Parlamentswahl in Jordanien entschieden:
Gemäßigte Parteien und Beduinen siegen

Königstreue Kräfte bleiben weiter in der Mehrheit Erstmals schafft Frau eine Direktwahl ins Parlament

Parlamentswahl in Jordanien entschieden:
Gemäßigte Parteien und Beduinen siegen

Bei der Parlamentswahl in Jordanien haben königstreue Kandidaten erwartungsgemäß erneut die Mehrheit der 110 Sitze gewonnen. Die meisten von ihnen waren als unabhängige Kandidaten angetreten. Die Islamische Aktionsfront (IAF), die einzige Oppositionspartei von Bedeutung, musste nach den veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen Verluste einstecken. Dieser politische Arm der radikal-islamischen Muslimbrüder erhielt nach derzeitigem Stand acht Sitze.

Allerdings könnten einige ihrer Anhänger ebenfalls noch als Unabhängige zusätzliche Sitze gewonnen haben. Bei der Wahl 2003 hatte die Aktionsfront 17 Sitze errungen. Die IAF, die mit dem Slogan "Der Islam ist die Lösung" geworben hatte, warf der Regierung Wahlmanipulation vor. Die Regierung wies die Vorwürfe zurück. Die Tageszeitung "Alarab Alyawm" berichtete von einigen Fällen von Stimmenkauf. Innenminister Eid al-Fayes hatte am Vortag eingeräumt, im Zusammenhang mit Wahlfälschung habe es einige Festnahmen gegeben.

Eine Frau schaffte die Direktwahl
Dem Parlament werden den vorläufigen Ergebnissen zufolge auch sieben Frauen angehören: Das jordanische Wahlrecht sieht vor, dass mindestens sechs Sitze an Frauen vergeben werden. Eine Frau schaffte - erstmals - die Direktwahl. Die Zahnärztin Falaka al-Jamaani setzte sich in ihrem Wahlkreis Madaba durch. Die Politikerinnen sowohl liberaler als auch konservativer Ausrichtung waren ebenfalls als Unabhängige angetreten. Insgesamt waren 199 Frauen unter den 885 Kandidaten. Wahlberechtigt waren 2,5 Millionen Menschen.

2. Parlamentswahl unter König Abdullah II.
Es war die zweite Parlamentswahl unter der Herrschaft von König Abdullah II. (45), der den Haschemiten-Thron 1999 nach dem Tod seines Vaters König Hussein bestiegen hatte. Abdullah II. ist ein enger Verbündeter Washingtons. Die Machtbefugnisse des Parlaments in Jordanien sind nicht sehr groß.

Im Mittelpunkt des Wahlkampfs standen die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und Inflation sowie Forderungen nach mehr sozialer Gerechtigkeit und besseren Bildungschancen. Die Arbeitslosenquote schwankte zuletzt zwischen 14 und 30 Prozent, der monatliche Mindestlohn in Jordanien liegt bei umgerechnet rund 100 Euro. (APA/red)