Parlamentswahlen von

Die neue Türkei

Selbstbewusst am Bosporus - Wie europäisch ist dieses Land?

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Am Sonntag steht Recep Tayyip Erdogans Wiederwahl an. Laut Meinungsforschern könnte sie noch triumphaler ausfallen als die vorherigen beiden und seine Partei, die islamisch-konservative AKP, in die Nähe einer Zweidrittelmehrheit rücken. Weshalb sich also noch mit Wahlterminen aufhalten? „Ziel: 2023“, steht schlicht auf den Plakaten. Es ist das Jahr des 100-jährigen Bestehens der Republik und ein damit einhergehendes Versprechen: die Türkei bis dahin auf Platz 10 der größten Volkswirtschaften der Welt zu pushen.

Die 76 Millionen Türken sind von einem neuen Selbstbewusstsein erfasst. Gespeist aus Wachstumszahlen, von denen Europa bloß noch träumen kann, scheint plötzlich alles möglich. Selbst schärfste Erdogan- Kritiker loben dessen Wirtschaftspolitik und vergessen im Gespräch nicht, süffisant auf Europas unsicher gewordene Zukunft zu verweisen. Während ein EU-Staat nach dem anderen an den Rand der Beinahe-Pleite rückt, ist die Türkei fast unbemerkt zu einer wirtschaftlichen wie politischen Mittelmacht aufgestiegen. Und diese pocht beinhart auf ihre Interessen, legt etwa ungeniert ein Veto gegen Ursula Plassniks ausgemachte Bestellung zur OSZE-Generalsekretärin ein – als Retourkutsche für die Skepsis der damaligen Außenministerin gegenüber den EU-Plänen der Türken.

Doch wo steht diese Türkei nun wirklich? Rückt sie nach Westen, wie es Republiksgründer Atatürk einst vorsah, oder driftet das Land unter Erdogans Führung in Richtung eines islamischen Gottesstaates ab? Verhält es sich wie mit Istanbul, das am Wasser so schön wirkt wie Venedig – fernab davon aber zum Moloch mutiert, brutal, schnell und wie vollgepumpt mit Speed?

Schüsse auf Unliebsame
„Klar, die Gesellschaft ist konservativer geworden, aber die Konservativen einfach auch sichtbarer, da Erdogan nun Macht über die Medien hat und so vieles, was noch vor Jahren vielleicht als extrem galt, Mainstream wurde“, erklärt Sedat Yilmaz, ein Regisseur, der sich nicht scheut, den Finger in die offenen Wunden seines Landes zu legen. Im Dunkeln seines Studios drückt er auf Play – sein Film beginnt zu laufen, in dem bald der erste Journalist erschossen wird, eine Redaktion von der Angst gefangen und die Jagd auf deren verbliebene Mitglieder eröffnet ist.

Turbo
Burcu Cetinkaya trägt schwarze High Heels, langes offenes Haar und zeigt Bein. Es ist Abend, am Bosporus kommt Wind auf. Sie wartet in Bebek, einem Nobelviertel. Das ganze Wochenende lang fuhr sie Rallye, schlug sich gut. Eine Frau als Pilotin – nicht nur in der Türkei ist das ungewöhnlich. Burcu erkämpfte sich diesen Traum, die Eltern hatten anderes für sie vorgesehen gehabt, sie an die besten Schulen geschickt. Doch sie sträubte sich, nahm einen Kredit auf und raste los. „Die EU und wir Türken“, sagt Burcu nun, „das passt nicht zusammen. Die Mentalität, der Glaube, wir sind einfach zu verschieden.“ Eine Einschätzung, die geteilt wird, von Carsamba bis an die Spitze der Trump Towers. Bloß Brüssel hat sie noch nicht erreicht.

Lesen Sie die ganze Reportage von Christoph Lehermayer im NEWS 23/11!

Kommentare

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türkei schon vor 60 jahren habe ich türken kennenge. das sind keine boesen

mfp7764 melden

Re: türkei in den urlaubsländern glaube ich dir das gerne,aber zu uns kommt nur der sud und das gesindel.

Türkei Islamlisch-konservativ? So was will in die EU. Eine Provokation nach der anderen. Wenn sie wirtschaftlich so gut dastehen, bringt ihnen die EU doch nichts. Und von wegen Mittler zwischen Europa und Islamstaaten. Vielleicht macht sich jemand die Mühe und fragt Petr Scholl-Latour

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