Partei auf Unverständnis gestoßen. Seine Arbeit sei die "Befreiung vom Ungeist der Vergangenheit" gewesen. Als Umwelt- und Gesundheitsminister habe Steyrer die Modernisierung des Landesvorangetrieben - "weitgehend ohne Modernisierungsverlierer".

Neben Fischer und Gusenbauer waren bei der Trauerfeier auch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Verkehrsminister Werner Faymann und Kulturministerin Claudia Schmied (alle S) anwesend. Auch Steyrers ehemalige politische Weggefährten Lore Hostasch, Rudolf Edlinger, Franz Löschnak und Hannes Androsch erwiesen ihm die letzte Ehre. Die Beisetzung der Urne wird im engsten Familienkreis stattfinden.
(APA/red)