Parteien haben mit Neuwahl spekuliert: 1. Werbegeschenke schon vor dem Aus bestellt

Keine Zeit für Innovationen bei Kugelschreibern & Co Kaum zusätzliche Gewinne bei der Außenwerbung

Bereits vor dem "Es reicht" von Vizekanzler Wilhelm Molterer scheint eine Neuwahl fixe Sache gewesen zu sein. Mehrere Parteien hätten schon Wochen zuvor erste Aufträge für Wahlgeschenke aufgegeben, sagte Wilfried Adamowitsch, Geschäftsinhaber des Werbeartikelherstellers PAW. Die Industrie selbst profitiert nur in geringem Ausmaß vom Wahlkampf, auch der volkswirtschaftliche Nutzen hält sich laut Experten in Grenzen.

Trotz früher Anzeichen für einen Urnengang im Herbst muss die Werbeindustrie aufgrund der Neuwahlen nun gewaltig ins Gaspedal treten. "Wir hätten gerne mehr Vorbereitungszeit gehabt", so Adamowitsch. Allerdings: "Kalt erwischt hat es diesmal niemanden." Trotz der geringen Auswirkungen freut man sich in der Branche über die zusätzlichen Aufträge. Das Sommerloch wird damit gestopft und ein kleines Umsatzplus ist allemal drin. Des Werbers Resümee: "Der Termin ist schaurig-schön."

Für Adamowitsch, der Aufträge aus allen Parteien hat, gibt es zwei Tabus im Wahlkampf: Listen, die noch Rechnungen aus der vergangenen Wahlschlacht nicht bezahlt haben und Aufträge, die die Grenzen des Geschmacks sprengen. "Es gibt Dinge, die mache ich nicht." Bei den Werbemitteln setzt der Fachmann auf Traditionelles, also Feuerzeuge, Kugelschreiber und Co. Trotzdem bezeichnet er es als tragisch, dass aufgrund der kurzen Anlaufzeit die Chance für neue Trends vergeben worden sei.

Kein zusätzliches Geld
Auch Vertreter der Außenwerbung zeigen sich nicht unbedingt euphorisch. Zwei der größten heimischen Unternehmen betonen, dass sich die Auftragslage durch die Wahlplakate nicht ändere. "Es ist ein Irrglaube, dass man zusätzlich Geld verdient", so etwa Hansjörg Hosp, Chief Operating Officer der Gewista. Die Kampagnen würden sogar nicht einmal mehr die Dimensionen wie vor Jahren erreichen, meint Epamedia-Chef Heinrich Schuster. Im Vergleich zu privatwirtschaftlichen Aufträgen würden wahlkämpfende Parteien im Mittelfeld rangieren.

Ganz nüchtern sieht Volkswirtschaftsprofessor Peter Rosner die Auswirkungen des Wahlkampfes auf die Wirtschaft: "Es entsteht weder Schaden noch Nutzen." Der Umfang der Aufträge sei einfach zu klein, selbst bei großen Kampagnen wie im derzeit laufenden US-amerikanischen Wahlkampf.

(apa/red)